Kurs auf die Elektrifizierung

17.10.2019 11:00 Uhr

Continental-Chef Elmar Degenhart wies gleich zu Beginn der IAA auf die schwierige Lage der Zulieferer hin: Die Konjunkturflaute in China, die Digitalisierung und die Technologiewende vom Verbrenner hin zum Elektroauto machen Continental und den anderen großen Zulieferern zu schaffen. Gerade in der schwierigen Zeit muss viel in neue Technologien investiert werden, gleichzeitig aber auch ein rigides Sparprogramm durchgeführt werden, was auch zum Wegfall von Arbeitsplätzen in Deutschland führen wird.

Effizienterer Hybridantrieb

Trotz der Katerstimmung in der Branche ließen es sich die Zulieferer nicht nehmen, wieder zahlreiche Produkte - vor allem aus dem Bereich der Elektromobilität - zu präsentieren. Bei Continental konnten Zuschauer einen voll integrierten Achsantrieb für Elektroautos ansehen, der für Kunden in China und Europa bestimmt ist. Der Serienanlauf ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Ein weiteres Highlight war der neue Nahbereichsradarsensor, der Autofahrer beim Abbiegen unterstützt und somit auch Radfahrer und Fußgänger schützt. Messebesucher konnten zudem eine Probefahrt im Robo-Taxi vollautonom auf dem IAA-Messegelände unternehmen.

Bei ZF war das Highlight das Konzeptfahrzeug "EVplus", das über einen neuen Hybridantrieb verfügt, der in seiner Effizienz so weit verbessert wurde, dass rein elektrisch eine Reichweite von über 100 Kilometern möglich ist - was auch in einem unabhängigen Test bestätigt wurde. Somit lässt sich ein Großteil der Strecken rein elektrisch zurücklegen und der Verbrenner springt deutlich seltener an. Um Feinstaubemissionen bei Bremsen zu minimieren, stellte Mann+Hummel ein neues Filtersystem für die Bremse vor, das kurz vor der Serienreife steht. Der Bremsstaubpartikelfilter arbeitet mit einem Metallfaservlies und soll über die Lebensdauer der Bremse funktionieren. Ein Filterwechsel wird erst mit dem Wechsel der Bremsbeläge notwendig.

Die Brennstoffzelle kommt

Interessant waren die Neuheiten der Zulieferer beim Thema Brennstoffzelle. Schaeffler, Elring Klinger und Bosch hatten sogenannte Wasserstoff-Stacks an ihren Messeständen ausgestellt. Dem Wasserstoff als Energieträger kommt künftig eine wichtige Rolle zu, speziell im Bereich elektrischer Nutzfahrzeugantriebe. Dort macht es wenig Sinn, den Strom in schweren Lithium-Ionen-Akkus zu speichern und damit einen Gutteil der Nutzlast zu verschenken. Bosch hat schon im April angekündigt, in den Markt für mobile Brennstoffzellen einzusteigen. Für Bosch liegt im Geschäft mit mobiler Brennstoffzellen-Technik langfristig Potenzial in Milliardenhöhe. Bis 2030 werden nach Bosch-Schätzung bis zu 20 Prozent aller Elektrofahrzeuge weltweit mit Brennstoffzellen angetrieben.

SCR-Nachrüstung von Bosal

Bosal präsentierte in Frankfurt zusammen mit dem Entwickler Dr. Pley eine SCR-Nachrüstlösung für Euro 5-Dieselfahrzeuge. Das System wurde von der Dr. Pley SCR Technology GmbH entwickelt und wird von der Bosal Retrofit GmbH in großem Maßstab produziert und vertrieben.

Das Hardware-Nachrüstungssystem reduziert die schädlichen NOx -Emissionen aus dem Verbrennungsprozess der Diesel-Motoren durch eine gezielte Einspritzung von AdBlue. Ein Ammoniak-Schlupfkatalysator (ASC) verbindet die Funktion des Oxidations- und SCR-Katalysators und reduziert das NOx aus dem Abgas um bis zu 80 Prozent. Nachgerüstete Diesel-Fahrzeuge halten so den Richtwert von maximal 270 Mikrogramm NOx pro Kilometer ein und können vollständig von Diesel-Fahrverboten ausgenommen werden. Die allgemeine Betriebserlaubnis für das System von Dr. Pley hatte das Kraftfahrtbundesamt erst kürzlich für mehrere Fahrzeugtypen erteilt. Bislang liegen ABEs vor für die Volvo-Modelle XC60, XC70, S60, V60 und die Mercedes-Benz-Modelle C220/250cdi, E220/250cdi, GLK220cdi und V220cdi. Von BMW sollen neben dem X3 2.0d auch die Modelle 318d, 320d, 325d, 518d, 520d und 525d folgen. Die Nachrüstung umfasst im Wesentlichen den Einbau eines Steuergeräts, eines SCR-Katalysators und Hydrolyse-Gerätes sowie eines AdBlue-Tanks und diverser Sensoren.

Kurzfassung

Auf der IAA in Frankfurt standen alle Signale auf die Elektrifizierung des Antriebs. Dabei könnte Wasserstoff als Energielieferant eine wichtige Rolle spielen. Vor allem für Nutzfahrzeuge ist die Brennstoffzelle besser als ein Akku.

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