Der Betrieb im österreichischen Imst (Tirol) ist als Mercedes-Händler und Servicebetrieb bekannt sowie als Spezialist für Stellantis-Marken und BYD. Für Stellantis und BYD wurde 2025 ein neuer Showroom fertiggestellt, indem auf zwei Stockwerken die Fahrzeuge der Marken Peugeot, Citroën, Opel und BYD präsentiert werden. Außerdem wurde eigens für die Wartung und Reparatur von E-Fahrzeugen eine komplett neue Werkstatt eingerichtet.
Der Betrieb stand daher vor der Herausforderung, vorhandene Bühnen im laufenden Werkstattbetrieb zu ersetzen und parallel den Neubau entsprechend auszustatten. Begleitet wurde die Ausstattung der Werkstatt unter anderem vom Großhandelsunternehmen Autobedarf Karl Kastner in Innsbruck, einem langjährigen Partner von Goidinger. Im Werkstattbetrieb bei Goidinger sind insgesamt rund 70 Mitarbeiter tätig, davon 14 Azubis, die im Betrieb ausgebildet werden. An den insgesamt 16 Arbeitsplätzen für Pkw und zusätzlichen Arbeitsplätzen für Lkw und Transporter inklusive mehrerer Gruben werden täglich um die 30 Pkw und bis zu 15 Lkw repariert. Und hier sind die neuen Elektro-Arbeitsplätze in der neuen Halle noch gar nicht eingerechnet.
Werkstatt für E-Fahrzeuge
Bei unserem Besuch riecht es in der neuen Halle noch nach Farbe, der anthrazitfarbene Boden ist frisch verlegt. Ungewöhnlich: Goidinger setzt beim Bodenbelag auf einen Gummibelag. Grundmaterial sind eingeschmolzene Isolierungen von Stromkabeln, die in Platten gepresst als Fußboden ein zweites Leben bekommen. Das fühlt sich angenehm weich an. Zudem sorgt der Boden für eine angenehm gedämpfte Akustik in der Halle. Geschäftsführer und Serviceleiter Andreas Kurz denkt dabei auch an seine Leute: "Das ist ein ganz anderes Arbeiten und sehr angenehm für die Mitarbeiter, denn es scheppert nicht mehr alles wie auf dem herkömmlichen Klinkerboden." Trotzdem ist es hell, denn die großen Fenster sorgen nicht nur für ausreichend helles Tageslicht, sie liefern frei Haus auch gleich ein Alpenpanorama, das andere nur von der Fototapete kennen.
Hermann Hell, Vertriebsmitarbeiter beim Werkstattausrüster Autobedarf Karl Kastner in Tirol, betreut die Firma Goidinger und war auch bei der Ausstattung mit neuen Hebebühnen ein gefragter Mann. Er kennt sich aus und führt sachkundig durch die Halle, wo jetzt insgesamt vier 2-Stempel- Unterflur-Hebebühnen ihren Dienst tun - mit maximaler Traglast von 3,5 bzw. 5,5 Tonnen. Die Bühnen haben entsprechend der unterschiedlichen Fahrzeugabmessungen eine maximale Durchbreite von 230 cm und 260 cm. Alle Bühnen sind mit viel Zubehör ausgestattet und bieten flexibel alle denkbaren Optionen, wie es gerade für den jeweiligen Arbeitsplatz benötigt wird. In einer Werkstatt, wo vornehmlich E-Fahrzeuge repariert werden sollen, gibt es auch besondere Anforderungen an die Hebetechnik - denn wenn es darum geht, die Batterie auszutauschen, muss vor allem der Unterboden möglichst frei zugänglich sein.
Hebebühne für E-Fahrzeuge
Jörg Passoke, Vertriebsmitarbeiter beim Hersteller Autopstenhoj, zeigt die austauschbaren Radgreifer, die an den Schwenkarmen bei Bedarf eingesetzt werden können. Passoke: "Es ist unsere Philosophie, so wenig wie möglich vom Unterboden des Fahrzeugs zu verdecken. Das gelinkt am besten in Kombination mit einem Radgreifer. Wenn ich die Chance habe, an die Räder zu gehen." Wenn das Fahrzeug mit Radgreifern angehoben wird, ist auch der gesamte Schwellerbereich frei.
Mit dem Radgreifer wird das Fahrzeug verzugsfrei gehoben. Das Fahrzeug steht dann wie auf einer Fahrschiene, die Räder bleiben im eingefederten Zustand. Für manche Arbeit ist dies durchaus erwünscht. Beispielsweise bei Arbeiten an der Karosserie oder beim Scheibenservice. Die austauschbaren Radgreifer bieten gerade in kleineren Werkstätten maximal Flexibilität.
Passoke: "Stellen Sie sich vor, zum Beispiel in einer freien Werkstatt. Ich habe nur drei Arbeitsplätze und möchte die so universell wie nur möglich gestalten. Dann ist es für den Nutzer absolut interessant, das Fahrzeug also nicht nur im Schwellerbereich anzuheben, sondern auch an den Rädern."
Alternativ zu den Radgreifern bietet Autopstenhoj speziell für Akku-Fahrzeuge sogenannte E-Adapter an. Diese Zubehör-Adapter können in drei verschiedenen Positionen anstelle des Steckpilzes in den Schwenkarm eingesteckt werden. Wahlweise wird dadurch entweder die Schwenkarmlänge vergrößert oder die Spitze des Schwenkarms abgewinkelt. Durch eine nahezu 90°-Stellung des E-Adapters zum Schweller wird zuverlässig eine Beschädigung des Akkupacks vermieden und zusätzlicher Freiraum für die Austauscharbeiten geschaffen. Ergänzend können formschlüssige Kunststoffadapter für die fahrzeugspezifische Anwendung kombiniert werden.
Lange Haltbarkeit ist selbstverständlich. Das fängt schon bei der Oberflächenbehandlung an. Bei den Schwenkarmen gibt es zwei verschiedene Varianten - mit normaler Lackierung in verschiedenen Schichten und alternativ mit zusätzlicher KTL-Beschichtung.
Kalibrierarbeitsplatz
Im älteren Gebäudeteil wurde eine Hebebühne im Annahmebereich erneuert. Die neue 4-Stempel-Unterflurhebebühne "Sharklift" erfüllt die Mercedes-Anforderungen für die Achsmessung. Außerdem ist sie für die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen anderer Fahrzeugmarken geeignet. Zudem dient sie als Arbeitsplatz für die Lichteinstellung auf höchstem Niveau. Insgesamt sehen wir in der Halle einen Multifunktionsarbeitsplatz, der es ermöglicht, möglichst viele Kontroll- und Justagearbeiten herstellerkonform für mehrere Marken zu erledigen. Die Fahrfläche der Bühne ist entsprechend lang. Mercedes gibt 5,50 Meter vor. Die Fahrflächen sind absolut stabil und verwindungssteif ausgelegt. Bei Bedarf kann mit dem Achsfreiheber gearbeitet werden, der zwischen den Fahrschienen läuft. Passoke: "Das ist eine Konfiguration, die von Mercedes freigegeben ist und wo wir wissen, dass auch andere Fahrzeugtypen problemlos in der gleichen Präzision bearbeitet werden können."
- Ausgabe 3/2026 Seite 028 (1022.2 KB, PDF)