Wie funktioniert eigentlich: Software Defined Vehicle

12.01.2026 15:24 Uhr | Lesezeit: 2 min
VW
Software wird im Auto immer wichtiger.
© Foto: VW

Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas war es wieder eines der zentralen Zukunftsthemen: das softwarebasierte Auto. Doch um was genau geht es dabei?

Das Auto wird zunehmend zum Smartphone auf Rädern. Der dahinterstehende Megatrend heißt "Software Defined Vehicle" (SDV) basiert auf der Vision, dass die wichtigsten Eigenschaften des Autos künftig nicht mehr in Metall und Hydraulik liegen, sondern aus Millionen Zeilen Software bestehen. 

Frühe Formen von SDV-Techniken sind schon heute im Auto erlebbar: Der Software‑Update‑Hinweis im Infotainment‑Display, neue Assistenzfunktionen, die per Funk aufgespielt werden, oder selbst die automatischen Kartendaten‑Updates für das Navigationssystem. Doch bei SDV geht es um weit mehr – um eine grundlegende Verschiebung der technischen Architektur. Statt hunderter einzelner, spezialisierter Steuergeräte, die jeweils nur eine konkrete Funktion übernehmen (zum Beispiel die Steuerung von Bremskraftverteilung, Fensterheber oder Airbag), setzt das SDV leistungsfähige zentrale Rechenplattformen mit hoch‑integrierter Kommunikation ein. Funktionen werden dort als Software‑Baustein ausgeführt, konfiguriert und vernetzt.

SDV-Konzept auf mehreren Säulen

Technisch basiert das SDV-Konzept auf mehreren Säulen: einer leistungsfähigen Rechen-Hardware, einem Echtzeit‑Betriebssystem und einer modularen Software‑Architektur, die Updates über Funk ("Over‑the‑Air") zulässt – genauso wie man es von Smartphones kennt. Kommunikationsstandards wie Automotive Ethernet und standardisierte Middleware sorgen dafür, dass Komponenten verschiedener Zulieferer und Hersteller sich verstehen und zusammenarbeiten können. 

Historisch ist der Wandel zum SDV nicht über Nacht gekommen, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Elektrifizierung und Vernetzung. In den 1980er- und 1990er-Jahren führte die wachsende Zahl an Elektronik‑Komponenten zu immer komplexeren Steuergeräten, die jedoch noch stark fragmentiert waren. Mit dem Einzug von CAN‑Bus, später LIN, FlexRay und heutigen Ethernet‑Netzwerken wuchsen die Systeme zusammen. Hersteller konnten Funktionen zunehmend mit Software statt mechanisch darstellen. Parallel dazu wuchs der Anspruch der Kunden an Komfort, Sicherheit und Personalisierung – Aspekte, die sich digital leichter und günstiger machen lassen als auf dem alten analogen Weg. Unternehmen wie Tesla haben den Trend früh aufgegriffen und ihren Fahrzeugen per Update regelmäßig neue Fähigkeiten aufgespielt.


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Während erste SDV-Funktionen heute schon zunehmend verfügbar sind, kommt die große Welle der SDV-Fahrzeuge erst noch. Für die nächsten Jahre haben alle großen Hersteller entsprechende Ankündigungen gemacht. Für sie bedeutet die SDV‑Strategie einen tiefgreifenden Wandel in der Produktentwicklung und in den Geschäftsmodellen. In traditionellen Entwicklungsprozessen dominierten lange mechanische Konstruktion und Hardware‑Integration. Nun rücken Softwarearchitekten, Cloud‑Anbindungen und datengetriebene Entwicklungsprozesse in den Mittelpunkt. Over‑the‑Air‑Updates ermöglichen nicht nur Fehlerbehebungen nach dem Verkauf, sondern auch kontinuierliche Funktionserweiterungen – ein Modell, das aus der Smartphone‑ und App‑Ökonomie bekannt ist und neue Einnahmequellen eröffnet.  

Die Autohersteller streichen gegenüber dem Kunden gerne die Vorteile des neuen Ansatzes heraus, versprechen, dass Fahrzeuge immer "up to date" bleiben und länger genutzt werden können. Die Kehrseite: Dauerhaft umsonst werden die Updates wohl nur in seltenen Fällen sein. Und ob die Lebensdauer tatsächlich steigt, bleibt abzuwarten. Erfahrungen mit Handys und Laptops, die nach einigen Jahren nutzlos sind, weil die Hersteller den Software-Support eingestellt haben, können als warnendes Beispiel gelten. Zudem hat auch die weiterhin nötige automobile Hardware ein eingebautes Ablaufdatum, das sich mit neuer Software nicht verlängern lässt. 

SDV: Neue Fragen kommen auf

Auch gesellschaftlich und regulatorisch wirft das SDV neue Fragen auf. Vernetzte Fahrzeuge generieren enorme Datenmengen, die auch missbraucht werden können. Zudem muss sichergestellt werden, dass Software‑Updates zuverlässig und sicher ablaufen und nicht Ziel von Cyberangriffen werden. Gesetzgeber und Normungsinstitutionen arbeiten an Standards und Zertifizierungsprozessen, die dieser neuen Komplexität gerecht werden. 

Blickt man weiter in die Zukunft, könnte das Software Defined Vehicle aber weit mehr sein als ein etwas flexibleres Auto: Es dient als Plattform für autonome Mobilitätsdienste, als Sensor‑ und Datenschnittstelle in Smart‑City‑Konzepten und als Baustein in vernetzten Verkehrsökosystemen.  


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