Diese drei Geländewagen sind Kinder des Krieges, und dennoch haben sie den Globus zum Besseren verändert durch Einsätze für Hilfsorganisationen oder als Arbeitsgerät in extremem Terrain. Vor 75 Jahren, am 1. August 1951, präsentierte Toyota den Jeep BJ als Urahnen des legendären Land Cruiser; nur einen Monat später ging der Nissan 4W60 als Vorläufer des Patrol in Serie, und der Mitsubishi-Jeep legte die Basis für den beliebten Pajero. Ein japanisches Offroad-Trio, das seine Gene mit dem amerikanischen Jeep teilte und in wenigen Jahren weltweit bekannt wurde.
Tatsächlich entstanden die 4x4-Typen auf Initiative der ab 1950 am Korea-Krieg beteiligten Amerikaner, die Nachschub benötigten und deshalb in Japan bei Mitsubishi den Willys Jeep montieren ließen, bevor sie 1951 neue 4x4-Modelle für Nippons "Nationale Polizeireserve" suchten. Auch diese Ausschreibung gewann Mitsubishi, obwohl sich Nissan 4W60 und Toyota Jeep BJ gleichfalls als enge Verwandte der US-Ikone zeigten. Toyota und Nissan konzentrierten sich nun auf Privatkunden.
Der Traum grenzenloser Mobilität
Verwirklichten ihre Allradler doch einen Mobilitätstraum, den kein anderes Auto so verlässlich erfüllte: Menschen an einen beliebigen Ort zu fahren und problemlos zurückzubringen, gleich ob in 1.600 Meter tiefen Kupferminen, als Erntehelfer in Höhenlagen von 3.500 Metern oder als 4x4-Entdecker in Wüste und Wildnis. "Nur zum Mond und zurück kann der Land Cruiser nicht", scherzte Toyota beim Deutschland-Debüt vor 50 Jahren. Das gilt bis heute für diesen bodenständigen Typ, der aber mit 14 Millionen Einheiten rekordverdächtig erfolgreich unterwegs ist.
Mitsubishi als Pionier des japanischen Allradantriebs
Zuverlässig, widerstandsfähig und fast unzerstörbar robust, dieser Ruf machte auch die Geländewagen von Nissan und Mitsubishi zu weltweiten Bestsellern. Die Marke mit dem Logo der drei Diamanten legte 1934 sogar den Grundstein für die Erfolgsgeschichte japanischer Geländewagen: Weit vor dem Willys-Jeep oder dem britischen Land Rover präsentierten Mitsubishi-Ingenieure den PX-33 als ersten Serien-Pkw mit Allradantrieb und Dieselmotor. Mit dieser 4x4-Expertise erwies sich Mitsubishi nach dem Zweiten Weltkrieg als ideales Montagewerk für den amerikanischen Willys-Jeep, den die Japaner weiterentwickelten und bis 1998 in Lizenz bauten.
Pajero trifft den Zeitgeist der 1980er Jahre
Der nächste Schritt: Mit dem richtigen Gespür für perfektes Timing präsentierte Mitsubishi 1982 den ersten Pajero als schick designten Herausforderer für den seit 1955 als Land Cruiser vermarkteten Toyota und den seit 1960 als Patrol verkauften Nissan. Anfang der 1980er-Jahre florierte der Allradmarkt. Zuverlässige Offroader vermittelten den reise- und abenteuerhungrigen Amerikanern und Europäern ein Gefühl des sicheren Ankommens in jener letzten Epoche der Unerreichbarkeit ohne Internet und Smartphone. Aber auch vor Beachclubs und Eiscafés waren offene Geländewagen angesagt, denn konventionelle Cabrios waren vorübergehend fast ausgestorben.
Genau diesen Zeitgeist traf der nach einer südamerikanischen Wildkatze benannte und vergleichsweise günstig positionierte Pajero als Cabrio und Station Wagon ins Herz, ehe er Mitsubishi bei der Paris-Dakar, der härtesten Rallye der Welt, Triumphe für die Ewigkeit sicherte, unter anderem 2001 mit Jutta Kleinschmidt als erster Frau auf dem Siegerpodest.
SUV verdrängen die klassischen Geländewagen
Ob Mitsubishi Outlander, Nissan X-Trail oder Toyota RAV4, die SUV drängten Kraxler vom Schlage eines Pajero, Patrol und Land Cruiser in den 2000er-Jahren zurück in die Reviere des Schlamms, Schotters und Wüstensands. Dort konnten drei Urgesteine dann mit Land Rover, Jeep, kleinen Suzuki oder der kostspieligen Mercedes G-Klasse um die Rolle des Offroad-Kings kämpfen. Eine Auseinandersetzung, die der Land Cruiser fast immer klar für sich entschied.
Der Land Cruiser wird zum Maßstab
Schon der erste, 1958 nach Europa eingeführte Toyota Land Cruiser (FJ25) bot mit seinem 92 kW/125 PS starken 3,9-Liter-Benziner deutlich mehr Leistung als die etablierten Geländewagen von Jeep und Land Rover und das zu Discountpreisen. Der ab 1960 über ein Vierteljahrhundert lang gebaute und 1976 in Deutschland eingeführte Land Cruiser J4 beeindruckte durch eine beispiellose Vielfalt von über 30 Varianten, die alle nach dem Total-Quality-Prinzip gebaut wurden. So konnte der Land Cruiser dem britischen Land Rover in vielen afrikanischen und asiatischen Märkten die Vormachtstellung nehmen.
Luxus für die Wildnis
Und wer glaubt, dass erst der 1970 gestartete Range Rover Luxus und Langstreckenkomfort in die Klasse der Wüsten- und Wildnis-Kreuzer brachte, sollte sich den Land Cruiser J5 ansehen, der als repräsentativer Sechszylinder-Station-Wagon schon 1967 für Furore sorgte. Als diese zweite Land-Cruiser-Linie 1980 in nächster Generation (J6) vorfuhr, avancierte dieser Alleskönner zum populärsten Bodyguard für Machthaber im Nahen Osten und sogar zum Privatauto von Prominenten wie dem James-Bond-Darsteller Roger Moore.
Zwischen Konfliktzonen und Hilfsmissionen
Unfreiwillige Prominenz anderer Art gewann der Land Cruiser als Kriegsgerät von Rebellen und Regierungschefs, die den kaum zu stoppenden Allradler als Raketenwerfer und Truppentransporter einsetzten. Tatsächlich gaben der Land Cruiser und der ebenso robuste Pick-up Toyota Hilux sogar einem Krieg den Namen: Als "Toyota-Krieg" wird die 1987 ausgefochtene letzte Phase eines tschadisch-libyschen Grenzkonflikts bezeichnet, bei der die Toyota-Offroader den Streitkräften des Tschad entscheidende Vorteile verschafften.
Verhindern konnte Toyota den Einsatz des Land Cruiser als Waffe nie, aber die Japaner bemühten sich fortan noch intensiver, die friedlichen Missionen des Land Cruiser herauszustellen, etwa bei Expeditionen durch die Antarktis, 2005 mit einem deutschen Team auf den Ojos del Salado in Chile oder 2007 mit dem britischen Medium Top Gear an den magnetischen Nordpol.
Zum Jubiläum weiterhin auf Erfolgskurs
Während Nissan und Mitsubishi ihre 4x4-Ikonen schon vor Jahren aus Europa zurückzogen, zeigt der Land Cruiser auch nach 75 Jahren Flagge: Die Jubiläumsfeiern steigen im Museum der Kölner Toyota-Dependance und beim "Buschtaxi"-Treffen der Community. Weit über 1.000 Offroader werden zu diesen weltweit größten Land-Cruiser-Treffen erwartet.