Elektroautos sind aus Sicht der Unfallforschung der Versicherer (UDV) eine sichere Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass E-Pkw insgesamt keine auffällige Schadenhäufigkeit aufweisen.
Gleichzeitig identifiziert die Studie jedoch einige Unfallkonstellationen, in denen sich Elektroautos von vergleichbaren Verbrennern unterscheiden oder sogar auffällige Muster bieten. Für die Untersuchung analysierte die UDV knapp 500 schwere Verkehrsunfälle und verglich dabei Elektrofahrzeuge mit baugleichen Verbrennern verschiedener Fahrzeugklassen.
Mehr Fußgängerunfälle bei Niedrigtempo
Besonders auffällig sind laut Studie Unfälle mit Fußgängern bei sehr langsamer Fahrt. Solche Kollisionen ereigneten sich bei Elektroautos häufiger beim Anfahren aus dem Stand, beim Rückwärtsfahren oder beim Abbiegen während der Dämmerung und in der Dunkelheit. Die Unfallforscher vermuten, dass Fußgänger Elektrofahrzeuge in solchen Situationen teilweise schlechter wahrnehmen. Zwar müssen E-Autos seit 2021 bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h künstliche Fahrgeräusche erzeugen. Nach Einschätzung der UDV könnten diese Signale jedoch nicht in allen Situationen ausreichend wahrnehmbar sein oder nicht eindeutig als Pkw-Geräusch erkannt werden.
Fehlbedienungen beim Anfahren
Die Untersuchung liefert zudem Hinweise darauf, dass bestimmte Bedienkonzepte Einfluss auf das Unfallgeschehen haben könnten. Im Fokus steht dabei das sogenannte One Pedal Drive, bei dem das Fahrzeug überwiegend über das Fahrpedal gesteuert wird. Nach Einschätzung der UDV könnte die Gewöhnung an dieses Fahrverhalten in Stress- oder Notsituationen häufiger zu Pedalverwechslungen führen. Die analysierten Fälle deuteten insbesondere beim Anfahren aus dem Stand auf solche Fehlbedienungen hin. Auffällig ist zudem die Altersstruktur der Betroffenen: Fast jeder zweite Fahrer, der in einen solchen Unfall verwickelt war, war älter als 75 Jahre.
Vorteile beim Insassenschutz
Positiv bewertet die Studie die Sicherheit kleiner Elektrofahrzeuge für ihre Insassen. Gegenüber vergleichbaren Verbrennern zeigten sie Vorteile beim Insassenschutz. Als Gründe nennen die Forscher die moderne Sicherheitsausstattung sowie das höhere Fahrzeuggewicht. Schwerere Fahrzeuge bieten ihren Insassen bei einem Unfall häufig einen besseren Schutz. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass größere Gewichtsunterschiede das Verletzungsrisiko für Unfallgegner erhöhen können.
Weniger riskantes Fahrverhalten
Die Analyse zeigt außerdem, dass Fahrer von Elektroautos im Durchschnitt weniger risikoreich unterwegs sind als Fahrer von Verbrennern. In den untersuchten Fällen verloren sie seltener die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Zudem registrierten die Forscher weniger Alkohol- und Drogenunfälle mit Elektrofahrzeugen.
Die UDV sieht die Ergebnisse ausdrücklich nicht als Argument gegen die Elektromobilität. Vielmehr zeige die Untersuchung Möglichkeiten auf, um Elektrofahrzeuge weiter zu verbessern. Dazu zählen besser wahrnehmbare Fahrgeräusche bei niedrigen Geschwindigkeiten, deutlichere Signale für die Fahrbereitschaft eines Fahrzeugs sowie Assistenzsysteme, die Unfälle beim Anfahren verhindern können. Darüber hinaus sehen die Forscher weiteren Untersuchungsbedarf bei den Auswirkungen von One Pedal Drive auf die Fahrsicherheit.
Anteil von E-Autos wächst
Zum Jahresbeginn 2026 waren in Deutschland rund zwei Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen. Das entspricht etwa vier Prozent des Pkw-Bestands. Nach Einschätzung des Gesamtverbands der Versicherer könnte der Anteil bis 2040 auf rund 60 Prozent steigen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Analyse des Unfallgeschehens von Elektrofahrzeugen weiter an Bedeutung.