Beschlossenes Konjunkturpaket: ZDK ernüchtert und enttäuscht

Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).
© Foto: ProMotor

Das Kfz-Gewerbe zeigt sich enttäuscht über das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturprogramm. Das sei wirtschaftlich nicht mal ein Tropfen auf dem heißen Stein, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski.


Datum:
04.06.2020
Lesezeit: 
4 min

2 Kommentare

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Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat mit Unverständnis und Enttäuschung auf das von der Großen Koalition verkündete Konjunkturpaket reagiert. "Damit wurde der krisengeschüttelten Automobilwirtschaft mit ihren 1,3 Millionen Beschäftigten ein Bärendienst erwiesen", so das Resümee von ZDK-Präsident Jürgen Karpinski zur Beschränkung der Verkaufsanreize auf die ohnehin schon subventionierten Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Wirtschaftlich sei dies nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein, so Karpinski. Die auf sechs Monate befristete allgemeine Mehrwertsteuerabsenkung von 19 auf 16 Prozent könne dies nicht annähernd kompensieren.

Die Senkung der Mehrwertsteuer und damit des Autopreises um ein paar hundert Euro sei kein wesentlicher Kaufanreiz - aber die zeitliche Befristung "schafft uns ein Bürokratiemonster", sagte Thomas Peckruhn, Sprecher der Markenhändler und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), am Donnerstag. Denn bis Juli nehme kein Kunde mehr sein Auto ab, und wenn ein im zweiten Halbjahr bestelltes Auto erst im Januar geliefert werde, schaffe das Ärger und Verdruss. Für den Autohandel sei das "welt- und realitätsfremd".

Die Aufstockung der Prämie für Elektro- und Hybridautos helfe dem Handel auch nicht, seine Lagerbestände abzubauen. Im Handel stünden vor allem Benziner und Diesel, die auch den Großteil der Autoproduktion ausmachten. "Das ist konjunkturell eine sehr zweifelhafte Maßnahme", sagte Peckruhn der Deutschen Presse-Agentur. Die Steuerförderung für Dienstwagen bis 60.000 Euro nütze zudem vor allem ausländischen Fabrikaten wie Tesla. Gut sei aber, dass die Hängepartie in Sachen Auto-Kaufprämie jetzt beendet sei und "der Kunde weiß, woran er ist".

Hängepartie beendet

"Es ist wichtig, dass die Bundesregierung eine Entscheidung getroffen hat", sagte Albert Vetterl, Präsident und Landesinnungsmeister des bayerischen Kraftfahrzeuggewerbes. "Damit ist die Hängepartie der vergangenen Wochen, die uns von der Politik beschert wurde, endlich vorbei."

Die zuletzt kontrovers geführte politische Debatte um die mögliche Einführung einer Kfz-Prämie hatte Kunden in ihrem Kaufverhalten massiv beeinflusst und den Autohandel im Mai dadurch quasi lahmgelegt. "Jetzt sind für Händler und Käufer endlich die Spielregeln klar. Unsere mittelständischen Kfz-Händler können nach fünf Wochen Lockdown und vier Wochen Prämiendiskussion jetzt durchstarten", so Vetterl.

"Davon profitieren in erster Linie ausländische Hersteller"

Die Kaufprämie für Elektroautos bringt den deutschen Autobauern nach Einschätzung von Branchenexpertin Ellen Enkel eher wenig. "Davon profitieren in erster Linie ausländische Hersteller und nicht die deutsche Wirtschaft", sagte Enkel am Donnerstag. Die Professorin leitet an der Universität Duisburg-Essen den Lehrstuhl für Mobilität. Nur etwa ein Viertel der förderfähigen E-Autos seien deutsche Modelle, rechnete Enkel vor. Die geplante Erhöhung der vom Bund gezahlten Kaufprämie von bisher maximal 3.000 auf 6.000 Euro bringe somit vor allem etwas für die Kleinwagen der Importeure.

"Es geht hier nicht um Marktabschottung", betonte Enkel. "Aber die Förderprämien sind ein Beitrag des deutschen Steuerzahlers zur Stützung der heimischen Wirtschaft. Die anderen europäischen Länder haben bereits eigene Programme zur Förderung ihrer Industrie." Die großen deutschen Hersteller und auch einige Bundesländer hatten sich Kaufprämien für alle Antriebsarten, also auch für moderne Verbrenner gewünscht, konnten sich damit aber nicht durchsetzen.

Zwei Drittel aller neuen Elektroautos würden zudem von Unternehmen gekauft, sagte Enkel. Somit profitierten auch die Bürger kaum von den Prämien, viele würden weiter Verbrenner fahren. Um der deutschen Autoindustrie mit ihren Millionen von Arbeitsplätzen ernsthaft zu helfen, brauche es auch für diese Autos eine Förderung. "Die Absenkung der Mehrwertsteuer hilft da nicht, nur eine entsprechende Förderung könnte den Mehrpreis für einen umweltfreundlichen Verbrenner ausgleichen", sagte Enkel. (ah, dpa, tm)

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KOMMENTARE


Artur

04.06.2020 - 16:19 Uhr

Gut da können jetzt ausländische Automobilhersteller nix dafür das die Deutschen verpennt haben. Meine Meinung.


Catcher Berlin

04.06.2020 - 23:08 Uhr

Wer strukturelle Probleme verschläft wie Brennstoffzellenautos (niemals E-Autos!, denn das ist letztendlich a) 1,3 fach teurer b) hinterläßt der nachfolgenden Generation unwahrscheinliche Entsorgungsprobleme der braucht sich nicht zu wundern, wenn innovative ausländische Unternehmen den deutschen Autobauern (die jahrelang von der Bundesregierung geschützt wurden) den Schneid abkaufen...den VW-Konzern zerschlagen wäre hier eine wirklich dankbare Aufgabe...aus den entstandenen Ruinen können dann wirklich zukunftsfähige deutsche Unternehem entstehen...dieser Prozeß ist zwar schmerzlich, wird aber unausweichlich sein...


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