Autokauf: Automatikgetriebe immer beliebter

Nach Herstellerdaten der DAT lief im vergangenen Jahr mit 47,5 Prozent knapp jeder zweite Neuwagen mit Automatik vom Band.
© Foto: BMW

Schwerfällig, durstig? Diese Vorbehalte gegen Automatikautos lassen Fachleute nur noch eingeschränkt gelten. Das scheinen auch Autokäufer zu bemerken.


Datum:
23.08.2019

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Einfach das Auto machen lassen: Fahrer in Deutschland sind immer häufiger mit Automatikgetriebe unterwegs. Nach Herstellerdaten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) lief im vergangenen Jahr mit 47,5 Prozent knapp jeder zweite Neuwagen mit Automatik vom Band. Vor acht Jahren waren es noch 27,4 Prozent, im Jahr 2000 rund 19,6 Prozent. "Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der mit Automatikgetriebe ausgestatteten Fahrzeuge weiter steigen wird", sagte ein Sprecher des Marktbeobachtungsunternehmens der Deutschen Presse-Agentur.

Im Bestand hat schon knapp jeder dritte Wagen (31 Prozent) kein Schaltgetriebe, wie aus einer jährlichen repräsentativen Umfrage für den DAT-Report hervorgeht. Vor zehn Jahren war es noch etwa jedes sechste Auto (17 Prozent).

Damit scheint sich die jahrzehntelang gepflegte Vorliebe der Deutschen für das Schaltgetriebe abzukühlen. Erst am Donnerstag hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angekündigt, den Automatik-Führerschein attraktiver zu machen. Es ist aber noch ein weiter Weg bis zu nordamerikanischen Verhältnissen, wo Autofahrer seit Jahrzehnten mehrheitlich auf Automatik setzen.

Bei Volkswagen entscheidet sich in Westeuropa nach Konzernangaben knapp jeder zweite Kunde für ein Automatikgetriebe. "Der Automatikanteil steigt grundsätzlich mit der Größe des Fahrzeugs", sagte ein Sprecher. Den Touareg etwa gebe es nur mit Automatik. BMW teilte mit, dass schon 85 Prozent seiner Neuwagenkäufer in Deutschland nicht mehr selbst schalteten.

Niedrigerer Verbrauch, bessere Dynamik

Wenn das Getriebe das automatisch erledige, sei immer genau der Gang eingelegt, der die Motorkraft am besten entfalte, sagte ein BMW-Sprecher. "Das senkt den Kraftstoffverbrauch und verbessert die Dynamik." Allein beim 3er sei der Automatikanteil in zehn Jahren von 30 Prozent auf mehr als 90 Prozent gestiegen.

Bei Opel verlangen dagegen vor allem Käufer der Limousine Insignia und der SUV nach Automatik, bei den Klein- und Kompaktwagen dominiere das Schaltgetriebe. "Schaltgetriebe sind und bleiben auch zukünftig enorm wichtig, da sie für vorbildliche Effizienz und wirtschaftlichen Fahrspaß stehen", betonte der Hersteller. Sein Entwicklungszentrum Rüsselsheim arbeitet an manuellen Schaltgetrieben für die gesamte PSA-Gruppe.

Für den Automatiktrend nennt die DAT mehrere Gründe, darunter viele Assistenzsysteme, die etwa den Abstand regeln oder die Beschleunigung kontrollieren. Hinzu komme, dass Hybrid- und Elektrofahrzeuge nur mit Automatikgetriebe fahrbar sind. Weil gerade Firmen für ihre Fuhrparks gerne Automatik kauften, unterzögen viele Hersteller diese Modelle auch zuerst den Verbrauchstests nach dem neuen WLTP-Standard – sodass Schaltgetriebe erst später bestellt werden könnten.

"Wir sehen, dass sich beispielsweise in Europa immer mehr Kunden unter 30 Jahren für ein Automatikgetriebe entscheiden", sagte eine Daimler-Sprecherin. "Mit zunehmender Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Fahrzeuge wird sicherlich der Anteil an Schaltgetrieben zurückgehen, da diese bei vollelektrischen Fahrzeugen nicht zum Einsatz kommen." 2030 soll mehr als die Hälfte der Daimler-Pkw einen Hybrid- oder vollelektrischen Antrieb haben.

Aus Sicht des ADAC halten sich noch Vorurteile, nach denen Automatikautos als schwerfällig und durstig gelten. Diese Vorbehalte träfen nur noch zum Teil zu – je nach Bauart des Automatikgetriebes. Bei der DAT hieß es, Doppelkupplungsgetriebe schalteten sehr präzise und seien sehr effizient im Verbrauch.

In der Herstellung sind Automatikgetriebe teurer, wie VW verdeutlichte. Besonders für preissensiblere Kunden in den kleineren Modellreihen sei daher das Schaltgetriebe noch erste Wahl – beim Polo etwa ist es noch in drei Vierteln der in Westeuropa verkauften Fahrzeuge verbaut. Auch BMW sieht noch eine Zukunft fürs Selberschalten. Es gebe durchaus eine Nachfrage, vor allem von Fahrern, die es puristisch mögen. (dpa)

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