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Volkswagen lenkt ein

Bei Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns fehlen in der Bedienungsanleitung genaue Angaben zum Motorenöl, was ein Nachfüllen schwierig macht. Nach Intervention der Wettbewerbszentrale hat Volkswagen nun eingelenkt.


Datum:
05.11.2021
Autor:
Alexander Junk
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Kurzfassung

Ohne Ölspezifikation in der Bedienungsanleitung wissen Autofahrer nicht, welches Öl sie einfüllen dürfen. So geschehen bei Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern. Nun sollen die fehlenden Angaben ergänzt werden.

Viele Kunden bringen beim Ölwechsel-Termin gerne ihr eigenes Motorenöl mit. Was Kfz-Betriebe ärgert, spart dem Kunden bares Geld, da der Preis für das selbst gekaufte Öl im Regelfall günstiger ist - Internethändlern und dem Baumarkt sei Dank. Einige Betriebe sperren sich jedoch aus Haftungsgründen, mitgebrachtes Öl einzufüllen, denn schließlich kann das Schmiermittel ja auch aus dubiosen Quellen stammen und für einen Motorschaden sorgen. Auch der zusätzliche Umsatz spielt eine Rolle, denn Motorenöl ist bislang immer noch ein guter Ertragsbringer für Kfz-Betriebe. Das gilt auch für das Mitnahmeöl in kleinen Gebinden, das zusätzlich als Kundenbindungsinstrument taugt.

Irreführende Angaben

Dem Volkswagen-Konzern scheint das vom Kunden mitgebrachte Öl ebenfalls ein Dorn im Auge zu sein, denn bei den VW-Marken Skoda und Seat werden in den Betriebsanleitungen der Fahrzeuge seit einiger Zeit keine genaue Spezifikationen des Motoröls mehr genannt und Kunden stattdessen an den Fachbetrieb verwiesen, der das Öl einfüllen soll.

So heißt es beispielsweise in der Betriebsanleitung eines Skoda Octavia: "Die für Ihr Fahrzeug richtige Motorölspezifikation in einem Fachbetrieb erfragen. Wenn kein Öl der richtigen Spezifikation verfügbar ist, kann bis zum nächsten Ölwechsel maximal 0,5 Liter Öl der folgenden Spezifikation verwendet werden (...)." Hier nennt Skoda zwar dann verschiedene VW-, ACEA- und API-Normen, die jedoch keinen Aufschluss über das richtige Motorenöl geben und auch nur als Notbehelf zu verstehen sind, denn der Kunde soll sein Öl ja in einem Fachbetrieb wechseln lassen.

Aus dem Kreis der UNITI-Mitglieder (Bundesverband mittelständischer Mineral-Ölunternehmen), aber auch von Verbrauchern haben sich zuletzt Beschwerden zu diesem Thema gehäuft, da neben Skoda auch bei Seat Angaben zu freigegebenen Ölspezifikationen fehlen. "Die Autofahrer werden damit um ihre Wahlfreiheit beim Thema Öl gebracht, und zugleich werden die unabhängigen mittelständischen Schmierstoffanbieter in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, am fairen Wettbewerb teilzunehmen", sagt dazu Edwin Leber, UNITI-Geschäftsführer Schmierstoffe/Mineralöl-Technologie.

UNITI wandte sich in der Angelegenheit an die Wettbewerbszentrale, die als unabhängige Institution der deutschen Wirtschaft die Eigenverantwortung der Unternehmen gegenüber Gesellschaft und Konsumenten für einen funktionierenden und lauteren Wettbewerb fördert.

Die Wettbewerbszentrale vermeldete Ende Oktober 2020, die Praxis von Skoda verstoße laut des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb gegen Paragraf 5a Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 UWG, und mahnte den Autohersteller ab. "Skoda war nicht bereit, auf eine Abmahnung hin sich zu unterwerfen, sodass nunmehr eine gerichtliche Klärung erfolgt. Diese hat, sollten auch andere Hersteller dazu übergehen, Betriebsanleitungen nicht mehr mit den notwendigen Motoröl-Spezifikationen auszuweisen, für die Kfz-Branche insgesamt Bedeutung", sagte Andreas Ottofülling von der Wettbewerbszentrale damals. Sowohl Skoda Auto Deutschland als auch Seat Deutschland haben die Verstöße mittlerweile anerkannt und gegenüber der Wettbewerbszentrale die geforderten Unterlassungserklärungen in der Sache abgegeben. Jörg-Uwe Brandis, UNITI-Geschäftsführer Tankstelle, resümiert: "Wir erwarten eine gewisse Strahlwirkung der Verfahren auf andere OEM, die vergleichbare Tendenzen verfolgen, den Verbraucher durch fehlende Angaben zu Motoröl- Spezifikationen in den Pkw-Betriebsanleitungen und zu der damit einhergehenden neutralen Ölauswahl im Falle von Ölwechsel und Nachfüllbedarf im Sinne des UWG irrezuführen." UNITI begrüßt das Einlenken der OEM, denn aus Sicht der mittelständischen Schmierstoffbranche sind neutrale, für den Verbraucher frei zugängige Ölinformationen auch im Sinne eines fairen und ungehinderten Wettbewerbs zwingend notwendig.

Strahlwirkung auf andere Marken

Die Strahlwirkung ließ sich nicht lange auf sich warten: Laut UNITI-Pressesprecher Alexander Vorbau haben auch Audi und Volkswagen im August 2021 von sich aus reagiert und wollen Angaben zur korrekten Ölspezifikation in den Bedienungsanleitungen nachreichen. Denn auch in den Anleitungen von VW und Audi fehlen Angaben zum Öltyp. Alle neuen Modelle, die ab 2022 bei Volkswagen und Audi erscheinen, sollen die passenden Ölspezifikationen in der Bedienungsanleitung enthalten. Ob alte Bedienungsanleitungen ausgetauscht werden, bleibt offen. Kunden, die ihr Öl zum Wechsel mitbringen, können aufatmen.

Ölspezifikationen im Detail

- ACEA-Spezifikation:ACEA steht für "Association des Constructeurs Européens d'Automobiles" (Verband der europäischen Automobilhersteller). In der ACEA sind europäische Hersteller wie VW oder Volvo organisiert, die ihre eigenen Motoröl-Spezifikationen geschaffen haben.- SAE-Klasse:SAE steht für "Society of Automotive Engineers", eine Organisation, die verschiedene Standards in der Autoindustrie festlegt. Dazu gehören auch die SAE-Klassen, welche die Viskosität von Motoröl angeben. Im Ölcode, beispielsweise "5W30", werden dafür die Niedrig- und die Hochtemperatur-Viskosität angegeben.- API-KlassifikationDas American Petroleum Institut erstellt Öl-Klassifikationen mit fester Nomenklatur für Benzinmotoren. Der Buchstabe S steht für Ottomotoren in Pkw. Zusätzlich zum Buchstaben S wird dem Alphabet folgend ein Buchstabe oder eine Zahl genannt.

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