Interview: "Vertrauen ist die neue Währung"

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Datum:
08.09.2016
Autor:
Dietmar Winkler

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asp: Welche Schwerpunkte setzt der ZDK auf der Automechanika 2016?

W. Hülsdonk: Wir kümmern uns um das Thema einer modernisierten Abgasuntersuchung, die zukünftig auch Stickoxide (NOx) einbeziehen sollte. Ein praxisgerechtes Messverfahren für Otto- und Dieselmotoren stellen wir in Zusammenarbeit mit der Firma Saxon Junkalor vor. Weitere Themen sind neue Prüfgeräte und Technologien intelligenter Scheinwerfersysteme mit Xenon-, LED- oder Laserlichtquellen, unterstützt von Hella Gutmann Solutions und rmi-tec, sowie die Reinigung von Klimaanlagen in Kooperation mit der Firma Tunap. Darüber hinaus präsentieren wir unser Diagnose- und Programmierungswerkzeug EuroDFT für Euro 5- und Euro 6-Kraftfahrzeuge.

asp: Mit welchen Partnern tritt der ZDK in Frankfurt auf?

W. Hülsdonk: Neben den genannten Partnern haben wir auf unserem doppelstöckigen Stand in Halle 9 die Akademie Deutsches Kfz-Gewerbe (TAK), die Deutsche Automobil Treuhand (DAT), unseren berufsständischen Versicherer Nürnberger/Garanta, die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK) sowie Fuchs Schmierstoffe aus Mannheim mit an Bord. Die Autoberufe haben in der Galleria einen Platz, und die Oldtimer-Freunde finden uns in Halle 11.

asp: Künftig wird die Messe "Reifen" an die Automechanika angehängt. Ein tragfähiges Konzept?

W. Hülsdonk: Die Zusammenführung macht Sinn, denn das Reifengeschäft ist für unsere Kfz-Betriebe besonders wichtig. Insofern wird das Produktangebot der Automechanika ideal ergänzt und eröffnet den Fachbesuchern neue Perspektiven.

asp: Was sind die wichtigsten Treiber für Veränderungen der Branche?

W. Hülsdonk: Digitalisierung und Vernetzung sind zwei wichtige Schlagworte. Wir müssen die Servicefähigkeit der Kfz- Betriebe erhalten und ihnen den Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen ermöglichen. Ein Schritt dorthin ist uns mit dem Diagnose- und Programmierungswerkzeug EuroDFT für Euro 5- und Euro 6-Kraftfahrzeuge gelungen. Weitere Treiber sind steigender Kostendruck und komplexere Arbeitsabläufe, aber auch gestiegene Kundenerwartungen. Sie fordern uns in der Organisation des Serviceprozesses, der zum Beispiel mit intelligenter Software komplett vernetzt werden kann. Das muss einhergehen mit der intensiven Schulung aller Mitarbeiter.

asp: Jedermann spricht von Digitalisierung - wo sind Servicebetriebe davon betroffen?

W. Hülsdonk: Indem sie es in Zukunft mit komplexen Serviceprozessen an hochgradig digitalisierten und vernetzten Fahrzeugen zu tun haben. Aus meiner Sicht ist die Digitalisierung ein stiller Angriff auf unsere bisherigen Geschäftsmodelle und analogen Strukturen. In einer Welt, die neu verteilt wird, muss der Mensch, sprich der Kunde, im Fokus stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Vertrauen zur neuen Währung in der digitalen Wirtschaft 4.0 werden wird.

asp: Was bedeutet das im Hinblick auf Investitionen?

W. Hülsdonk: Der Wandel hin zur digitalen Zukunft bedeutet natürlich auch die Investition in neue Technik, Software und Weiterbildung. Dabei ist der ständige Wandel in unserer Branche ja nicht neu. Es muss uns gelingen, in den Strukturen unserer Betriebe und in den Geschäftsprozessen die digitalen Dienstleistungen mit dem "analogen" Service vor Ort zu verknüpfen.

asp: Wie begleitet der ZDK die "Werkstatt 4.0"?

W. Hülsdonk: Wir kämpfen in Brüssel und Berlin dafür, dass die Kfz-Systeme offen und interoperabel sein müssen - mit frei zugänglichen Schnittstellen zu den On-Bord-Systemen der Fahrzeuge und den Servern der Hersteller, auf denen die für den sicheren Betrieb sowie für Reparatur und Wartung benötigten Informationen liegen. Die Fahrzeug- und Kundendaten eröffnen unseren Kfz-Betrieben die Chance, zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Daher muss sichergestellt sein, dass nicht nur die Automobilhersteller, sondern auch andere interessierte Marktteilnehmer gleichermaßen Zugriff auf diese Daten erhalten. Dabei muss der Kunde selbstverständlich die Hoheit über seine Daten behalten.

asp: E-Mobility und Servicegeschäft: Wie schnell kommt das Thema Elektromobilität auf die Werkstätten zu?

W. Hülsdonk: Autos mit alternativen Antrieben sind inzwischen fast schon alte Bekannte auf der Hebebühne, wenn auch in überschaubarer Zahl. Doch selbst steigende Zulassungen von E-Fahrzeugen bis zum Jahr 2030 werden laut einer ZDK-Studie kaum Auswirkungen auf den Service-Umsatz im Kfz-Gewerbe haben. Einerseits fallen bei batteriebetriebenen Autos zwar weniger Wartungsarbeiten an. Andererseits wird dieser Ausfall durch einen Mehraufwand bei den Hybridfahrzeugen kompensiert. Außerdem wird der prognostizierte Anteil an reinen Elektroautos kleiner ausfallen als der von Plug-In-Hybriden und Batteriefahrzeugen mit Range Extender.

asp: Wie sehen Sie die wirtschaftlichen Perspektiven in den kommenden Jahren?

W. Hülsdonk: Wir haben einen jährlich steigenden Fahrzeugbestand in Deutschland, und alle Fahrzeuge benötigen Service - auch die mit alternativen Antrieben. Insofern wird uns die Arbeit nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern. Auch branchenfremde Marktteilnehmer, etwa Versicherungsunternehmen oder Internetvermittler, versuchen sich im Servicemarkt zu etablieren. Das verschärft den ohnehin schon harten Wettbewerb, weil hier zu Preisen gearbeitet wird, die für die Partnerwerkstätten betriebswirtschaftlich nicht darstellbar sind. In dieser Gemengelage seinen Betrieb erfolgreich zu führen bleibt die große Herausforderung. Wer das hinbekommt, hat auch in Zukunft gute wirtschaftliche Perspektiven im Service.

asp: Ausbildung in Kfz-Berufen: Kann der Bedarf in den kommenden Jahren gedeckt werden und was muss die Branche tun, um attraktiv zu bleiben?

W. Hülsdonk: Wir müssen alle Register ziehen, um uns im Kampf um geeigneten Nachwuchs bei jungen Menschen zu positionieren. Hier sind wir alle gefordert - Schulen, Ausbildungszentren, Betriebe, Eltern, Lehrer, Meister, Hersteller, Importeure und Verbände. Ein wichtiger Baustein ist die Initiative "AutoBerufe". Seit 36 Jahren unterstützen die Autohersteller und Importeure unsere gemeinsame Initiative. Sie öffnet viele Türen in Schulen und Arbeitsagenturen, weil sie markenneutral ist. Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir die Zukunft unserer Branche mit qualifizierten und motivierten jungen Menschen sichern.

Interview: Dietmar Winkler

Kurzfassung

Wilhelm Hülsdonk tritt für die Belange der Kfz-Servicebetriebe an oberster politischer Stelle ein. Auch beim Zukunftsthema Digitalisierung wird er nicht müde, in Berlin und Brüssel die Interessen der Werkstätten zu verteidigen. Der Gesetzgeber müsse dafür sorgen, dass auch freie Servicebetriebe einen ungehinderten Zugang zu Fahrzeugund Kundendaten erhalten, um zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln, sagt Bundesinnungsmeister Hülsdonk. Die gesetzlichen Regelungen zum E-Call werden hier zur Nagelprobe für den wettbewerbsneutralen Marktzugang.

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