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Interview: Auf der Höhe der Zeit


Datum:
17.03.2016
Autor:
Patrick Neumann,Valeska Gehrke
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asp: Im September findet die Automechanika statt - wie hoffnungsfroh gehen Sie in das Jahr?

H. Hahn: Wenn ich mir die Themen ansehe, gibt es einige Bereiche, in denen der Gesetzgeber Einfluss genommen hat: ob Bremsen- oder Scheinwerfereinstellrichtlinie, AU-Leitfaden 5 oder im Bereich Klimaservice. In diesen Segmenten wird in den nächsten Jahren Wachstum vorhanden sein.

asp: Welche Themen werden für Werkstattunternehmer in Frankfurt von besonderem Interesse sein?

H. Hahn: Ich gehe davon aus, dass beispielsweise im Bereich "Service Klima" Diskussionen entstehen werden - denn es gibt ja auch noch CO2 als Kältemittel, wenn auch nur von einem Fahrzeughersteller. Auch die Bremsenrichtlinie zieht bestimmte Änderungen nach sich, wodurch Substitutionsbedarf entsteht.

Das Thema autonomes Fahren - da wird es im Bereich Einstellgeräte für Fahrerassistenzsysteme sicherlich Bedarf an Equipment zum Einstellen dieser Systeme geben. Aber die Fahrerassistenzsysteme werden auch immer intelligenter und vernetzter, so dass die Werkstatt - das ist unsere Einschätzung - in Zukunft viel weniger einstellen muss. Sicherlich werden die Mitarbeiter eine Grundeinstellung oder Aktivierung vornehmen müssen. Aber da Kamera-, Radar- und andere Systeme kombiniert und vernetzt sind, werden sie sich mehr oder weniger selbst justieren oder einstellen.

asp: Durch die gesetzlichen Vorgaben kommen beachtliche Investitionen auf die Werkstatt zu.

H. Hahn: Ich mache es beispielhaft am Thema "Service Klima" fest. Hat man vorher ein Klimaservicegerät benötigt, braucht man heute mindestens zwei, um den Markt halbwegs abzudecken. Und wenn das Thema CO2 um sich greifen sollte, dann brauchen die Werkstätten drei.

asp: Markenbetriebe haben hier Vorteile, was den finanziellen Spielraum anbelangt ...

H. Hahn: Ob Markenbetrieb oder freie Werkstatt, beide müssen investieren, je nachdem, welchen Service sie für welche Fahrzeuge anbieten wollen. Früher hieß es, die freie Werkstatt verschwindet, nur die Markenwerkstatt hat eine Zukunft. Aber was ist passiert? Der aktuelle DAT-Report zeigt: Die freien Werkstätten haben bei den Verschleißreparaturen zugelegt - in einem rückläufigen Markt. Interessant: In das Segment freie Werkstätten kommen nach meiner Einschätzung derzeit auch relativ hoch qualifizierte ehemalige Markenwerkstätten.

asp: Es geht also um Professionalität ...

H. Hahn: Genau, um die Qualifikation: Auf was hat sich der Betrieb spezialisiert oder fokussiert. Ob frei oder markengebunden, ist nicht die Frage. Ist der Betrieb am Zahn der Zeit, hat er sich auf die Themen, die zu bewältigen sind, gut eingestellt? Wenn ja, hat er, ob markengebunden oder frei, eine Chance und ist gut aufgestellt.

asp: Welche Investitionen, Sie haben einige Vorgaben des Gesetzgebers angesprochen, dürfen Werkstätten nicht auf die lange Bank schieben?

H. Hahn: In der Regel sind ja heute keine harten Termine mehr dahinter. Die Übergangsfristen sind relativ moderat. Wichtig ist, dass man zum richtigen Zeitpunkt in das Richtige investiert. Diese Investitionen versuchen einige hinauszuschieben, so lange es geht. Zum Beispiel bei Scheinwerfereinstellplätzen, die Investition ist ja nicht gerade unerheblich. Die Anforderungen - nicht an das Gerät selbst, sondern an die baulichen Maßnahmen - sind teilweise nur mit immensen Aufwänden umsetzbar.

Im Bereich Abgasmesstechnik hingegen haben letztes Jahr schon erstaunlich viele investiert. Wir beobachten immer, dass zum gesetzgeberischen Zeitpunkt die markengebundenen Werkstätten und die Prüforganisationen oder Prüfstellen die ersten sind, die investieren. Der freie Markt kommt mit einem halben Jahr oder Jahr Verzögerung nach. Daher gehe ich davon aus, dass dieses Jahr noch Auswirkungen vom AU-Leitfaden 5 in positiver Richtung zu spüren sind. Natürlich nicht mehr im gleichen Niveau wie letztes Jahr. Von 2014 auf 2015 hatten sich die Stückzahlen mehr als verdoppelt. Davon gehen wir nicht mehr aus, aber schon von einer signifikanten Steigerung im Vergleich zu einem normalen Jahr.

asp: Es gibt viele Wachstumsfelder. Was hat sich der ASA-Verband selbst für nächstes Jahr vorgenommen?

H. Hahn: Themen gibt es viele, die uns als Verband bewegen, etwa die Gesetzgebung im Sinne unserer Mitglieder mitzugestalten. Denn es geht nicht nur darum, Geräte zu verkaufen, sondern auch darum, sinnvoll periodische Überwachungen oder Reparaturen durchzuführen. Aktuell sehe ich viele Themen mit einem gewissen Bedrohungspotenzial, wie die Diagnose oder den eCall. Da gibt es Tendenzen, dass bestimmte Märkte oder bestimmte Marktteilnehmer ausgegrenzt werden oder ausgegrenzt werden können. An das Fahrzeug oder an Fahrzeug-Daten zu kommen, wird immer schwieriger. Und eCall ist ja nur ein Vehikel, gut gemeint vom Verordnungsgeber, aber über so eine Schnittstelle im Auto ist viel mehr machbar, Service, Diagnose, alles Mögliche. Als Verband setzen wir uns dafür ein, dass bestimmte Reparaturmärkte und Herstellermärkte nicht ausgeschlossen werden. Wir haben uns auch auf die Fahne geschrieben, mit den anderen großen Verbänden intensiver zusammenzuarbeiten.

Einmal mit der EGEA, als europäischem Dachverband, aber auch mit dem italienischen Verband AICA oder dem französischen GIEG. Die Interessen sind doch ähnlich. Da muss man das Rad nicht immer neu erfinden, sondern kann viele Dinge abstimmen. Das Gleiche mit Verbänden wie ZDK oder GVA. Da hatten wir letztes Jahr schon ein Branchengespräch, das werden wir dieses Jahr wieder durchführen.

asp: Als Interimspräsident haben Sie also im Übergangsjahr viele Themen vorangebracht?

H. Hahn: Ich gehe davon aus, dass es keinen Schwenk oder Bruch von einer Richtung in die andere geben wird. Wir sind ein stabiler Verband. Im letzten Jahr haben wir unser 100. Mitglied erreicht, das war positiv. Das 100. Mitglied war übrigens Christiani. Da kann man sich schon fragen, was hat Christiani mit Werkstattausrüstung zu tun? Christiani hat zwar auch Kfz-Aktivitäten und macht Lehrtafeln für die Aus- und Weiterbildung. Ein wichtiges Thema. Auch wir müssen schauen, wem wir uns in Zukunft mehr und mehr öffnen.

asp: Im Mai steht die Wahl des neuen ASA-Präsidenten an. Was ist da zu erwarten?

H. Hahn: Wir haben einen Kandidaten. Im Vorfeld hatten wir mehrere gefragt, das Amt bringt ja auch einen beachtlichen zeitlichen Aufwand mit sich. Aber ich gehe davon aus, dass wir ab Mai einen offiziellen neuen Präsidenten haben werden.

asp: Herr Hahn, wir sind gespannt und vielen Dank für das interessante Gespräch!

Interview: Patrick Neumann, Valeska Gehrke

Kurzfassung

Harald Hahn, Vizepräsident des ASA-Verbands, spricht im Interview über die Zukunft der Werkstatt. Ob markengebunden oder frei - wer aktuellen Anforderungen mit Qualifikation begegnet, ist gut aufgestellt. Auch der ASA-Verband stellt die Weichen für die Zukunft und wählt im Mai einen neuen Präsidenten.

Wachstumsfelder

KlimaserviceDie EU-Richtlinie 2006/40/EG verbietet den Einsatz des Kältemittels R-134a in Neufahrzeugen ab 2017. Viele Automobilhersteller setzen auf R-1234yf. Neue Klimaservicegeräte werden notwendig.ScheinwerferDie Umsetzung der HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie bis Ende 2016 stellt hinsichtlich der baulichen Maßnahmen besondere Herausforderungen an die Werkstatt.BremsenDie HU-Bremsenrichtlinie führt nach und nach zum Austausch veralteter Bremsprüfstände.AbgasmesstechnikDer AU-Leitfaden 5, seit 1. Juni 2015 in Kraft, wird sich auch 2016 noch positiv auswirken.

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