Gerade asiatische Hersteller verfolgen zunehmend Direktvertriebsmodelle und verzichten auf den Aufbau eigener, klassischer Händlernetze. Gleichzeitig bleibt ein flächendeckender Aftersales wesentliche Voraussetzung für Kundenzufriedenheit, Markenvertrauen und langfristigen Markterfolg. Daher gewinnen spezialisierte Servicenetzwerke als strategische Partner erheblich an Bedeutung.
Während manche der neuen Marktteilnehmer Anschluss an bestehende Händlernetze suchen, gehen einige den Weg über den freien Werkstattmarkt. Der chinesische Hersteller BYD erzielte im Mai 2026 einen Marktanteil von 2,1 Prozent, vergleichbar mit Fiat oder Toyota. Kürzlich konnte man den 200. Partner in Deutschland begrüßen. Gleichzeitig forciert BYD die Marktbearbeitung mit seiner Premiummarke Denza und hat erste eigene Vertriebsstandorte in Hamburg, Köln und Frankfurt eröffnet.
Zwei Wege, ein Ziel
Mit Changan ist eine weitere neue Marke in Deutschland aktiv und plant beim Servicenetz zweigleisig. "Beim Service setzen wir in Deutschland auf die Kompetenz unserer Händler und Werkstätten der Händler vor Ort. Das gewährleistet kundennahe, qualitativ hochwertige und schnelle Wartungs- und Reparaturarbeiten. Um unsere Aftersales-Flächendeckung in Zukunft noch weiter zu stärken, planen wir mittelfristig darüber hinaus die Zusammenarbeit mit einer bundesweit tätigen Werkstattkette", berichtet Ulrica Griffiths, PR-Managerin für Europa. Für die schnelle und zuverlässige Teileversorgung hat Changan mit dem Logistikspezialisten Kühne + Nagel in Europa drei Logistikzentren in England, Spanien und in den Niederlanden aufgebaut.
Für Deutschland steht das europäische Ersatzteilzentrum in Helmond in den Niederlanden zur Verfügung. "Je nach Dringlichkeit können wir innerhalb 24 bis 48 Stunden liefern", so Griffiths. Auch die Versorgung mit technischen Daten soll sichergestellt sein. Drei integrierte Systeme versorgen die Vertragspartner mit fahrzeugindividuellen Daten und technischen Spezifikationen über die VIN, stellen sämtliche Teiledaten zur Verfügung, wickeln die Reparaturaufträge ab und informieren über Rückrufaktionen.
Alles aus einer Hand
Mit einem umfassenden Full-Service-Konzept übernimmt die Global Automotive Service GmbH (G.A.S.) den kompletten Aftersales-Bereich für den chinesischen Elektrofahrzeughersteller Zeekr in Deutschland. Zum Leistungsumfang gehören Inspektionen, Wartung, Reparaturen, Reifenservice, Karosserie- und Lackarbeiten, Ersatzteilmanagement sowie die technische Aus- und Weiterbildung der angeschlossenen Partnerbetriebe. Dies geschieht über die G.A.S.-Akademie, in der Werkstätten gezielt für die Anforderungen der Zeekr-Modelle qualifiziert werden. Die Trainer wurden bereits direkt durch Zeekr ausgebildet und geben ihr Wissen in mehrtägigen Schulungen an die Servicepartner weiter.
Das soll bundesweit ein einheitliches Serviceniveau sicherstellen, welches auch durch die IT-Plattform G.A.S. Online unterstützt wird. Sämtliche Serviceaufträge werden digital gesteuert, dokumentiert und den angeschlossenen Werkstätten zugewiesen. "Dadurch entsteht eine durchgängige Transparenz über sämtliche Reparatur- und Wartungsprozesse bis zur letzten Schraube", so Brodhage. "Insbesondere im Garantie- und Gewährleistungsmanagement entsteht dadurch ein erheblicher Effizienzgewinn, da alle Prozessschritte zentral nachvollzogen werden können."
Eine weitere Besonderheit: Ausgewählte G.A.S.-Standorte fungieren zugleich als Probefahrtzentren. "Damit verschiebt sich die Rolle der freien Werkstatt deutlich. Sie wird nicht mehr nur als Reparaturdienstleister wahrgenommen, sondern übernimmt eine aktive Funktion innerhalb der Customer Journey und trägt zur Markenwahrnehmung bei", so Geschäftsführer Andreas Brodhage. Aktuell sind rund 100 Betriebe in das Zeekr-Netz integriert, über den weiteren Netzausbau ist man mit Zeekr im Gespräch.
Netzausbau ist entscheidend
ATU baut sein Flotten- und Servicegeschäft weiter aus und arbeitet dabei auch mit neuen Fahrzeugherstellern wie VinFast zusammen. Mit dem Markteintritt in Europa suchte das vietnamesische Unternehmen nach einem geeigneten Servicepartner. Mit ATU fand man einen Partner in Deutschland, der mit 524 Filialen eine nahezu flächendeckende Abdeckung bietet. ATU gehört seit Ende 2016 zum französischen Mobivia-Konzern, der als unabhängiger Anbieter von Kfz-Wartungs- und Reparaturdienstleistungen eines der größten Werkstattnetze in Europa betreibt. "Für viele neue Hersteller ist das ein entscheidender Faktor, weil sie selbst keine eigenen Werkstattstrukturen aufbauen möchten", so Pierre Bailleux, Head of Service bei ATU Flottenlösungen. Für ihn waren von Beginn an zwei Punkte besonders wichtig: der Zugang zu den Fahrzeugdaten und eine zuverlässige Ersatzteilversorgung.
- Ausgabe 7/2026 Seite 022 (808.0 KB, PDF)