48-Volt-Hybrid von Delphi: Die leise Revolution

Delphi hat jetzt seine 48-Volt-Technik an Bord eines Honda Civic vorgestellt.
© Foto: Delphi

Der Diesel scheint als CO2-Messias zu versagen. Umso größer sin die Hoffnungen in das Spritsparpotential des 48-Volt-Hybriden. Der leicht elektrifizierte Antrieb soll in wenigen Jahren Standard in den kleinen Klassen sein.

Der 48-Volt-Hybrid ist alternativlos, findet Edmund Erich. Will die Autoindustrie die künftigen strengen Vorgaben zum Flottenverbrauch erreichen, kommt sie an der Technik nicht vorbei, ist sich der Projektleiter für 48-Volt-Technik beim Wuppertaler Zulieferer Delphi sicher. Doch nicht nur die Hersteller sollen von der Technik profitieren. Auch der Kunde könne sich freuen, sagt Erich und tritt zu Demonstration auf das Gaspedal des von Delphi entwickelten Prototypen.

Für Fahrspaß sorgt der 48-Volt-Hybrid mit einer zum Elektromotor ausgebauten Lichtmaschine. Der Generator ist somit nicht mehr nur zur Stromgewinnung für die Bordelektronik in der Lage, sondern fungiert zeitweise als Hilfs-Aggregat für den Verbrennungsmotor. Das gelingt über eine Erhöhung der Stromspannung von 12 auf eben jene namensgebenden 48 Volt. Zumindest für ein paar Sekunden kann die Maschine so bis zu 150 zusätzliche Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung stellen, die das Forschungsfahrzeug auf Basis eines Honda Civic mit 1,6-Liter-Dieselmotor so vehement beschleunigen, als hätte es mindestens einen Liter mehr Hubraum. Zusätzlich füllt ein elektrisch betriebener Lader das Turboloch im untersten Drehzahlbereich auf. Den dafür benötigten Strom liefert ebenfalls das verstärkte Generator-System.

Das Ergebnis kann bei einer kurzen Testfahrt durchaus beeindrucken. Von knapp über Leerlaufdrehzahl zieht der kleine Diesel im zweiten Gang kraftvoll und linear bis über die 2.000er-Marke. Von dem in diesem Bereich üblicherweise beheimateten Turboloch ist dabei nichts zu spüren. Der bereits serienmäßig flinke Civic wird so vor allem im Stadtverkehr zum kleinen Wirbelwind mit blitzschnellem Antritt. Dazu kommt ein deutliches Komfort-Plus: Schon beim Druck auf den Startknopf verhält sich der über einen Riemen mit dem Motor verbundene Generator viel kultivierter als der klassische Anlasser mit seinen Zahnrädern. Gleiches gilt bei Aktivität des Start-Stopp-Systems: Das Triebwerk startet immer leise und extrem vibrationsarm.

Doppelter Spareffekt

So viel zur Fahrspaß-Seite. Was dem 48-Volt-Hybrid aber zum allseits prognostizierten Durchbruch verhelfen wird, ist sein doppelter Spareffekt. "Er bietet 70 Prozent des Einsparpotenzials eines konventionellen Hybridantriebs zu 30 Prozent der Kosten", erläutert Erich. Der Kern des Effizienzgewinns ist wieder der 48-Volt-Generator, der dank seiner höheren Spannung weit mehr Bremsenergie rückgewinnen kann als die klassische Lichtmaschine. Die Zusatzkraft nutzt er dann, um den Verbrennungsmotor zu entlasten.

Schon der technisch noch nicht voll ausgereizte Prototyp verbraucht im Normzyklus zehn Prozent weniger als der Diesel-Grundmotor, in der Praxis, vor allem im Stadtverkehr, soll der Vorteil noch größer sein. Ein Vollhybridantrieb, wie ihn etwa Toyota im Prius anbietet, ist noch sparsamer und kann im Gegensatz zur 48-Volt-Variante sogar kurzzeitig rein elektrisch fahren, kostet aber auch rund 4.000 Euro mehr. Beim technisch weniger anspruchsvollen 48-Volt-Hybrid beschränken sich die Zusatzkosten auf 1.000 bis 1.500 Euro, was ihn vor allem für die kleinen Fahrzeugklassen attraktiv macht. Der Preisvorteil liegt nicht zuletzt an dem Verzicht auf das Hochvoltsystem begründet, das per se teuer ist und gleichzeitig besser gegen Unfälle abgeschirmt werden muss. 48 Volt hingegen sind für Menschen weitestgehend harmlos.

Viele Zulieferer arbeiten an neuer Technik

Jeder zweite Hybrid wird daher bis 2025 ein 48-Volt-Hybrid sein, prognostiziert Erich. Und kann das auch mit Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag untermauern. Beim Start des Delphi-Projekts nämlich hatte er enorme Schwierigkeiten, Zulieferer für wichtige Teile des Bordnetzes zu finden. Denn viele waren schon in ähnlichen Projekten bei der Konkurrenz eingespannt. Bosch, Schaeffler und Continental nämlich arbeiten ebenfalls mit Hochdruck an der neuen Technik. Mit dem luxuriösen Sport-SUV Audi SQ7 kommt gerade ein erstes Fahrzeug mit 48-Volt-Bordnetz auf den Markt, bei dem die Hochspannung vor allem für den Betrieb des E-Turbos und anderer Verbraucher genutzt wird. Die große 48-Volt-Hybridwelle dürfte 2017 losrollen. Dann sollen die ersten Fahrzeuge mit Technik von Delphi und Co. auf die Straße kommen – und bald darauf zum weltweiten Antriebs-Standard neben konventionellen Hybriden und Plug-in-Hybriden werden. (sp-x)


48-Volt-Hybrid von Delphi

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