asp-Werkstattclub: Weiterbildung ist das A und O

15.05.2026 08:10 Uhr | Lesezeit: 2 min
Die Teilnehmer des asp-Werkstattclubs. 
© Foto: TÜV SÜD/Michael Bolay

Beim asp-Werkstattclub powered by TÜV SÜD konnten die Teilnehmer eine Menge Impulse für ihr Tagesgeschäft mitnehmen. Die Halbtagesveranstaltung in der Motorworld Region Stuttgart machte die Zukunft zum Thema.

Die Veranstaltung stand unter dem Motto: "Jetzt die richtigen Knöpfe drücken - so richten Sie Ihr Werkstattgeschäft für die Zukunft aus." Elektromobilität, digitale Assistenzsysteme, vernetzte Steuergeräte und neue Diagnoseanforderungen verändern den Werkstattalltag grundlegend. Werkstätten müssen sich auf Hochvolttechnik, Software-Updates, neue Sensorik und digitale Fehlerdiagnosen einstellen, ohne das heutige Kerngeschäft zu vernachlässigen.

Einen Crashkurs in Sachen Zukunftsfähigkeit gab Carsten Komann, Technischer Produkttrainer bei Bosch. Komann ist vielen aus dem Videokanal der Bosch-Werkstattwelt bekannt, wo er regelmäßig Technikwissen vermittelt. Komann bot in seiner Präsentation einige handfeste Ratschläge, wie Werkstätten sich auf die neuen Herausforderungen durch E-Mobilität und softwaredefinierte Fahrzeuge vorbereiten. Die wichtigste Botschaft: "Investieren Sie in Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter! Das Know-how ist für mich der entscheidende Punkt, um auch noch in Zukunft up to date zu sein."

Komann bezeichnete es als Damoklesschwert, dass in vielen gut ausgelasteten Werkstätten häufig zu wenig gut ausgebildetes Personal arbeite. Oft bleibe nicht die Zeit für die dringenden Weiterbildungen. Er warnte davor, sich ausschließlich auf das angestammte Geschäft zu konzentrieren: "Das wäre rückwärts gedacht." Seine Empfehlung zielte auf Kooperation, beispielsweise auch innerhalb eines starken Werkstattkonzepts wie Bosch Car Service.

Mehrmarkentester reicht nicht

Die Zukunftsfähigkeit einer Werkstatt bemesse sich aber nicht nur am Know-how der Mitarbeiter, sondern erfordere auch ein Mindestmaß an Investitionen in das passende Equipment: "Ein Mehrmarkentester reicht heute für eine freie Werkstatt nicht mehr aus", so Komann mit Blick auf die weitgehenden Sicherheitsanforderungen der Fahrzeughersteller für bestimmte Reparaturarbeiten.

Immer mehr Bauteile müssen heute über das OE-Portal erst freigeschaltet oder angelernt werden. Als Lösungsansatz empfahl er den Remote-Service, den heute viele Anbieter den Werkstätten zur Verfügung stellen, um genau diese Arbeiten zu ermöglichen. "Dazu ist die Akkreditierung im Rahmen von Serma für Kfz-Betriebe dringend notwendig."

Außerdem zeigte Ralph Sander, Vertriebsleiter im Marktgebiet Stuttgart bei TÜV SÜD, wie Freie Betriebe das Schadenmanagement professionell und rechtssicher aufstellen. Dazu gehören auch sinnvolle Lösungen für das oft vernachlässigte Thema Arbeitssicherheit. Auch im Schadengeschäft ist derzeit viel in Bewegung. Bei der Regulierung von Haftpflichtschäden achten die Versicherer zunehmend auf die Kosten.

Derzeit verschicken sie in großem Maße Regressforderungen an Werkstätten, die einen Haftpflichtschaden repariert haben. Darin fordern die Konzerne einen Teil der beglichenen Schadensumme zurück, wenn sie der Auffassung sind, dass bestimmte Posten in der Werkstattrechnung nicht gerechtfertigt seien. Marcus Kaiser, Rechtsanwalt und CEO der Kanzlei K & K Rechtsanwälte: "Das heißt konkret, bei uns ist die Regresswelle angelaufen. Wir beobachten, dass die großen Autohaus-Gruppen als Erste damit zu tun gehabt haben, eine Masse an Regressverfahren abzuwehren." Dieser Trend werde sich auf breiter Linie durchsetzen, glaubt Kaiser.

Gutachten als Schutzschild

Marcus Kaiser legte den Teilnehmern daher ans Herz, sich auf zwei wichtige Werkzeuge zu besinnen: "Es gibt zwei wirksame Schutzschilde gegen diese Regressforderungen. Das ist zum einen ein wasserdichtes Schadengutachten durch einen Sachverständigen. Der zweite wirksame Schutzschild ist der Werkstattauftrag selbst, sofern er korrekt formuliert ist."

Insbesondere müssten Kfz-Betriebe darauf achten, dass im Auftrag die kompletten Schadennebenkosten aufgeführt sind, aber auch die Stundenverrechnungssätze für Elektronik-, Lack- und Mechanikarbeiten. Interessant: Der BGH hat den Stellenwert eines neutralen Gutachtens gestärkt und bestätigt, dass ein neutraler Gutachter die Schadensprognose am besten für die Werkstatt und für den Geschädigten erstellen könne. Kaiser: "Das Gutachten bildet die Grundlage der Reparatur. Wenn ein Gutachten vorgelegt wird, dann muss selbst das Autohaus oder die Werkstatt keine eigene Recherche vornehmen oder Prüfungen durchführen, ob das Gutachten richtig erstellt worden ist."

Noch nicht angekommen

Kaiser erklärte bei der Gelegenheit auch noch einmal den Hintergrund der neuen Praxis im Schadenmanagement. "Obwohl die entscheidenden Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) zum Werkstattrisiko nun schon zwei Jahre zurückliegen, ist die neue Rechtsauffassung noch nicht im Werkstattalltag angekommen", glaubt Kaiser. "Mit den Entscheidungen zum Werkstatt- und Sachverständigen-Risiko wollte der BGH vor allem den Unfallgeschädigten stärken." Der Grundsatz, dass der Geschädigte darauf vertrauen dürfe, dass seine Werkstattrechnung vom Unfallverursacher in voller Höhe erstattet wird, wurde von den Richtern bestätigt und erweitert. Allerdings erfolge dies bei gleichzeitiger Abtretung möglicher Regress-Ansprüche des Kunden gegen die Werkstatt an die Versicherung. Diese könne ihrerseits Forderungen an die Werkstatt stellen. Kaiser ­erklärte zudem, warum die bislang ­gewohnte Abtretungserklärung besser durch eine Zahlungsanweisung ersetzt werden sollte.

Wie es konkret aussehen kann, wenn sich Kfz-Betriebe bewusst auf die Zukunft einlassen, konnte man im Praxistalk sehen. Einen Blick in ihre erfolgreiche Praxis gaben Bettina Schmauder, Kaufmännische Leitung bei Schmauder & Rau, sowie Oliver Stieber, Geschäftsführer im Autohaus Stieber, in der von asp-Chefredakteur Dietmar Winkler moderierten Gesprächsrunde zum Besten.

Spannender Praxistalk

Bettina Schmauder empfahl, dass man sich eigentlich kontinuierlich selbst hinterfragen müsse: "Habe ich denn noch ein Geschäftsmodell, das aktuell und auch in der Zukunft funktioniert? Und wo muss ich rechtzeitig die Stellschrauben richtig drehen? Und dazu gehört eine top ausgebildete Mannschaft, das heißt konkret, ich muss in die Ausbildung investieren." Jeder Betrieb brauche eine Idee, wie er künftig die Kunden an sich binden will - sei es durch die Konzentration auf ein spezielles Feld oder im Rahmen eines Komplettangebotes.

Auch bei Schmauder & Rau habe man sich tatsächlich schon vor ein paar Jahren Gedanken darüber gemacht und beschlossen, weiterhin möglichst breit aufgestellt zu sein. Seit der Übernahme eines Ford-Servicebetriebs habe man nun auch Einblick in die Welt der Marke bekommen. Seit Kurzem ist Schmauder & Rau zudem ein Bosch-Car-Service-Betrieb.

Oliver Stieber erklärte, warum es in seinem Betrieb heute schon Normalität ist, auch E-Fahrzeuge zu reparieren. "Für mich war nie die Frage, will ich das machen oder nicht, sondern wir machen das ganz einfach. Es gibt keinen Grund, warum wir es nicht tun sollen", ist Stieber überzeugt.


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