Legendäre Motoren: Highlights unter der Haube

19.03.2026 14:58 Uhr | Lesezeit: 3 min
Bugatti Motor
Beim Bugatti W16 ist das Auto nur der spektakuläre Rahmen für eine technische Grenzüberschreitung.
© Foto: Bugatti

Manche Autos sind berühmt. Doch manchmal ist es vor allem der Motor, der die Legende schreibt. Fünf Triebwerke, die ganze Marken geprägt haben – und für die man das Auto eigentlich nur als Verpackung gekauft hat. 

Autos bestehen aus tausenden Teilen, doch ihre Seele sitzt meist tief unten im Motorraum. Ein gutes Auto kann vieles sein – schön, praktisch, komfortabel. Aber erst ein großer Motor macht aus einem Fahrzeug eine Geschichte.  Es gibt Motoren, die sind einfach nur Antriebe. Und es gibt Motoren, die zu Mythen werden. 

Der 6,3-Liter-V8 von AMG etwa – offiziell M156 – ein freisaugender Kraftprotz, der noch heute nachhallt wie ein Donnerschlag aus Affalterbach. Oder der 5,5-Liter-Kompressor-V8, der Anfang der 2000er jede Vorstellung von Drehmoment pulverisierte. Und natürlich der Wankelmotor von Mazda, eine rotierende Ingenieursfantasie, die bis heute so faszinierend wie widerspenstig ist. Ganz zu schweigen vom scheinbar endlosen V12 von Rolls-Royce, der nicht arbeitet, sondern schlicht existiert – lautlos, souverän, unerschütterlich. 

Motoren: Mehr als Technik

Solche Motoren sind mehr als Technik. Sie sind Charakter. Man erkennt sie am Klang, an der Art, wie sie drehen, wie sie schieben, wie sie sich gegen die Physik stemmen. Sie geben einem Auto eine Persönlichkeit, die weit über Design oder Marke hinausgeht. Manchmal sogar so sehr, dass das Auto selbst zur Nebensache wird. 

Denn wer einen Audi mit Fünfzylinder fährt, erzählt eigentlich vom Motor. Wer einen Skyline GT-R verehrt, meint in Wahrheit den Reihensechser unter der Haube. Und beim Bugatti W16 ist das Auto nur der spektakuläre Rahmen für eine technische Grenzüberschreitung. 

Motoren eroberten Rennstrecken oder Rallyepisten

Diese Motoren haben Generationen von Petrolheads geprägt, Rennstrecken oder Rallyepisten erobert, Ingenieure inspiriert, Fans begeistert oder ganze Völker mobil gemacht. Sie haben Technologiegeschichte geschrieben – nicht als abstrakte Entwicklungen, sondern als mechanische Charaktere. Kein Wunder also, dass Audi deshalb zum Beispiel gerade noch einmal seinen famosen Fünfzylinder feiert und dem Triebwerk zum 50. Geburtstag sogar ein Sondermodell des RS3 schenkt.  

Fünf dieser Legenden stehen exemplarisch für eine Zeit, in der Motoren noch Helden sein durften. Und für eine Ära, die mit der Elektrifizierung wohl unweigerlich zu Ende geht. Denn wenn der Antrieb eines Hypercars sich nur noch der Leistung nach und nicht mehr nach dem Prinzip von dem eines Hubstaplers unterscheidet, ist es mit der Persönlichkeit nicht mehr weit her. 

Audi Fünfzylinder – Der Klang der Rallye 

Es gibt Motoren, die erkennt man blind. Der Audi-Fünfzylinder gehört dazu. Sein ungerader Rhythmus – dieses heisere, bellende Trompeten – wurde Anfang der 1980er Jahre zur akustischen Signatur der Audi Quattro-Rallyeautos. Viele Motoren sind stark. Nur wenige haben eine Stimme. Der Audi-Fünfzylinder ist ein Soundtrack. 

Der erste Fünfzylinder kam noch ohne Turbo 1976 im Audi 100, mit bescheidenen 136 PS. Doch 1980 haben die Herren der Ringe einen Turbo dran geflanscht und so aus 2,1-Litern immerhin 200 PS geholt. Für damalige Verhältnisse war das sensationell. Doch der eigentliche Ruhm entstand im Motorsport: Im Group-B-Monster Audi Sport Quattro S1 entwickelte der Motor bis zu 600 PS. Die Konstruktion war ungewöhnlich: ein längs eingebauter Reihenfünfer, Turbolader, charakteristischer Zündabstand – eine Mischung aus Reihensechser-Laufruhe und Vierzylinder-Aggressivität. Audi hielt über Jahrzehnte an diesem Konzept fest und bis heute lebt die Legende weiter – zum Beispiel im RS3 competition limited zum Geburtstag mit 2,5 Litern Hubraum und 400 PS. Allerdings wird es nicht mehr viel Grund zum Feiern geben. Denn dem Vernehmen lässt Audi Fünfe bald grade sein und klappt das Buch dieser Legende zu.  

Nissan RB26DETT – Der Skyline-Mythos 

Wenn Japan einen heiligen Motor hat, dann ist es dieser. Der RB26DETT erschien 1989 im Nissan Skyline GTR R32 und blieb bis 2002 Herzstück der GT-R-Generation – vom R32 über R33 bis zum Nissan Skyline GTR R34. Technisch war er ein klassischer Reihensechszylinder mit 2,6 Litern Hubraum, doch mit zwei Turboladern entwickelte er eine Aura, die weit über seine offiziellen Daten hinausging. Offiziell: 280 PS – ein Ergebnis der japanischen Gentlemen’s Agreement-Regel. In Wahrheit: deutlich mehr. 

Der RB26 war unglaublich robust. Serienmotoren vertrugen problemlos 500 PS, getunte Exemplare weit über 800 PS. Massive Lager, ein stabiler Graugussblock und ein Hochdrehzahl-Ventiltrieb machten ihn zu einem perfekten Fundament für Leistungssteigerungen. 

Doch sein Ruhm stammt nicht nur aus der Tuning-Szene. Im Motorsport dominierte der Skyline Anfang der 1990er Jahre die Group-A-Tourenwagenrennen so brutal, dass er in Australien den Spitznamen „Godzilla“ bekam. Der RB26 ist ein Motor, der eine ganze Kultur geprägt hat – von Rennstrecken bis zu Drift-Events und Videospielen. 

Viele kennen den Skyline. Autofans kennen den RB26. 


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Bugatti W16 – Warum? Weil sie es können! 

Der Motor von Bugatti Veyron und Chiron ist weniger ein Aggregat als ein Manifest. Denn als der Volkswagen-Konzern Anfang der 2000er Jahre beschloss, ein Serienauto für über 400 km/h zu bauen, musste ein Motor entstehen, der eigentlich unmöglich war: der 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern. 

Technisch besteht er aus zwei extrem schmalen VR8-Motoren, die zu einem 16-Zylinder-Block verschmelzen. Ergebnis: 1001 PS im Veyron, später 1500 PS im Bugatti Chiron. 

Die üblichen Zahlen erzählen nur die Hälfte der Geschichte. Spannender sind ein paar Eckdaten, über die bei normalen Motoren keiner spricht: Der W16 saugt pro Minute mehr Luft an als ein Mensch an einem Tag. Er verbrennt bei Vollgas über einen Liter Benzin pro Minute. Und er erzeugt so viel Hitze, dass mehrere Kühlsysteme nötig sind. 

Technisch war der W16 ein Grenzexperiment: vier Turbolader, zehn Kühler, ein Motorblock so groß wie ein Koffer.  Vernünftig? Nein! Aber genau darin liegt seine Faszination. Der W16 ist die vielleicht spektakulärste Demonstration dessen, was Ingenieure bauen können, wenn ihnen niemand die Grenzen aufzeigt.  

Chevrolet Small Block V8 – Amerikas Herzschlag 

Der Chevrolet Small Block ist wahrscheinlich der berühmteste V8 der Welt. 1955 erschien die erste Version mit 4,3 Litern Hubraum im Chevrolet Corvette (C1). Von da an wurde der Motor über Jahrzehnte ständig weiterentwickelt – mit 5,0, 5,7, 6,2 Litern und zahllosen Varianten. Das Konzept war genial einfach: kompakt, leicht, robust und relativ günstig zu produzieren. 

Genau deshalb landete der Small Block überall – in Corvettes, Camaros, Pickups, Rennwagen und Hot Rods. Er war der Motor der amerikanischen Performance-Kultur. In der Chevrolet Corvette entwickelte er sich über Generationen weiter bis zu heutigen Versionen mit über 500 PS. Doch selbst die frühen Varianten waren beeindruckend: viel Hubraum, viel Drehmoment, wenig Komplexität. Der Small Block wurde millionenfach gebaut und ist bis heute Grundlage unzähliger Renn- und Tuningprojekte. 

Es gibt stärkere Motoren. Exotischere. Technisch raffiniertere. Aber kaum ein Motor hat die PS-Kultur im Mutterland der Petrolheads so sehr geprägt. 

VW 1.9 TDI – Der Diesel, der Europa bewegte 

Er ist weder laut noch glamourös. Doch kaum ein Motor hat zumindest in Europa den Alltag so verändert wie der VW 1.9 TDI. 1991 erschien der erste Turbodiesel mit Direkteinspritzung im Audi 80. Kurz darauf verbreitete er sich im gesamten Volkswagen-Konzern – vom Volkswagen Golf über den Volkswagen Passat bis zu Skoda und Seat

Die Idee war revolutionär: Diesel sparsam wie immer – aber plötzlich auch schnell. Mit Leistungen zwischen 90 und 150 PS und enormem Drehmoment veränderte der TDI das Bild des Selbstzünders. Autobahnfahrer liebten ihn: schnell, sparsam und praktisch unzerstörbar. 

Seine Technik – Turbolader, Direkteinspritzung, später Pumpe-Düse – wurde zum Standard moderner Diesel. Der 1.9 TDI war kein emotionaler Motor. Er sang keine Oper. Aber er brachte Millionen Menschen über Millionen Kilometer – effizient, zuverlässig und mit erstaunlicher Kraft. Manchmal entsteht Legende nicht durch Drama, sondern durch Dauer. 

 


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