ZF Aftermarket: Fit für die Hochvolttechnik

Hochvolt-Trainings von ZF Aftermarket
© Foto: ZF

Der Bestand an elektrifizierten Fahrzeugen hat in Deutschland die Marke von 400.000 Einheiten überschritten - und wächst weiter. Ohne Schulung dürfen Werkstattmitarbeiter diese Fahrzeuge nicht reparieren. ZF bietet dafür entsprechende Fortbildungen an.


Datum:
06.11.2019

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Der Bestand an elektrifizierten Fahrzeugen in Deutschland hat in diesem Jahr die Marke von 400.000 Einheiten überschritten - und er wächst weiter. Immer mehr Fahrzeuge - vor allem Hybride, aber auch batterieelektrische Modelle -, kommen nun in ein Alter, in dem ihre Eigner Wartung und Reparaturen lieber in einer freien Kfz-Werkstatt erledigen lassen möchte, erklärt ZF. Ohne Unterweisung bzw. Schulung ist es Werkstattmitarbeitern aber nicht erlaubt, an einem Elektro- oder Hybridfahrzeug Hand anzulegen. Das gilt selbst für einfache Wartungstätigkeiten an den konventionellen Fahrzeugsystemen. Dafür hat ZF Hochvolttrainings im Angebot.

Diese bestehen aus aufeinander abgestimmten E-Learnings und Praxistrainings und sollen einen optimalen Lernerfolg bei deutlich reduzierten Präsenzzeiten und damit geringeren Kosten ermöglichen.

Die allgemein anerkannte Regelungsgrundlage hierzu stammt von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und ist in der DGUV-Information 200-005 "Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystem" niedergelegt. Die DGUV unterscheidet in ihrem Regelwerk zwischen zwei grundlegenden Anwendungsfällen:

  • Arbeiten in Entwicklung und Fertigung vor Produktionsstart sowie
  • Arbeiten an Serienfahrzeugen (eigensicher oder nicht eigensicher).

Für Werkstätten ist üblicherweise nur der zweite Punkt relevant. Auch ihn unterteilt die DGUV in drei Gebiete, für die jeweils unterschiedliche Schulungsvorschriften gelten:

  1. Bedienen von Fahrzeugen:
    Hierunter fallen Tätigkeiten, die auch der Autofahrer selbst ausführen könnte – neben dem Einfüllen von Kraft- und Betriebsstoffen einfache Servicearbeiten wie das Auswechseln der Wischerblätter. Mitarbeiter, die damit betraut werden, benötigen eine Einweisung durch einen Fachkundigen für Hochvoltsysteme. Die Dauer der Einweisung richtet sich nach der Art des Fahrzeugs und den auszuführenden Arbeiten.

  2. Nichtelektrotechnische Arbeiten:
    Damit sind sämtliche mechanischen Arbeiten, aber auch Reparaturen am 12-Volt-Bordnetz sowie an den 48-Volt-Komponenten moderner Hybridautos gemeint. Mitarbeiter können bei diesen Aktivitäten in Kontakt mit Hochvoltkomponenten kommen oder diese beschädigen. Deshalb ist eine umfangreichere Unterweisung vorgeschrieben: Je nach Art und Umfang der Arbeiten betragen diese 0,5 bis zwei UE (UE: Unterrichtseinheit – entspricht 45 Minuten).

  3. Elektrotechnische Arbeiten:
    Hierbei handelt es sich um Fehlersuche an sowie Aus- und Einbau von Hochvoltkomponenten. Für diese brauchen Kfz-Mechatroniker eine Ausbildung von mindestens acht UE (theoretischer Teil) plus vier bis acht UE Praxis. Dies gilt für sogenannte eigensichere Fahrzeuge (üblicherweise Pkw). Arbeiten an nicht eigensicheren Fahrzeugen (etwa Nutzfahrzeuge oder verunfallte Fahrzeuge) erfordern mindestens 40 UE Ausbildung, wenn der Mitarbeiter bereits elektrotechnische Vorkenntnisse im Kraftfahrzeugbereich besitzt (zum Beispiel Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker). Arbeiten an unter Spannung stehenden Hochvoltkomponenten (beispielsweise der Tausch von Batteriezellen) machen weitere Zusatzqualifikationen nötig.

Erheblicher Schulungsaufwand

Werkstätten, die ihre Mitarbeiter fit machen wollen für Arbeiten an HV-Systemen sowie nicht eigensicheren Fahrzeugen, müssen also mit einem erheblichen Schulungsaufwand rechnen. Ein neues Schulungskonzept von ZF soll helfen, diese Abwesenheitszeit zu reduzieren. Elektrische oder elektrifizierte Antriebe seien ein wesentlicher Hebel, um lokale Emissionen im Verkehr rasch zu senken. 

Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben einen speziellen Blended-Learning-Ansatz entwickelt, der das Präsenztraining mit einer Onlineschulung kombiniert und somit die Abwesenheitszeit der Mitarbeiter deutlich reduziert. In einem zweiteiligen Kursus erwerben Mitarbeiter als "Hochvolt-Experte Stufe 2" die Befähigung für elektrotechnische Arbeiten an Fahrzeugen.

Teilnehmer, die bereits eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder einen vergleichbaren Abschluss vorzuweisen haben, dürfen nach einer Eingangsprüfung direkt in das Modul Hochvolt-Experte einsteigen. Die theoretischen Anteile werden über E-Learnings vermittelt. Das Präsenztraining inklusive der praktischen Übungen dauert deshalb nur noch drei Tage.

Durch die Schulung zum ZF Hochvolt-Experten erwerben die Teilnehmer laut Mitteilung Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was bei normalen Wartungsarbeiten an Pkw gefordert ist. Als ZF Hochvolt-Experte sei es möglich, Bauteile zu tauschen, Fehler zu suchen und das HV-System ein- und auszuschalten. Die Qualifikation entspricht dem Fachkundigen für Hochvoltsysteme Stufe 2 nach DGUV-Information 200-005.

Hochvoltsysteme der Stufe 3

Neu ins Schulungsangebot von ZF Aftermarket komme im Dezember 2019 die Ausbildung zum ZF Hochvolt-Experten der Stufe 3 (entspricht der Fachkundigen für Hochvoltsysteme der Stufe 3). Hierbei stehe das Arbeiten an unter Spannung stehenden Hochvoltkomponenten im Mittelpunkt. Vermittelt werden daher folgende zusätzliche Befähigungen:

- Tausch von Batteriezellen sowie - Umgang mit verunfallten Fahrzeugen, deren Schutzmaßnahmen nicht mehr funktionieren.

Um solche Arbeiten anbieten zu können, sind laut ZF im Betrieb allerdings noch weitere Voraussetzungen nötig, die von der speziellen Schutzkleidung bis hin zur Ausgestaltung der Arbeitsplätze reichen. Die Stufe 3 eigne sich deshalb nicht für jede Werkstatt, sondern besonders für folgende Kfz-Unternehmen:

Betriebe, die Karosseriearbeiten an verunfallten Elektrofahrzeugen ausführen, oder Schäden reparieren, bei denen sich die Spannungsfreiheit nicht sicherstellen lässt bzw. Kfz-Werkstätten, die sich als Elektroexperte profilieren wollen und beispielsweise Arbeiten unter Spannung für andere Autohäuser übernehmen.

Rolf Hildebrand, verantwortlich für das Hochvolt-Schulungsprogramm bei ZF Aftermarket, fasst den Vorteil dieses Lernkonzepts wie folgt zusammen: "Die technologische Entwicklung bietet für die Werkstatt interessante Wachstumspotenziale, die allerdings nur genutzt werden können, wenn man sich darauf vorbereitet! Unser Trainingskonzept vermittelt den Teilnehmern den größten Praxisnutzen. Im übertragenen Sinne bekommen die Teilnehmer bei uns nicht nur den Führerschein, sondern wir vermitteln ihnen auch das Fahrkönnen." (tm)

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