Technische Informationen
Inhalte technischer Datenbanken der Automobilhersteller in einem Datenportal zusammenzufassen und an gewerbliche Nutzer zu verkaufen, ist das Geschäftsmodell der Alldata Europe GmbH. Nach zwei Jahren Aufbauarbeit in Deutschland kommt die Tochter des US-Unternehmens Autozone allmählich in Schwung.
Die Alldata Europe GmbH lud Anfang Juli zu einer Pressekonferenz, um Rückblick auf ihre ersten zwei Jahre Marktpräsenz in Europa zu nehmen und gleichzeitig einen Ausblick auf die bevorstehende Automechanika zu geben. Uli Zehnpfenning und Michael Krampe, Geschäftsführer der Alldata Europe GmbH, Köln, präsentierten in der Klassikstadt Frankfurt eine insgesamt positive Bilanz des eigenen Schaffens. Man habe, so die beiden Manager, anfangs deutlich mehr Zeit für die Gespräche mit den Automobilherstellern aufwenden müssen als geplant, um die Datenlizenzen zu erhalten. Und auch die Verhandlungen mit potenziellen Kunden gestalteten sich langwieriger als gedacht. Aber getreu dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ habe man mittlerweile ein gutes Entree im Markt, und die Philosophie werde bei Datenlieferanten und -abnehmern immer besser verstanden.
Alldata-Philosophie ist, ausschließlich Automobilherstellerdaten im Original auf der Plattform Alldata Repair zusammenzustellen und für Werkstätten über einen Browserzugang nutzbar zu machen. Derzeit sind elf Automobilmarken mit sämtlichen technischen Informationen auf der Plattform zugänglich. Bis Ende des Jahres sollen es 18 Marken sein, darunter alle wichtigen Volumenmarken aus Europa.
Alles bleibt, wie es ist
„Wir nehmen nichts weg, wir verändern nichts, wir fügen nichts hinzu, sondern veröffentlichen eins zu eins die Daten, die uns die Automobilhersteller zur Verfügung stellen und die in aller Regel deckungsgleich mit den Daten sind, die auch die eigenen Markenpartner bekommen“, erläutert Uli Zehnpfenning. Was das für die Werkstatt im Detail bedeutet, machte Oliver Birkel, zuständig für den technischen Support bei Alldata, an einigen praktischen Beispielen deutlich. Während man bei anderen Datenlieferanten im freien Markt beispielsweise bei Reparaturen am Motor oder Zylinderkopf mit wenig detailgetreuen und ungenauen Explosionszeichnungen auskommen müsse und nicht immer alle Arbeitsschritte präzise beschrieben seien, liefere Alldata die exakten Daten mit genauen Explosionszeichnungen. In die seien oft noch Hyperlinks integriert, über die man weitere Detailansichten oder zusätzlich Reparaturhinweise in der Datenbank aktivieren könne. Darum seien Alldata-Daten auch bei Karosserie- und Lackbetrieben sehr beliebt. „In jedem größeren Betrieb geht pro Woche eine Türverkleidung kaputt, weil man nicht weiß, wo verdeckte Klipse sitzen oder nach welchem Muster Anbauteile im Innenraum zu demontieren sind“, erzählt Michael Krampe aus seinen Gesprächen bei diversen Stammtischen.
Für Spezialanwendungen gefragt
Die 66,95 Euro monatlich für die Alldata Daten seien also gut angelegt, wenn man sich damit mehrere hundert Euro Schaden spare. Aus dem gleichen Grund nutzen auch Autoglaser immer öfter die Originaldaten von Alldata. Vor allem die wachsende Zahl von Assistenzsystemen und der erforderliche Kalibrieraufwand ebendieser nach Austausch einer Scheibe mache es für den Glaser zunehmend schwieriger, ein Fahrzeug ordnungsgemäß instand zu setzen. Nicht überraschend also, dass der Verband der niederländischen Karosseriebetriebe nach Angaben von Michael Krampe und Uli Zehnpfenning aktuell einer der größten Kunden von Alldata Europe ist.
In Deutschland nimmt das Geschäft ebenfalls Fahrt auf. Abnehmer sind hier die großen Distributoren im freien Markt, also Teilehändler wie Stahlgruber, Wessels+Müller oder Neimcke. Einzellizenzen mit Werkstattunternehmern sind eher die Ausnahme. „Wir sind uns bewusst, dass wir keinen anderen Datenpublisher verdrängen. Aber wir sind für immer mehr Werkstätten eine wichtige und wertvolle Ergänzung, wenn es um die Versorgung mit technischen Informationen geht und die normalen Katalogsysteme nicht genügend Details und Tiefe bieten“, sagt Krampe.
Frühbucherrabatt bis 2015
Das Ziel, bis Ende des Jahres rund 3.000 Lizenznehmer in Europa angeschlossen zu haben, hat man nach wie vor fest im Auge. Dazu soll auch die Verlängerung der Rabattaktion zum Marktstart beitragen. Kunden, die sich noch in diesem Jahr für eine Lizenz von Alldata Repair entscheiden, haben vollen Zugriff auf die Daten von elf Marken und behalten diesen rabattierten Preis auch, wenn weitere Marken freigeschaltet und die Lizenzkosten – frühestens zum Januar 2015 – auf das reguläre Niveau von 1.590 Euro jährlich verdoppelt werden. „Der günstige Preis gilt für die Anwender, die sich bis zu diesem Zeitraum entschieden haben, auch über die kommenden Jahre hinaus. Sie profitieren außerdem von der Erweiterung auf 18 Marken und sonstige Services, die wir anbieten“, stellt Michael Krampe klar.
Zu den sonstigen Services gehört beispielsweise das so genannte Info-Center. Das ist eine Art Concierge-Service für Nutzer, die Probleme haben, bestimmte Informationen im System aufzufinden. Sie können, wenn sie das Fahrzeug, an dem sie arbeiten, im System über VIN-Abfrage eindeutig identifiziert haben, entweder über eine integrierte Volltext-Suchabfrage oder per kurzer Nachricht an das Info-Center eingeben, welche Info sie genau zu dem Fahrzeug suchen, oder besondere Reparatur-Tipps abfragen.
Der Concierge, in dem Fall Olaf Birkel und sein Team, sucht die passende Info für den Kunden heraus und sendet sie, wenn gewünscht sogar in der Landessprache, mindestens noch am gleichen Tag zurück. Ein weiterer Service: Fahrzeuge, die eigentlich aus dem Alldata-Altersraster fallen – eingestellt werden in die Datenbank normalerweise alle Fahrzeuge ab Baujahr 2000 aufwärts –, können vom Info-Center schnell recherchiert werden, wenn der Kunde danach fragt.
Neuheiten in Frankfurt
Zur Automechanika will das Unternehmen diverse Neuheiten präsentieren. Unter anderem einen über alle Hersteller im System standardisierten Suchbaum mit ebensolchen Begrifflichkeiten, was die Suche für die Betriebe noch einmal deutlich erleichtern soll. „An den Inhalten der Daten werden wir selbstverständlich nichts verändern“, macht Uli Zehnpfenning deutlich. Man erhofft sich aber eine einfachere Handhabung für die Nutzer, die auch zu einem Rückgang der Service-Anfragen führt. Denn viele User nutzen derzeit den direkten Kontakt zu Alldata, wenn sie gesuchte Daten nicht auf Anhieb finden.
Gearbeitet wird zurzeit außerdem an einer Integration der Daten in die Ersatzteilkataloge diverser Teilegroßhändler. Damit soll künftig gewährleistet sein, dass einmal in Alldata Repair identifizierte Fahrzeuge automatisch an den jeweiligen Teilekatalog übergeben werden und keine erneute Identifikation erforderlich wird. Zugleich soll eine Anmeldung im Teilekatalog ausreichen, um sofort auch auf die Alldata-Daten zugreifen zu können, vorausgesetzt der Anwender ist offizieller Lizenznehmer (so genannte „single-sign-on“-Funktion). Zudem gab man in Frankfurt bekannt, dass Alldata Europe einen Kooperationsvertrag mit dem Diagnosegeräteanbieter Autologic abgeschlossen hat. Der Hersteller aus England wird seine für ihre Funktionstiefe bekannten Geräte künftig mit Daten von Alldata bestücken. fs
Weitere Informationen: www.alldataeurope.com/de; auf der Automechanika – Halle 9.1, Stand E10