Freitag, 06.12.2019
Verkehrsblatt IVW
IAA 2019

Elektrischer Achter

Elektrischer Achter
Das Bild des Honda e zeigt zwar noch einen Prototypen, soll aber sehr nahe am Serienmodell dran sein.
© Foto: Honda

Die Leistungsschau der reinen Elektrofahrzeuge auf der IAA setzt auf Klasse statt Masse. Acht Hersteller haben sich im Vorfeld mit neuen Stromern angekündigt, darunter handliche Stadtflitzer, Autos für jedermann und kraftstrotzende Boliden.

Driving tomorrow - so lautet das Motto der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die vom 12. bis zum 22. September 2019 in Frankfurt die Pforten öffnet. Dass die 68. Ausgabe der Messe unter dem gleichen Motto antritt wie die IAA Nutzfahrzeuge im letzten Jahr, hat durchaus eine Berechtigung. Schließlich will der Verband der Automobilindustrie (VDA) seine wichtigste Großveranstaltung als Plattform für die Mobilitätswende präsentieren. Der stylische Slogan könnte tatsächlich passen. Die Bundesregierung jedenfalls hat vor Kurzem ein milliardenschweres Steuerpaket zur Förderung der Elektromobilität aufgelegt, das vor allem die batteriebetriebene Elektromobilität in den Fokus stellt. Die IAA wäre demnach eine gute Gelegenheit für eine Leistungsschau in diesem Segment. Zünden die Autohersteller also ein Feuerwerk mit neuen elektrischen Modellen? Zum ganz großen Spektakel wird es wohl nicht reichen. Rund ein Dutzend Hersteller haben nämlich ihre Teilnahme an der Messe abgesagt, häufig mit Verweis auf die hohen Standkosten. Den Besuchern dürfte dadurch manches batterieelektrische Schmankerl entgehen.

Probefahrten fürs Publikum

Dafür bietet der Veranstalter jetzt erstmals die Möglichkeit, beim IAA Test Drive mit Elektroautos eine eigens aufgelegte Teststrecke durch die Frankfurter Innenstadt und über die nahe gelegene Autobahn unter die Räder zu nehmen. Zur Verfügung stehen hierfür neben VW e-Golf, BMW i3 und Renault Zoe auch kapitale Stromer wie Jaguar I-Pace und Hyundai Kona. Die Südkoreaner bieten zudem Fahrgelegenheiten mit ihrem Brennstoffzellenauto Hyundai Nexo.

An den Standplätzen der Ausstellung muss sich das Kennenlernen allerdings aufs Anschauen und Anfassen beschränken. Exakt acht Modelle halten dort die Fahne der reinen Elektromobilität hoch. Am Ende könnten noch einige Kandidaten dazukommen, weil nicht alle Hersteller bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe ihre Karten auf den Tisch legen wollten. Smart zum Beispiel ist mit seiner Baureihe EQ in dieser Übersicht nicht dabei, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, dass der elektrische Stadtflitzer noch vor dem voraussichtlich 2022 anstehenden Generationswechsel ein großes Facelift erhalten soll.

Honda e - Stadtflitzer nach Maß

Der Honda e dürfte in der Stadt dank Hinterradantrieb und niedrigem Schwerpunkt mit ausgezeichneter Performance punkten. Dazu passt ein Wendekreis von gerade mal rund achteinhalb Metern. Das Design kommt dank der zierlichen Kameraleisten an den Seiten ohne klobige Ohren mit Rückspiegel aus. Ein kluger Schachzug der Japaner sind die kreisrunden Scheinwerferaugen in LED-Technik - schließlich kommt im Automobilbau das Kindchenschema immer noch bestens an.

Hyundai Ioniq - mehr Power

Hyundai spendiert dem vor drei Jahren eingeführten Ioniq Elektro ein zeitgemäßes Update. Vor allem den Antrieb haben die Südkoreaner deutlich nachgeschärft. In Hinblick auf Leistung und Reichweite ist der Kompaktwagen jetzt mit der elektrischen Konkurrenz auf Augenhöhe. Ein Highlight sind die aktiven Fahrer-Assistenz-Systeme, die neben querenden Fußgängern auch Radfahrer erkennen. Droht eine Kollision, leiten sie eine Notbremsung ein. Im Stau halten die Systeme Abstand zum Vordermann und beschleunigen, wenn der nach einem Stopp wieder Gas gibt.

Mercedes-Benz EQV - der Große

Der Mercedes-Benz EQV ist das zweite Serienmodell der Marke "EQ". Blickfang sind der Black-Panel-Kühlergrill mit Chromlamellen und die 18 Zoll großen Leichtmetallräder. Der Van ermöglicht den Einbau von Einzelsitzen und Sitzbänken für bis zu acht Passagiere. Ein Highlight ist die intelligente Rekuperation, die den Grad der Energiegewinnung selbstständig anpasst. Dazu vernetzt das System Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen der Sicherheitsassistenten.

Mini E - noch mehr Fahrspaß

Das natürliche Spielfeld für den Mini ist die urbane Mobilität. In diesem Habitat würde künftig der Mini Cooper SE gerne den Ton angeben. Zur Wahl stehen vier verschiedene Fahrstufen, die das Spektrum zwischen betont sportlicher Fahrweise und einem auf maximale Reichweite ausgelegten Fahrstil abdecken. Dass die Briten bei ihrem ersten batterieelektrisch angetriebenen Modell markentypische Eigenschaften wie Agilität, Handling und Straßenlage betonen, ist eigentlich überflüssig zu erwähnen. Das Lastenheft des Mini ist vor allem auf eines ausgelegt: Fahrspaß.

Opel Corsa-e - hoher Anspruch

Mit einer Mission geht der Corsa-e an den Start: Der Stromer soll die Elektromobilität aus der Nische holen. Von den konventionellen Geschwistern der Baureihe hebt er sich durch die dezenten "e"-Logos an Türen und Heck ab. Opel verspricht außergewöhnliche Fahrerlebnisse bei Ansprechverhalten, Agilität und Dynamik. Serie sind ein Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung sowie ein Spurhalteassistent.

Polestar 2 - Tesla-Jäger

Die Volvo-Tochter Polestar legt mit dem Polestar 2 im Rahmen einer Roadshow durch Europa auf der IAA einen Zwischenhalt ein. Mit dem Fünftürer nimmt die Konzernmutter Zhejiang Geely Holding erklärtermaßen Tesla ins Visier. Die avantgardistische Limousine soll auf der Freifläche der Agora zu sehen sein.

Porsche Taycan - der Sportler

Der Porsche Taycan dürfte trotz fünf Metern Länge und zwei Tonnen Gewicht die Markenwerte der Zuffenhausener authentisch verkörpern. Dafür sorgen unter anderem ein extrem niedriger Schwerpunkt, eine mitlenkende Hinterachse und ein adaptives Fahrwerk. Der Superstromer ist zudem das erste Serienfahrzeug mit einer Systemspannung von 800 Volt. Das ist doppelt so viel wie bei den meisten Elektroautos und soll eine sehr hohe Ladeleistung ermöglichen.

VW ID.3 - der neue Golf?

Die Wolfsburger erfinden sich gerade neu. Da ist es konsequent, die Weltpremiere des VW ID.3 mit einem neuen Logo und einem neuen Markenauftritt zu inszenieren. Jünger, digitaler und moderner will man werden. Die Referenz dafür ist das neue Kompaktmodell, das auf einem modularen Elektrobaukasten aufbaut. Damit soll der ID.3 gewissermaßen zum Stammvater einer Elektrofamilie im VW-Konzern werden, die in den nächsten drei Jahren um knapp 30 neue Modelle anwachsen dürfte.

Erstklassige Referenz für urbane Mobilität: Das Bild des Honda e zeigt zwar noch einen Prototypen, soll aber sehr nahe am Serienmodell dran sein. Bestätigt sind Kennwerte wie Länge (3,92 m) und Wendekreis (8,6 m). Für den Vortrieb im knuffigen Stromer sorgt ein Elektromotor mit 150 PS und einem Drehmoment von 300 Nm. Der Akku mit 35 kW/h reicht für 200 km.

Die Stadt ist sein Spielfeld: Der Mini Cooper SE soll für ein temperamentvolles Fahrerlebnis sorgen. Möglich machen das unter anderem 184 PS Leistung und 270 Nm Drehmoment. Der Lithium-Ionen-Akku stellt 32,6 kW/h Energie bereit, die Reichweite liegt bei bis zu 270 Kilometern. Von null auf 100 km/h spurtet der elektrische Mini in 7,3 Sekunden.

Autor: Joachim Geiger

 
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