asp: Derzeit sind Sie als alleiniger Geschäftsführer bei MAHA tätig und eben wurde Ihr Vertrag bis 2030 verlängert. Mit welcher Agenda sind Sie angetreten?
P. Geigle: Bislang war ich alleiniger Geschäftsführer. Vorübergehend wurde mit Friedrich Hesemann ein weiterer Geschäftsführer berufen, ein Spezialist für die kaufmännischen Bereiche. Gerade bei komplexen Strukturen wie unserer Finanzbuchhaltung in über 20 Niederlassungen ist es sinnvoll, jemanden mit spezifischem Finanzwissen an Bord zu haben. Die Technik bleibt dabei meine Kernkompetenz. Der Beirat hat erkannt, dass der Erhalt der Innovationsfähigkeit bei MAHA überlebenswichtig ist. Man hat sich sehr lange darauf konzentriert, vor allem bestehende Produkte zu optimieren, der Einstieg in ganz neue Technologien kam zu langsam voran. Genau das war mein Ansatz: die Technologieentwicklung wieder ins Zentrum der Unternehmensstrategie zu stellen.
asp: Hat sich MAHA zu lange auf Blech konzentriert und die Digitalisierung verpasst?
P. Geigle: Technologisch war MAHA immer solide, aber auch konservativ. Wir haben Hebebühnen und Bremsprüftechnik weiterentwickelt, Varianten geschaffen, aber technologische Sprünge gab es kaum. Embedded-Lösungen wie "Connect" waren gut, denn die Konnektivität der Geräte untereinander ist heute wichtig. Aber ein echter Technologiesprung war es nicht. Das wollte ich ändern.
asp: Mit welchen Ideen zur Weiterentwicklung sind Sie also angetreten?
P. Geigle: Wir haben uns zuletzt auf der Basis von Markt- und Technologietrends entwickelt. Dabei haben wir uns an globalen Zukunfts-Roadmaps orientiert, die Megatrends wie KI, Automatisierung, Assistenzsysteme und den Fachkräftemangel bestätigen. Ziel war, die Werkstatt von morgen aktiv zu gestalten und MAHA als Innovationsführer zu positionieren. Dieses Konzept habe ich 2022 den Stiftungsbeiräten präsentiert und als strategische Grundlage festgelegt.
asp: Sie haben die Megatrends benannt. Was bedeutet dies für die Werkstätten?
P. Geigle: Werkstätten werden zunehmend digital unterstützt arbeiten müssen, um effizient zu bleiben. Parallel dazu verändert sich die Fahrzeugtechnik: E-Mobilität und autonome Fahrzeuge werden künftig den Werkstattbetrieb stark beeinflussen. Unsere Aufgabe ist es, die entsprechenden Lösungen frühzeitig bereitzustellen. Wir haben daher gezielt neue technologische Konzepte entwickelt. Dazu gehört die Integration KI-gestützter Assistenzsysteme in Werkstattabläufe, die Automatisierung von Prüfprozessen und die Entwicklung von Robotiklösungen wie MAIA.
asp: MAIA ist ein gutes Stichwort. Wie entstand die Idee zu "MAIA"?
P. Geigle: Wir sehen die Notwendigkeit, Prozesse in den Werkstätten stärker zu automatisieren und noch effizienter zu gestalten. MAIA steht für "MAHA Autonomer Inspektions Assistent" und ist eine autonome Fahrplattform für Werkstätten und Industrieanwendungen. Sie navigiert selbstständig durch die Umgebung, erkennt Hindernisse und sammelt simultan hochauflösende 2D- und 3D-Daten. Mit ihr lassen sich Achsmessung, ADAS-Kalibrierung, Licht- und Radarmessungen sowie Schadendokumentation durchführen. Kurz gesagt: MAIA ist ein multifunktionales System für präzise Vermessung und Datenerfassung.
asp: Welche Daten kann MAIA erfassen?
P. Geigle: MAIA ist mit einem sechsachsigen Roboterarm und einem Messkopf ausgestattet, der 3D- und 2D-Kameratechnik kombiniert. Die Bilder haben eine Auflösung von bis zu 60 Megapixeln, sodass kleinste Details wie Steinschläge sichtbar werden. Dadurch lassen sich Fahrzeuge, Bauteile oder ganze Anlagen präzise dokumentieren. Zudem bestimmt MAIA, für bestimmte Aufgaben, ihre exakte Position im Raum mittels Sensoren.
"Wir nehmen Anbieter aus China noch nicht als echte Konkurrenz wahr." Peter Geigle, MAHA
asp: Wie haben Sie den Bereich Forschung und Entwicklung weiter ausgebaut?
P. Geigle: Innerhalb von zwei Jahren haben wir das Entwicklungs-Team auf 11 Spezialisten erweitert - diese bilden nun den Bereich Forschung; insgesamt arbeiten jetzt rund 75 Personen in Forschung und Entwicklung. Wir kombinieren Automotive-Expertise mit Robotik, Sensorik und Bildverarbeitung. Wichtig ist: Wir nutzen dort, wo es Sinn macht, bereits vorhandenes Know-how, kaufen Technologien zu und konzentrieren uns darauf, sie in unsere Systeme zu integrieren. Deshalb kooperieren wir auch mit externen Partnern, unter anderem mit dem Fraunhofer IPA in Stuttgart und der FH Kempten.
asp: Ist es Zufall, das MAIA aussieht wie der Roboter Wall-E von Walt Disney?
P. Geigle: Wir haben uns tatsächlich bewusst an Roboterfiguren wie Wall-E orientiert, um eine emotional ansprechende und nutzerfreundliche Lösung zu entwickeln. Die Akzeptanz eines solchen Systems beim Menschen ist ein zentraler Punkt. Es hat auch eine emotionale Ebene, wenn der Kollege Roboter unterstützt.
asp: MAHA gilt als Weltmarktführer bei Prüftechnik - was unterscheidet Sie?
P. Geigle: Der entscheidende Unterschied liegt im Service und in der Produkt-Qualität. Unsere Produkte sind weltweit im Einsatz, sind ausgesprochen langlebig, arbeiten zuverlässig und bekommen jederzeit den notwendigen Service. Dazu bieten wir den Kunden technischen Support: Wir sind jederzeit erreichbar, bieten technische Experten in der Hotline und betreuen Kunden auch nach dem Kauf intensiv. Diese ausgesprochene Servicekultur ist zentral für uns, und zwar über die gesamte Lebenszeit eines MAHA-Produktes. Eine MAHA-Bühne hält oft 20 bis zu 35 Jahre, selbst unter hohen Belastungen, wie sie in Prüfstationen üblich sind.
asp: Wie steht MAHA heute wirtschaftlich da?
P. Geigle: Wir sind zuletzt deutlich gewachsen. Die Mitarbeiterzahl stieg von 631 auf 709, der Umsatz liegt mehr als 20 Prozent über Vorjahr und fast sieben Prozent über Plan. Wir sind über ein internationales Händlernetzwerk und die eigenen Niederlassungen weltweit erfolgreich unterwegs. Das internationale Geschäft macht 60 Prozent aus.
asp: Wie gefährlich sind neue chinesische Anbieter für MAHA?
P. Geigle: Wir nehmen Anbieter aus China noch nicht als echte Konkurrenz wahr. Diese sprechen eine andere Zielgruppe an als wir. Für uns zählt, dass wir uns weiterhin über Qualität und Service differenzieren. Wer bei uns einen Bremsprüfstand kauft, erwartet nicht nur das Gerät, sondern ein Komplettpaket: Sicherheit, Haltbarkeit, Montage, Service und Schulungen. Billiganbieter verkaufen einfache Bausätze - unsere Bühnen werden durch unsere Serviceteams komplett montiert und sind innerhalb von wenigen Stunden einsatzbereit, während ein vergleichbares Produkt aus China oft zwei Tage Aufbauzeit erfordert.
asp: Wie bereitet MAHA die Werkstätten auf autonome Fahrzeugsysteme vor?
P. Geigle: Prüfungen von Bremse und Licht basieren auf 20 bis 30 Jahre alten Standards. Auf Level-2-Fahrassistenzsysteme und moderne Matrixscheinwerfer sind die Prüfsysteme nicht vorbereitet - ebenso wenig die Vorgaben für die HU, die dringend überarbeitet werden müssen. Fehlerhafte Kalibrierungen von Kameras sind beispielsweise ein großes Problem: In einer Studie wurden 25 Prozent der Werkstatt-Kalibrierungen als fehlerhaft bewertet. Wir entwickeln daher zusammen mit dSPACE Prüfstände, die eine präzise Funktionsprüfung der ADAS-Systeme ermöglichen. Die ersten Prüforganisationen haben jetzt daher diese Prüfsysteme geordert, um damit zu arbeiten.
- Ausgabe 1-2/2026 Seite 024 (287.7 KB, PDF)