Die Fehlerdiagnose gleicht häufig der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Vor allem moderne Fahrzeuge mit einer Vielzahl an Steuergeräten und Sensoren bieten vielfältige Fehlerquellen, deren Lokalisierung viel Zeit und damit Geld kosten kann. Die im freien Markt gebräuchlichen Diagnosegeräte verlangten bislang noch viel Erfahrung und Intuition des Bedieners bei der Fehlersuche. Die neuesten Gerätegenerationen bieten jetzt mit der KI-gestützten Diagnose die Möglichkeit, die Fehlersuche deutlich zu beschleunigen und Fehldiagnosen zu minimieren.
Wobei der Begriff "Intelligenz" nicht überbewertet werden sollte. Noch können die Diagnosegeräte nicht eigenständig denken, sondern sind auf hoch entwickelte Algorithmen angewiesen, die auf riesige Datenmengen zugreifen und daraus Empfehlungen zum weiteren Vorgehen entwickeln. So arbeitet das Mega-Macs-Diagnosegerät von Hella Gutmann, welches bereits seit 2023 künstliche Intelligenz im Rahmen der automatisierten Diagnose einsetzt, mit einer Datenbasis von rund zwei Milliarden historischen Fehlercodes, rund fünf Millionen statistisch erfassten Fällen aus dem Technischen Callcenter, Daten aus 30 Jahren Systemdiagnose, Fahrzeugdaten der Hersteller sowie täglichem Feedback aus den Werkstätten. Die Daten werden mittels Machine Learning und Big-Data-Technologien ausgewertet und kontinuierlich verbessert.
Expertenwissen bleibt notwendig
Auf dieser Basis kann die KI-gestützte automatische Diagnose viele Schritte übernehmen, wie beispielsweise die Fahrzeugidentifikation, das Auslesen der Fehlercodes, die Ermittlung des wahrscheinlich defekten Bauteils und die Bereitstellung relevanter Zusatzinformationen. Die Unterstützung erfolgt dabei in mehreren Schritten. Das Gerät übernimmt den kompletten Diagnoseablauf, von der Fehlerauslese bis zur Eingrenzung der Fehlerursache auf ein konkretes Bauteil. Die KI entscheidet schließlich, welche Fehlercodes relevant und welche als Folgefehler zu ignorieren sind. Am Ende des Prozesses schlägt das System das wahrscheinlich defekte Bauteil vor und liefert Zusatzinformationen wie Einbauanleitungen.
Die Werkstatt kann den Prozess jederzeit verfolgen und bei Bedarf manuell eingreifen. Laut Hella Gutmann dauert der Prozess im Schnitt weniger als fünf Minuten und ist in rund 80 Prozent der Fälle auf Anhieb korrekt. "Der Einsatz der KI in der Diagnose kann zur Folge haben, dass die technische Hotline von Hella Gutmann Solutions in einem geringeren Maße in Anspruch genommen werden muss. In komplexen Fällen, bei denen die KI keine eindeutige Empfehlung geben kann, ist jedoch weiterhin Expertenwissen der Technischen Hotline nötig", erklärt Adnan Cemal, Geschäftsführer Hella Gutmann Solutions, die Grenzen des Systems. Die Automatisierte Diagnose-Funktion (AD) ist mit dem Software-Update auf Version 70 ohne zusätzliche Kosten verfügbar. "Ein gesonderter Service-Vertrag ist nicht erforderlich, solange das Gerät und die Software entsprechend konfiguriert und aktuell sind", so Cemal weiter.
- Ausgabe 1-2/2026 Seite 026 (659.8 KB, PDF)