"HVO100 – Rückblick & Ausblick": Dieselautos im Bestand sauberer machen

28.10.2026 14:48 Uhr | Lesezeit: 3 min
HVO100 – Rückblick & Ausblick 2026
Automobilclub-Vorstand Dr. Michael Haberland und Rennlegende Walter Röhrl (re.) posieren in München beim Branchentreff. Alternative Kraftstoffe standen beim HVO100-Treffen in der Motorworld München im Mittelpunkt.
©Foto: Mobil in Deutschland e.V.

Mittlerweile bieten 785 Tankstellen in Deutschland HVO100 an. Beim Branchentreffen "HVO100 – Rückblick & Ausblick" in München diskutierten Autoindustrie, Energiebranche und Politik über die Rolle des Kraftstoffs für bestehende Dieselfahrzeuge und den weiteren Markthochlauf, prominent unterstützt von Rallye-Legende Walter Röhrl.

Welche Rolle können alternative Kraftstoffe beim Umbau des Verkehrs spielen? Darüber haben rund 200 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beim Event "HVO100 – Rückblick & Ausblick" in der Motorworld München diskutiert. Eingeladen hatte der Automobilclub Mobil in Deutschland im Rahmen der Kampagne "HVO100 goes Germany". Im Mittelpunkt stand vor allem der bestehende Fahrzeugbestand.

Nach Angaben von Mobil in Deutschland ist HVO100 inzwischen an 785 Tankstellen in Deutschland erhältlich. Dr. Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs, verwies beim Treffen auf den großen Fahrzeugbestand: Rund 50 Millionen Pkw seien in Deutschland unterwegs, von denen lediglich vier bis fünf Prozent rein elektrisch fahren. Hinzu kämen zahlreiche Nutzfahrzeuge und Busse mit Verbrennungsmotor.

BMW betankt neue Diesel mit HVO100

Auch BMW setzt den alternativen Dieselkraftstoff ein. Nach Angaben des Unternehmens werden seit Anfang 2025 alle in Deutschland produzierten Diesel-Neufahrzeuge ab Werk erstmals mit HVO100 betankt. Dr. Johannes Schmid von BMW sieht alternative Kraftstoffe als einen Baustein, um auch bei bereits vorhandenen Fahrzeugen die CO2-Bilanz zu verbessern.

Bei vielen Autofahrern ist HVO100 allerdings noch wenig bekannt. Das zeigt eine Befragung von puls Marktforschung mit 1.608 Teilnehmern. Rund jeder Fünfte hat demnach schon von HVO gehört. Unter Dieselfahrern ist es knapp jeder Dritte. Laut der Befragung ist die Bekanntheit gegenüber zuvor leicht gestiegen.

Beratung wird für den Handel wichtig

Die geringe Bekanntheit ist auch ein Thema für Handel und Werkstätten. Kunden müssen beispielsweise wissen, ob ihr Fahrzeug für HVO100 freigegeben ist. Stefan Reiser, Geschäftsführer von puls Marktforschung, sieht deshalb Beratungsbedarf bei Handel und Tankstellen. Sie könnten dazu beitragen, bestehende Unsicherheiten bei den Verbrauchern abzubauen.

Nicht nur für Personenwagen interessant

HVO100 beschränkt sich nicht auf Pkw. Zeppelin Rental hat laut Dr. Markus Heidak mehr als 11.000 Produkte im Portfolio, deren Motoren vom jeweiligen Hersteller für HVO freigegeben sind. Gerade bei schweren Baumaschinen, bei denen eine Elektrifizierung schwieriger sei, sieht Heidak einen möglichen Einsatzbereich für den Kraftstoff.


Kurz erklärt: HVO100

HVO100 ist ein alternativer Dieselkraftstoff für dafür freigegebene Motoren. Der Vorteil: Geeignete Bestandsfahrzeuge können den Kraftstoff nutzen, ohne dass der Antrieb ausgetauscht werden muss. Ob ein konkretes Fahrzeug HVO100 fahren darf, hängt von der Freigabe des Herstellers ab.



Tankstellen melden steigenden Absatz

Auch einzelne Tankstellenbetreiber bauen ihr Angebot aus. Fritz Wahr Energie bietet HVO100 nach eigenen Angaben bereits an 15 seiner 34 MTB-Tankstellen an. Lara Wahr berichtete in München von einem gegenüber dem Vorjahr verdoppelten Absatz. Als einen Grund nannte sie einen HVO100-Preis unterhalb des Dieselpreises an den betreffenden Stationen. Unterstützung bekommt die Kampagne von Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. "Ich will, dass es der deutschen Automobilindustrie gut geht, dass sie mit Technologieoffenheit die Autos bauen kann, die der Kunde will", sagte Röhrl. Für ihn steht die Möglichkeit im Vordergrund, unterschiedliche Antriebstechnologien weiterhin nutzen zu können.

Branche fordert bessere Rahmenbedingungen

Vertreter der Kraftstoffbranche forderten bei der Veranstaltung verlässlichere politische Rahmenbedingungen. Genannt wurden unter anderem eine Preisparität mit konventionellem Diesel und eine Befreiung von der Energiesteuer. Auch BMW-Vertreter sprachen sich dafür aus, unterschiedliche Technologien und Kraftstoffe bei der CO2-Reduzierung zu berücksichtigen. Für Autohäuser und Kfz-Betriebe entsteht vor allem Beratungsbedarf. Kunden mit einem vorhandenen Diesel dürften zunehmend wissen wollen, ob ihr Fahrzeug HVO100 verträgt. Entscheidend ist dabei die Herstellerfreigabe. Für den Handel kann das Thema deshalb sowohl bei Bestandskunden als auch beim Verkauf von Diesel-Gebrauchtwagen eine Rolle spielen.

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