Der Aufbau einer europäischen Zellproduktion macht die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen zu einem wichtigen Faktor für die Automobilindustrie. Parallel zur steigenden Nachfrage nach Lithium, Nickel, Kupfer und Kobalt in den kommenden Jahren werden sogenannte Sekundärrohstoffe an Bedeutung gewinnen. Industrielles Batterierecycling rückt damit in den Fokus und entwickelt sich vom nachgelagerten Entsorgungsprozess zu einer Schlüsseltechnologie für Versorgungssicherheit und nachhaltige Wertschöpfung.
"Lithium-Ionen-Batterien enthalten wertvolle Metalle", sagt Reiner Sojka, Geschäftsführer der Accurec Recycling GmbH mit Hauptsitz Krefeld. "Diese Rohstoffe sind unverzichtbar für moderne Hochleistungsbatterien, ihre Primärgewinnung ist jedoch energie- und ressourcenintensiv und häufig mit erheblichen ökologischen sowie sozialen Herausforderungen verbunden." Hinzu kommen geopolitische Risiken, da Förderung und Verarbeitung vieler Batterierohstoffe auf wenige Regionen konzentriert sind.
"Lithium bleibt auf absehbare Zeit der unverzichtbare Ladungsträger kommerziell verfügbarer hochenergetischer Lithium-Ionen-Batterien", so Sojka. "Alternative Zellchemien wie Natrium-Ionen-Batterien gewinnen zwar an Bedeutung, erreichen aber nicht die Energiedichten moderner Lithium-Ionen-Systeme, da Natrium 3,3-mal schwerer ist als Lithium." Die Gewinnung von Lithium erfolgt jedoch überwiegend aus Salaren in Südamerika (Salar de Atacama ist die größte Salzfläche Chiles) oder aus Hartgestein (sogenannten Spodumen) insbesondere in Australien ("Western Australia"). Beide Verfahren beanspruchen erhebliche Ressourcen, sei es durch hohen Wasserverbrauch oder einen energieintensiven Bergbau.
"Batterierecycling entwickelt sich von einer Entsorgungsaufgabe zu einer Schlüsseltechnologie." Julia Kinigadner, TU München
Nickel gewinnt vor allem in modernen Hochenergie-Kathoden an Bedeutung. "Ein steigender Nickelanteil erhöht die Energiedichte und ermöglicht größere Fahrzeugreichweiten, während gleichzeitig der Kobaltbedarf reduziert wird", sagt Sojka. Der Abbau, insbesondere aus Lateritlagerstätten in Südostasien, ist jedoch häufig mit erheblichen Eingriffen in Ökosysteme und einem hohen Energiebedarf der Aufbereitung verbunden. "Nickel gibt es zwar reichlich, aber nicht in der hohen Reinheit, die man für Batterievormaterialien braucht", so Sojka.
Mangan erhöht insbesondere bei nickelreichen Kathodenmaterialien die Hochstromfähigkeit, verbessert die Zyklenfestigkeit und trägt zu einer längeren Lebensdauer der Zellen bei. Kobalt erhöht die Energiedichte. Sojka: "Moderne Zellchemien reduzieren den Kobaltanteil zwar kontinuierlich, verzichten jedoch bislang nicht vollständig darauf. Trotz sinkender Materialanteile gilt der Rohstoff daher weiterhin als kritisch, da ein erheblicher Teil der weltweiten Förderung aus der Demokratischen Republik Kongo stammt." Fragen der Versorgungssicherheit sowie Umwelt- und Sozialstandards prägen deshalb seit Jahren die Diskussion.
- Ausgabe 9/2026 Seite 020 (387.0 KB, PDF)
""Ziel ist es, wertvolle Metalle mit hoher Quote und Reinheit zurückzugewinnen.""
Reiner Sojka, Accurec Recycling GmbH
Mehr als Entsorgung
Entscheidend ist also, Rohstoffe möglichst dauerhaft im Wirtschaftskreislauf zu halten. "Batterierecycling entwickelt sich damit von einer klassischen Entsorgungsaufgabe zu einer Schlüsseltechnologie der industriellen Kreislaufwirtschaft", weiß Julia Kinigadner, Leiterin der Forschungsgruppe "Integrierte Mobilitätskonzepte" an der TU München. "Die Vorteile reichen weit über den Umweltschutz hinaus." So reduziert die Rückgewinnung von Batterierohstoffen den Bedarf an Primärrohstoffen und verringert den Energieeinsatz gegenüber deren Gewinnung aus Bergbau. Gleichzeitig stärkt sie die Versorgungssicherheit der europäischen Industrie, reduziert Importabhängigkeiten und schafft zusätzliche Wertschöpfung innerhalb Europas. Für Fahrzeughersteller, Zellproduzenten und Materiallieferanten gewinnt Recycling damit zunehmend strategisch-marktwirtschaftliche Bedeutung.
Zusätzliche Dynamik erhält der Markt durch regulatorische Vorgaben. "Mit der europäischen Batterieverordnung werden erstmals Anforderungen über den gesamten Lebenszyklus einer Batterie definiert", sagt Sojka. "Dazu gehören verbindliche Sammel- und Recyclingziele, Mindestrückgewinnungsquoten für wichtige Rohstoffe sowie schrittweise steigende Mindestanteile recycelter Materialien in neuen Batterien." Für die Branche bedeutet dies, Recyclingkapazitäten frühzeitig aufzubauen und industrielle Prozesse zu etablieren.
Zu den Unternehmen, die diesen Wandel gerade vollziehen, gehört die Accurec Recycling GmbH. Das Unternehmen zählt zu den etablierten Anbietern des industriellen Batterierecyclings in Europa und verarbeitet Lithium-Ionen-Batterien sowie weitere Batteriesysteme im industriellen Maßstab. Aufbauend auf langjährige Betriebserfahrung baut das Unternehmen seine Kapazitäten kontinuierlich aus.