Gegenüber 2024 zeigte das vergangene Jahr im Bereich des Pkw-, SUV- und Transporter-Segments eine leicht rückläufige Marktentwicklung im Reifenersatzgeschäft. Während der Gesamtmarkt geringfügig unter dem Vorjahresniveau erwartet wird, setzt sich der strukturelle Trend zugunsten von Ganzjahresreifen fort. Das Wachstum liegt jedoch nur noch im mittleren einstelligen Bereich, da die Marktbasis inzwischen deutlich größer ist als in den Vorjahren. Michael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), sieht jedoch eine wesentliche Verschiebung bei den Auswirkungen dieses Trends: "Während bislang vor allem Sommerreifen Marktanteile an Ganzjahresreifen verloren, ging der Zuwachs zuletzt stärker zulasten der Winterreifen."
Hintergrund ist unter anderem das Auslaufen der M+S-Übergangsregelung im September 2024, wonach nur noch Reifen mit Schneeflockensymbol als wintertauglich gelten. Der Marktanteil von Ganzjahresreifen im Consumer-Ersatzgeschäft wird inzwischen auf 35 bis 38 Prozent geschätzt - mit regionalen Unterschieden. "In schneereichen Regionen bleibt die saisonale Bereifung stabil; vereinzelt kam es dort sogar zu einer Rückkehr vom Ganzjahres- zum Winterreifen, nachdem Nutzer mit den Leistungen unter extremen Bedingungen unzufrieden waren", berichtet Schwämmlein.
Querschnitt
Breite 55 - 35
205 - 325 75 - 55
185 - 235 70 - 30
165 - 285
75 - 55
185 - 235 65 - 40
k. A. 70 - 35
185 - 275 75 - 55
155 - 235 60 - 40
205 - 255 55 - 40
225 - 285 60 - 35
235 - 285 Geschwindigkeitsindex Y R - H T - Y R - H k. A. H - Y R - H T - Y H - Y H - Y EU-Label C - D,
A
B
71 - 73 dB B - C,
A
A
72 dB A - D,
A - B
A
68 - 73 dB B - C,
B
B
70 dB k. A.
k. A.
k. A.
k. A. B - C
A
A - B
69 - 73 dB k. A.
k. A.
k. A.
k. A. A
A
A
k. A. A
A
B
k. A. B
A
A - B
k. A. Auslegung
* Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Vielfalt pusht B2B
Ein sicherheitsrelevanter Aspekt ist der Wegfall des saisonalen Reifenwechsels, wodurch die regelmäßige Luftdruckkontrolle seltener erfolgt. Michael Schwämmlein mahnt: "Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) warnen erst bei etwa 20 Prozent Druckverlust - bei modernen Reinforced- und HL-Reifen, insbesondere für schwere Elektrofahrzeuge, kann dies bereits kritische Auswirkungen auf Laufleistung, Rollwiderstand und Fahrverhalten haben."
In den Absatzkanälen zeigen sich keine grundlegenden Veränderungen. Rund 70 Prozent des Ersatzmarktes entfallen weiterhin auf freie Reifenfachhändler und Werkstätten, etwa 20 Prozent auf markengebundene Autohäuser. Der B2C-Onlinehandel bleibt mit rund fünf bis sechs Prozent Marktanteil schwach. Wachstum im Onlinebereich findet primär im B2B-Segment statt, wo Großhändler und Plattformen als logistische Verlängerung für mittelständische Betriebe fungieren. "Angesichts der enormen Produkt- und Dimensionsvielfalt können Händler ihr Sortiment nicht mehr vollständig bevorraten und greifen verstärkt auf digitale Beschaffungslösungen zurück", so Schwämmlein.
Neue Regeln in Sicht
Mit Blick auf die im Juni anstehende Branchenmesse "The Tire Cologne" in Köln liegt der Schwerpunkt des BRV-Auftritts auf dem Servicebereich, insbesondere Werkstatttechnik und standardisierten Montageprozessen, etwa bei RDKS-pflichtigen Nutzfahrzeugen. Ergänzend sind Workshops zu rechtlichen Themen, Arbeitssicherheit sowie praktische Demonstrationen geplanter Serviceprozesse vorgesehen. Zudem wird erstmals seit längerer Zeit wieder ein Service-Award vergeben.
Regulatorisch stehen mehrere Entwicklungen an. "In der Reifenkennzeichnung wird künftig ein zusätzliches ,B' die Nasshaftung bei zwei Millimeter Restprofiltiefe ausweisen", so Schwämmlein. Perspektivisch wird zudem der Reifenabrieb im Rahmen der Euro-7-Regulierung begrenzt. Für neue Pkw-Reifen (C1) sollen Grenzwerte im Vergleich zu Referenzreifen definiert werden, um Partikelemissionen zu reduzieren. Parallel wird auf europäischer Ebene über einen digitalen Produktpass diskutiert, der perspektivisch über RFID-Technologie zusätzliche Reifendaten verfügbar machen könnte.
Profile für den Sommer
Aus der Reifenindustrie kommen auch dieses Jahr wieder einige Neuheiten auf den Markt. Ein Teil der Sommerprofile wurde bereits vorgestellt, andere sind für das laufende Jahr angekündigt und werden, wie beispielsweise ein neuer AT-Reifen für 4x4-Fahrzeuge von General Tire aus dem Continental-Konzern, erst auf der Reifenmesse TTC vorgestellt. Auch Continental selbst kommt zur Jahresmitte mit einem neuen Reifen. Worum es sich handelt, wird noch nicht kommuniziert. Hankook kündigt für April ebenfalls ein neues Sommerprodukt an, "für Fahrer, die am Wochenende gerne mal ein paar Runden auf der Rennstrecke drehen", heißt es aus dem Konzern. Welche neuen Reifenmodelle bereits auf dem Markt sind, haben wir zusammengefasst.
Mit dem Potenza Sport Evo bringt Bridgestone die nächste Generation des erfolgreichen Sommer-Sportreifens für Pkw und SUVs auf den Markt. Er soll für hohe Fahrstabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten sorgen. Außerdem überzeugt er laut Hersteller auch bei Nässe (EU-Label A) und konnte den Bremsweg zum Vorgänger um fünf Prozent bei Nässe und zwei Prozent im Trockenen verkürzen. Dem Trend zum Ganzjahresreifen wird der japanische Hersteller mit dem neuen Transporterreifen Duravis All Season Evo gerecht. Rollwiderstand und Laufleistung konnten um 15 Prozent verbessert werden, außerdem soll der Reifen durch seine Nasshaftung (Label A) überzeugen. Konzerntochter Firestone bringt den neuen Transporterreifen Vanhawk 3, der gegenüber dem Vorgänger mit deutlich verbesserter Laufleistung (plus 13 Prozent), einem um 13 Prozent verkürzten Bremsweg und zehn Prozent geringerem Rollwiderstand aufwartet.
Nach der Übernahme durch die Sumitomo Rubber Industries soll Dunlop aus seinem Dornröschenschlaf geholt werden. Zahlreiche Neuerungen sind angekündigt. Den Start macht der Dunlop Blue Response TG, ein Touringreifen, der ab dem Frühjahr in 99 Größen verfügbar ist. Er soll in Leistung, Komfort und Grip perfekt ausbalanciert sein und für Pkw und SUV eine ausgewogene Mischung aus Fahrkomfort, Laufleistung und sicherem Handling auf nasser und trockener Straße bieten.
Mit dem neuen Laufenn S fit 2 bringt Hankook einen neuen sportlichen Reifen auf den Markt, der verlässliche Performance mit Effizienz und Langlebigkeit verbindet, während gleichzeitig das Qualitätsversprechen der DACH-Marke Hankook besteht. Die Reifenneuheit ist das erste Modell der Marke Laufenn, das in der Erstausrüstung bei europäischen Fahrzeugherstellern zum Einsatz kommt. Im Handel ist der Laufenn S fit 2 insgesamt in 94 Größen erhältlich.
Linglong führt neben dem neuen Transporterreifen Dura Master Van auch neue Profilbezeichnungen ein. Die Namen der Grip-Master-Profile ändern sich in Sport Master, lauten also künftig als Sport Master C/S, Sport Master 4S und Sport Master Winter. Für die TTC in Köln sind weitere neue Profile angekündigt.
Gleich zwei neue Sommerprofile zeigt Michelin mit dem Primacy 5 energy und dem Pilot Sport 5 energy. Der Primacy 5 ist Michelins erster Sommerreifen mit AAA-Bewertung beim Reifenlabel. Mit einem um acht Prozent kürzeren Nassbremsweg im Vergleich zum Vorgänger im Neuzustand, aber auch bei zwei Millimetern Restprofil, reagiert Michelin bereits auf die Anforderungen des neuen EU-Reifenlabels. Außerdem soll es sich um den laufleistungsstärksten Reifen seiner Klasse in Europa handeln. Michelin ist es nach eigenen Aussagen gelungen, in dem neuen UHP-Reifen Pilot Sport 5 energy gegensätzliche Anforderungen zu vereinen. Trotz des bekannt sportlichen Fahrverhaltens wurden dem Reifen auch Energieeffizienz und hohe Lauf-leistung beigebracht. Im Rollwiderstand und Nassbremsen erhielt er ein A beim Reifenlabel.
Last but not least präsentiert Pirelli die dritte Generation des SUV-Reifens Scorpion, der 1986 das erste Mal auf dem Lamborghini LM002 erschien. In unabhängigen Tests beim TÜV wurden Bestwerte beim Trockenbremsen und der Nasshaftung (A) erzielt. Zudem bietet er ein geringes Geräuschniveau (A/B) sowie eine hohe Laufleistung. 16 Größen zwischen 18 und 22 Zoll sind bereits verfügbar.
- Ausgabe 13s/2026 Seite 018 (920.1 KB, PDF)