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Connected Car: Das Geschäft mit Fahrzeugdaten

Die Daten, die ein modernes Auto sammelt, lassen sich für neue Geschäftsmodelle nutzen.
© Foto: Adobe Stock/Mimi Potter

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) ist an dem Software-Unternehmen High Mobility beteiligt. Das Berliner Start-up sammelt Live-Daten aus Autos und kann sie den Kunden zur Verfügung stellen.


Datum:
05.07.2022
Autor:
Alexander Junk
Lesezeit: 
5 min
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Kurzfassung

Mit dem Datenschatz moderner Autos lassen sich neue Geschäftsmodelle für Versicherer, Flottenbetreiber und auch Werkstätten realisieren. Die DAT hat sich deshalb am Berliner Start-up High Mobility beteiligt.

Daten sind das neue Gold - so abgedroschen der Spruch auch klingen mag, so sehr ist er im Zeitalter der vernetzten Autos, der Connected Cars, Realität. Thilo Wagner, einer der Geschäftsführer der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT), bringt es auf den Punkt: Moderne Fahrzeuge produzieren pro Tag rund 25 Gigabyte an Daten, die an den Autohersteller gesendet werden. Darunter beispielsweise Kilometerstand, Batteriestand, Zündung oder Fahrzeugstandort.

Tesla als Sonderfall

Hier ruht ein großer Datenschatz, denn diese Informationen sind Gold wert für Versicherer, Flottenbetreiber und auch Werkstätten. Das Problem: Nur ein Bruchteil dieser Daten ist für Drittanwender verfügbar, denn die Autohersteller schalten sie nicht frei. Und sie müssen es auch nicht, denn bislang gibt es noch keine gesetzliche Vorgabe, die Hersteller dazu zwingen würde, Daten herausgeben. Die DAT ist deshalb bereits seit 2020 Gesellschafter des Berliner Start-up High Mobility. Das international tätige Unternehmen, das von zwei Estländern gegründet wurde, hat sich darauf spezialisiert, Daten aus den Autos zu sammeln und über eine Schnittstelle den Kunden gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen. Das können sowohl private Nutzer als auch Geschäftskunden wie Flottenbetreiber, Versicherer oder Werkstätten sein.

Mit 14 Autoherstellern wurden bereits Vereinbarungen getroffen, die Daten extrahieren zu dürfen. Dazu zählen BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Audi und zahlreiche Stellantis-Marken. VW soll bald dazukommen. Lediglich Tesla sperrt sich momentan noch. Bis zu 385 Datenpunkte lassen sich dabei schon - je nach Hersteller - auslesen. Fahrzeughersteller Stellantis gibt beispielsweise 200 Datenpunkte frei, Mercedes-Benz rund 80. Das System ist aber schon fit, bis zu 600 Datenpunkte abrufen zu können.

Verschiedene Anwender

Laut Katharina Roecker, Manager of Strategic Projects and Customer Development bei High Mobility, ist das Besondere an der Lösung, dass für das Abgreifen der Daten kein Dongle notwendig ist, wie es bei anderen Anbietern der Fall ist. Die Autos senden die Daten direkt an den Hersteller, dann gibt dieser sie an High Mobility weiter, damit sie in ein einheitliches Format gewandelt und eigenen Kunden zur Verfügung gestellt werden können. Sollte der geplante europäische Data Act den Zugang zu Fahrzeugdaten in Zukunft komplett freigeben, könnte High Mobility die Informationen auch direkt aus dem Infotainment-System des Autos abrufen. Roecker betont jedoch, dass High Mobility sich nicht als Software-Anbieter, sondern lediglich als Datenlieferant sieht. Die Daten müssen dann vom Kunden selbst ausgewertet werden. Flottenbetreiber können die Daten beispielsweise in ihre eigenen Management-Tools einpflegen.

Yannick-Niklas Lober, Head of Business Development bei High Mobility, nennt verschiedene Kunden, die bereits die Dienste von High Mobility in Anspruch nehmen. Darunter der Anbieter AutoLogg Connected, der über die Angabe des Kilometerstands, der Position und Informationen zur Zündung ein elektronisches Fahrtenbuch für Fahrzeuge von BMW und Stellantis erstellen kann. Die schwedische Versicherung Paydrive nutzt die Kilometerstandsangabe wiederum, um den Tarif entsprechend der Kilometerleistung des Nutzers anzupassen. Zukünftig wäre es möglich, das mit der Fahrweise des Nutzers zu verknüpfen. ViveLaCar, das Abo für Mercedes-Benz-Fahrzeuge, kann mit Daten von High Mobility zusätzliche Kilometer abrechnen oder erkennen, ob sich das Fahrzeug noch im erlaubten Fahrbereich befindet ("Geofencing"). Sobald das Fahrzeug Deutschland verlässt, wird ViveLaCar alarmiert, was bei Diebstählen hilfreich ist. Für Werkstätten bieten sich die Daten über den Gesundheitszustand des Fahrzeugs an: Wie viele Tage sind es noch bis zum Service, gibt es einen Reparaturbedarf oder gar einen Unfall mit dem Fahrzeug?

Dynamische Daten gefragt

Die DAT als größter Gesellschafter von High Mobility (neben einer Berliner Bank und einer nicht näher genannten Familienstiftung) sieht für sich selbst ebenfalls einen Anwendungsfall: Denn die Daten für die Erstellung des jährlichen DAT-Reports und der Kalkulations-Software SilverDAT sind im Regelfall statische Daten, die nur zyklisch aktualisiert werden. Dynamische Daten aus den Autos sind aber dann interessant, wenn beispielsweise Funktionen "on demand" im Auto hinzugeschaltet werden und sich dadurch die Fahrzeugeigenschaften verändern. Hier können die Telematikdaten von High Mobility hilfreich sein. Zukünftig plant die DAT wahrscheinlich deshalb sogar die komplette Übernahme des Unternehmens.

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