Batteriereparaturen und Arbeiten an Hochvolt-Komponenten stellen viele freie Kfz-Betriebe vor Herausforderungen. Die Werkstattkette ATU setzt auf spezialisierte Elektromobilitäts-Kompetenzzentren, um Arbeiten an Stromern durchzuführen, die über die regulären Servicearbeiten hinausgehen. Derzeit bereits betreiben die Oberpfälzer deutschlandweit acht voll ausgestattete E-Kompetenzzentren. Bis Ende 2028 soll das Netz auf insgesamt 30 Kompetenzzentren wachsen. Die asp-Redaktion hat das Kompetenzzentrum in Weiden in der Oberpfalz besucht, das gleichzeitig auch die Unternehmenszentrale ist.
Hochvolt-Kompetenz am Standort
Im Unterschied zu einer regulären ATU-Filiale verfügen die Elektroauto-Kompetenzzentren über eine zusätzliche technische Ausstattung und speziell qualifizierte Mitarbeiter. "90 Prozent aller üblichen Wartungs- und Servicearbeiten an E-Fahrzeugen können aber bereits heute in allen ATU-Filialen durchgeführt werden", sagt Pierre Bailleux, Head of Service Offer bei ATU. In einem E-Mobilitäts-Kompetenzzentrum sind jedoch immer Mitarbeiter mit einer Hochvolt-Qualifikation der Stufe 2S vorhanden. Darüber hinaus sind die Standorte mit speziellen Geräten für die Wartung von Batteriekühlkreisläufen, CO2-Klimaanlagen, Hochvolt-Prüfungen und Softwarearbeiten ausgestattet. Laut Pierre Bailleux sind Elektrofahrzeuge zwar in vielen Bereichen wartungsärmer als Verbrenner. Gleichzeitig steigen die Anforderungen in den Bereichen Software, Hochvolttechnik, Batteriediagnose und digitale Vernetzung.
Asiatische Marken im Kommen
Repariert werden können in den Kompetenzzentren Elektro- und Hybridautos sämtlicher Marken, seit 2025 ist ATU zudem Servicepartner für die Marke VinFast. Neun ausgewählte ATU-Standorte übernehmen seitdem Servicearbeiten für die Fahrzeuge des vietnamesischen Herstellers. Anders als etablierte Hersteller verfügt VinFast in Deutschland über kein flächendeckendes Servicenetz. Deshalb übernimmt ATU Aufgaben, die sonst meist beim Hersteller selbst liegen würden. Dazu gehören unter anderem Software-Updates, Garantiearbeiten, Hochvolt-Diagnosen sowie Arbeiten am elektrischen Antriebsstrang. "Für ATU ist das eine sehr gute Möglichkeit, schnell zu lernen", sagt Pierre Bailleux, denn die Zusammenarbeit mit VinFast verschaffe der Werkstattkette Einblicke in Bereiche, die weit über klassische Wartungsarbeiten hinausgehen. "Die größte Herausforderung sind momentan Daten und Wartungspläne", sagt Bailleux. Oft fehlen noch freie Reparaturinformationen oder standardisierte Wartungsvorgaben. In solchen Fällen recherchiert ATU selbst in den Herstellerportalen.
Hinzu kommt die Ersatzteilversorgung. Während Verschleißteile etablierter Hersteller üblicherweise kurzfristig verfügbar sind, benötigen bestimmte Komponenten asiatischer Marken deutlich längere Beschaffungszeiten. Im Flottengeschäft sei dies jedoch inzwischen eingespielt und werde bereits bei der Fahrzeugbeschaffung berücksichtigt. Obwohl VinFast derzeit nur eine vergleichsweise kleine Fahrzeugbasis in Deutschland besitzt, sieht ATU darin strategischen Nutzen. Vor allem die intensive Beschäftigung mit Hochvolttechnik, Batterien und Herstellersystemen mache die Kooperation für die Werkstattkette interessant.
Software-Update als Service
Ein großer Teil der Arbeit an Elektroautos besteht aus Updates und Programmierung. Damit die Updates zuverlässig funktionieren, hat ATU in Glasfaseranschlüsse und leistungsfähige IT-Infrastruktur an den Kompetenzstandorten investiert. Zu Beginn hätten einzelne Updates sogar bis zu zwei Tage beansprucht. Mittlerweile seien drei bis vier Updates pro Tag möglich. Besonders aufwendig ist dabei die Individualisierung der Updates. Jede Fahrzeugsoftware wird über die Fahrgestellnummer individuell freigegeben und direkt vom Hersteller-Server geladen.
Ein weiteres Geschäftsfeld sieht ATU in der Messung des Gesundheitszustandes der Batterie. In den Kompetenzzentren werden State-of-Health-Tests (SoH) angeboten, die den Gesundheitszustand der Hochvoltbatterie dokumentieren. Die Zertifikate werden insbesondere von Leasinggesellschaften und Flottenbetreibern nachgefragt. "Wir haben große Leasinggesellschaften, die uns zur Messung beauftragen. Da kommen dann Tausende Fahrzeuge gleichzeitig in den Gebrauchtwagenmarkt zurück", berichtet Bailleux. Für den Zweitmarkt werde der dokumentierte Batteriezustand zunehmend zum wichtigen Verkaufsargument. Zusätzlich bietet ATU auch die UVV-Messung von Ladekabeln nach DGUV-Vorschrift an.
In Batteriereparaturen sieht Bailleux auf absehbare Zeit jedoch keine Zukunft für ATU: "Die Batterie steht oft im Mittelpunkt der Diskussion, aber wir sind nicht überzeugt, dass die Batteriereparatur mittelfristig ein großes Geschäftsfeld wird." Nach Erfahrung von ATU seien moderne Hochvoltbatterien sehr zuverlässig und die Ausfallquoten vergleichsweise niedrig.
- Ausgabe 9/2026 Seite 014 (786.7 KB, PDF)
Pierre Bailleux, Head of Service Offer bei ATU:
asp: Herr Bailleux, ATU arbeitet mit dem vietnamesischen Hersteller VinFast zusammen. Wie kam die Kooperation zustande?
P. Bailleux: VinFast hat nach einem Partner mit einer möglichst flächendeckenden Werkstattabdeckung gesucht. Genau das können wir bieten. Gemeinsam mit Norauto verfügen wir innerhalb der Mobivia-Gruppe über eines der größten Werkstattnetze Europas.
asp: Wie läuft die Zusammenarbeit mit VinFast im Werkstattalltag?
P. Bailleux: Wir übernehmen Service- und Wartungsarbeiten, profitieren aber gleichzeitig von den Erfahrungen mit neuen Fahrzeugtechnologien. Für uns bedeutet das auch eine Weiterentwicklung der eigenen Organisation.
asp: Wie akzeptieren die Kunden neue asiatische Marken?
P. Bailleux: Das Vertrauen wächst. Viele Kunden beobachten die Entwicklung zunächst noch vorsichtig, insbesondere Privatkäufer. Bei Leasingfahrzeugen ist die Hemmschwelle deutlich geringer. Entscheidend bleibt jedoch das Thema Service. Wenn die Kunden wissen, dass Wartung und Reparaturen gesichert sind, steigt die Akzeptanz erheblich.