Konzernumbau: Shell wird zum Energievermarkter

Fabian Ziegler, Geschäftsführer der Shell Deutschland Oil GmbH, stellte in einem Webcast die ehrgeizigen Ziele des Konzerns vor.
© Foto: Shell

Längst sieht sich Shell nicht mehr nur als Öllieferant. Der Umbau zum klimaneutralen Konzern ist in vollem Gange. Was das für die Automobilindustrie bedeutet, erklärten Shell Deutschland-Chef Fabian Ziegler und AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel in einem Webinar.

Wie die Neuaufstellung eines Mineralölkonzerns vor dem Hintergrund hoher CO2-Einsparungsziele gelingen kann, hat Fabian Ziegler, Geschäftsführer der Shell Deutschland Oil GmbH, am Montag in der Veranstaltung "Energiewende: Trends in der Automobilindustrie" erklärt. Bei dem Online-Format konnten sich die Teilnehmer via Videotool kostenlos zuschalten.

"Unser Anspruch ist es, der beste Hersteller und Vermarkter von Energie und Spezial-Produkten zu sein. Hierfür stellt Shell den Kunden und die Energiewende klar in den Mittelpunkt seines Handelns", erklärte Ziegler. Das Pariser Abkommen rufe die Welt dazu auf, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, um den Klimawandel zu bekämpfen. "Shell möchte seinen Beitrag leisten und hat die Ambition, bis 2050 oder früher ein Netto-Null-Emissions-Energieunternehmen zu werden", fasste Ziegler die ehrgeizigen Ziele für sein Unternehmen zusammen.

Dies könne über radikale Veränderungen und den Fokus auf neue Bereiche realisiert werden, wie beispielsweise E-Charging, Bio-LNG (Flüssiggas), Wasserstoff und neue Wege der häuslichen Energieversorgung. Ab 2025 werde der Bereich Wasserstoffe eine große Rolle bei der Energieversorgung spielen.

Shell will im Bereich der häuslichen Energieversorgung innovative Speicherlösungen anbieten. Ein wichtiges Standbein soll dabei regenerativer Strom werden. Darüber hinaus werden die Themen Ausgleichspflanzungen von Bäumen und - wo politisch gewollt - die Speicherung von CO2 wichtiger werden.


"Der Verbrenner hat auch noch einige Jahre in der Zukunft Bestand."


Im Hinblick auf den Mobilitätssektor glaubt Ziegler an einen Mix von Antriebstechnologien wobei fossile Kraftstoffe zunehmend durch synthetische Kraftstoffe ersetzt werden. "Der Antriebsmix wird noch lange Bestand haben", erklärte der Manager. "Der Verbrenner hat auch noch einige Jahre in der Zukunft Bestand." Hinsichtlich der Schmierstoffe nannte Ziegler die Schlagworte "Differenzierung" und "Dekarbonisierung". Die Zukunft gehöre eindeutig den niedrigviskosen Ölen, um die Reibung im Motor zu verringern.

Ralph M. Meunzel, Chefredakteur von AUTOHAUS, sprach in seinem Slot über aktuelle Herausforderungen sowohl für die Autohausbranche als auch die Automobilhersteller in Zeiten von Corona. Die Bundesregierung habe zwar eine Senkung der Mehrwertsteuer um drei Prozent beschlossen. "Die Branche hatte aber auf eine höhere Unterstützung gehofft, beispielsweise Direktzahlungen, um die Erneuerung des Fuhrparks anzukurbeln", erklärte Meunzel. Dennoch werde nach der Krise wieder ein Zuwachs an Autoverkäufen erwartet. Für die Hersteller bleibe die Reduktion des CO2-Ausstoßes ihrer Flotte weiterhin wichtig. Einen Beitrag hierzu könnten niedrigviskose 0W-Motorenöle leisten, die durch verminderte Reibung zur Kraftstoffeffizienz beitragen und dadurch CO2 einsparen.

Energiewende im Autohaus

In den Autohäusern habe die Energiewende bereits Einzug gefunden. Im Fokus stehe das Thema "Energie einsparen", beispielsweise durch den Umstieg auf Photovoltaikanlagen. Den Vorgaben der Automobilhersteller folgend, würden neue Handelsbetriebe oft schon energieeffizient gebaut, wodurch sich neben CO2-Emissionen auch Kosten einsparen ließen. Shell bietet seit diesem Jahr eine CO2-Berechnung an, um eben diese durch Modernisierungsmaßnahmen erzielte Einsparung zu veranschaulichen und für das Marketing des Autohauses an seine Kunden zu nutzen.

Im Rahmen der Online-Veranstaltung wurden auch die Gewinner von zwei Stipendien für die Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe (BFC) verkündet. Shell unterstützt darüber die Ausbildung von jungen Betriebswirten für die Branche. Die Stipendiaten mussten sich über eine eingereichte fachliche Arbeit qualifizieren.

Daniel Gottselig (l.) und Manuel Kruse dürfen sich über ein Shell-Stipendium für die BFC freuen.
© Foto: Daniel Gottselig / Manuel Kruse

Gewonnen haben schließlich Daniel Gottselig und Manuel Kruse. Gottselig beschreibt in seiner Arbeit "Das klimafreundliche Autohaus – Potenziale zur CO2-Einsparung in Autohaus und Werkstatt" sehr eindrücklich die Herausforderungen, vor der die Branche heute steht. Er präsentiert mit seiner Idee "Green Service" einen kreativen Ansatz, in dem man dem Kunden im Autohaus seinen "CO2-Handprint" aufzeigt: Wie viel Kohlendioxid hat der Kunde durch die Nutzung des Service eingespart.

Kruse hat gedanklich seine eigene Firma gegründet: das "Mobilitätscenter am Grünen Wald" in München. Auf emotionale Art und Weise stellt er in seinem Beitrag den Kfz-Betrieb der Zukunft vor und hat dabei alle Unternehmensbereiche – vom Verkauf über die Werkstatt und den Teilevertrieb bis hin zur Aufbereitung – betrachtet. (diwi)

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