Donnerstag, 21.11.2019
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Was lange währt ...

Was lange währt ...
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Als der Stammbetrieb von 1971 an seine Kapazitätsgrenzen stieß, entschloss man sich im Autohaus Raupers für den Neubau eines Servicebetriebs. Größte Hürde war das Genehmigungsverfahren mit der Stadt Hannover.

Wenn wir weiter Gas geben wollen, dann müssen wir jetzt den nächsten Schritt gehen", lautete die Erkenntnis von Fritz Raupers und dessen Tochter Kristina, die beide die Geschäftsführung im Autohaus Raupers innehaben. Auslöser waren die gestiegenen Anforderungen an die Werkstattarbeitsplätze im Hinblick auf Fahrerassistenzsysteme und die aufkommende Elektromobilität. Bereits der 1971 gebaute Stammbetrieb im Westen von Hannover unterlag ständigen Um- und Anbauten, um mit dem fortschreitenden Wachstum Schritt zu halten. 1989 entstand nur einen Steinwurf entfernt das Autohaus mit den Marken VW und Audi - der Service für diese beiden Marken, sowie Skoda und VW Nutzfahrzeuge, verblieb zunächst im alten Betrieb. "Als mittelständisches Familienunternehmen erweiterten wir uns immer Schritt für Schritt, sowohl im Werkstattbetrieb als auch im Autohaus", beschreibt Kristina Raupers den Werdegang. Jetzt wurde es Zeit für den nächsten Schritt: "Wir kamen im alten Servicebetrieb ans Limit und hatten keine Möglichkeit zur Erweiterung, um zusätzliche Arbeitsplätze mit neuer Technik zu schaffen. Also mussten wir überlegen, wie wir die gewachsenen Anforderungen vor dem Hintergrund neuer Technologien erfüllen können. Klar war für uns: Wir müssen uns jetzt positionieren und für die Zukunft aufstellen", schildert Kristina Raupers den Entschluss für den Neubau eines Servicebetriebs.

Der Amtsschimmel wiehert

Ein Grundstück gegenüber dem Autohaus hatte man bereits früher erworben. 2011 fanden erste Gespräche mit dem Generalbauunternehmer Borgers statt, doch weitere Planungen stellte man wegen der Unsicherheit aufgrund des Dieselskandals zunächst zurück. Im Mai 2017 kam es dann zur Vertragsunterzeichnung, allerdings lag der Baubeginn da noch in weiter Ferne.

Projektleiter Gerold Urmelt von Borgers erinnert sich: "Das Genehmigungsverfahren mit der Stadt Hannover gestaltete sich äußerst schwierig und zeitintensiv. Es hatte den Anschein, dass in ganz Deutschland die Industriebaurichtlinie gilt, nur nicht in Hannover. Nichts ging voran, die Familie Raupers dachte schon an eine Klage." Als besonders schwierig erwies sich das Thema Brandschutz, hier wurden gleich mehrere Konzepte abgelehnt. Streitpunkt war das zweigeschossige Teilelager, das in normalen Genehmigungsverfahren als Mobiliar beurteilt wird. Die Stadt Hannover sah das jedoch als Gebäudebestandteil und verlangte statt der üblichen - und von Kristina Raupers ausdrücklich gewünschten - Gitterrostdecke eine Betondecke.

"Die Stadt hat das volle Programm aufgerufen, Brandmeldeanlage, Sprinkleranlage, Rauchabzug et cetera, trotz aller Argumente durch unseren eigenen Brandschutz-Sachverständigen, der nicht nur technische Lösungen erarbeitete, sondern dabei auch immer den Kostenfaktor im Auge behielt. Letztendlich mussten wir das Teilelager von innen brandschutztechnisch komplett abkleiden, um eine Gitterrostdecke einbauen zu können", so Urmelt. Mit im Boot bei den Behördengängen war auch der Architekt Hans-Heinrich Lippe, der seit vielen Jahren mit der Familie Raupers zusammenarbeitet. "Es war von Vorteil, dass Herr Lippe die örtlichen Gegebenheiten und die Finessen des niedersächsischen Baurechts kannte, sodass wir oft gemeinsam vorsprachen und Anpassungen vornahmen", erzählt Urmelt. Im März 2018 waren schließlich alle Hürden genommen und der Bau konnte beginnen.

Strom und Wasser

Kristina Raupers betont die gute Zusammenarbeit zwischen Architekt Lippe und der Firma Borgers: "Wenn man wie ich als Betriebswirtin nicht 100 Prozent Ahnung vom Bauen hat, steht man manchmal mit großen Augen da. Herr Lippe übernahm die Kommunikation mit Borgers und stand mir beratend zur Seite, so fühlte ich mich doppelt sicher." Zumal die örtlichen Gegebenheiten den ein oder anderen Kniff in der Bauausführung erforderten.

So verläuft direkt über dem Gebäudestandort eine 110-Kilovolt-Starkstromleitung, die die dauerhafte Aufstellung eines Baukrans verhinderte. "Zur Errichtung des Stahlbaus mittels Kran wurde für einen Tag der Strom abgeschaltet, ansonsten konnten wir nur mobile Kleingeräte nutzen. Es war ein bisschen wie Lego spielen, eine bautechnische Herausforderung", denkt Urmelt zurück. Besonderes Knowhow erforderte auch die Beseitigung des Regenwassers, da das Grundstück durch die Bebauung und die großzügige Anlage von Parkplätzen weitgehendst versiegelt ist. Über eine große Drosselstreckenanlage mit Staukanal, Sickerschächten und Reinigungsstufen gelangt das Wasser jetzt in einen angrenzenden Bach.

Als Ausgleichsfläche war im Bauplan außerdem ein Gründach vorgeschrieben, dessen Fläche aufgrund der installierten Photovoltaik-Anlage jedoch reduziert werden konnte. Es sorgt heute für ein angenehmes Raumklima im darunterliegenden Verwaltungstrakt.

Energetisch nachhaltig

Die Photovoltaik ist Bestandteil des KfW55-Standards, nach dem das Gebäude erstellt wurde. Sie versorgt in erster Linie die ebenfalls auf dem Dach befindliche Luft-Luft-Wärmepumpe, die im Sommer dem großzügig verglasten Gebäude auch kühle Luft zuführt. In Zukunft will Kristina Raupers damit ebenfalls die geplanten und vorbereiteten Ladesäulen versorgen. Um die Wärmeverluste in der Werkstatt durch ständig sich öffnende und schließende Werkstatttore zu vermeiden, installierte Borgers an der Decke Dunkelstrahler, die zielgerichtet Strahlungswärme nach unten abgeben und durch die direkte Gas-Befeuerung keine Leitungsverluste verzeichnen. Eine durchgehende LED-Beleuchtung sowie stärker gedämmte Scheiben und Bodenplatten sind weitere Maßnahmen zur Einhaltung des Energie-Standards.

So konnten die Raupers im Februar 2019 einen nachhaltigen Service-Betrieb eröffnen, der nicht nur energetischen, sondern im Kundenbereich sowie in der Werkstatt auch modernsten Ansprüchen genügt. "Mein Ziel ist es, mit dem neuen Betrieb die Werkstattauslastung weiter zu steigern. Bei entsprechender Entwicklung können die Karosserie-Arbeitsplätze in mechanische umgewandelt und die Karosserieabteilung in den alten Betrieb, wo noch die Lackiererei untergebracht ist, zurückgeführt werden", so Kristina Raupers.

Kurzfassung

Das Autohaus Raupers hat sich mit dem Neubau eines energetisch nachhaltigen Servicebetriebs erfolgreich für die Zukunft aufgestellt - trotz langwierigen Genehmigungsverfahrens und anderer Herausforderungen in der Bauphase.

Kennzahlen Autohaus Raupers

Bauzeit: März 2018 bis Februar 2019Planung/Ausführung: Generalbauunternehmen Borgers GmbHGrundstück: ca. 7.500 m²Überbaute Fläche: ca. 2.100 m²Nettogeschossfläche: ca. 2.400 m²Mitarbeiter: 65 (gesamt)WS-Arbeitsplätze: 15 mechanische, 4 KarosseriearbeitsplätzeBaukosten netto: 2,85 Mio. Euro ohne Grundstück, inkl. Kommunikations- und Außenanlagen

Autor: Dieter Väthröder

 
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