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Datum:
18.02.2008

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Motorölanalyse

Die bei Nutzfahrzeugen und Baumaschinen zur Bestimmung des optimalen Ölwechselzeitpunkts oft genutzte Motorölanalyse bietet auch im Pkw-Bereich manche Vorteile. Stichwort Gewährleistung beim Handel mit Gebrauchtwagen.

Bei 99 von 100 Autos geht alles gut. Im 100. gehandelten Gebrauchten tickt eine Zeitbombe in Form eines kapitalen Motorschadens. Dabei wäre das Schadensereignis bereits im Vorfeld er-kennbar gewesen – für wenig Geld und, wenn es sein muss, innerhalb von einigen Stunden. Mit einer Motorölanalyse.

Kaltes Grausen bei Chiptuning

Noch immer zu aufwändig? Braucht man nicht? Irrtum. Allein beim Gedanken an die zahlreichen chipgetunten Diesel-Pkw, die irgendwann auch als Gebrauchtwagen gehandelt werden, kann Werkstätten mit Handel und Autohäusern mit Gebrauchtwagen-Affinität das kalte Grausen überkommen. Kein Problem, wenn der Chip vom namhaften Tuner stammt. Aber wer weiß schon, dass der soeben in Zahlung genommene Mercedes-Benz C220 CDI oder der schon ein paar Tage stehende VW Golf 1.9 TDI mit unseriösem Chiptuning versehen waren, das kurz vor dem Verkauf zurückgebaut wurde und somit weitgehend unsichtbar ist? Unseriöses, weil übertriebenes Chiptuning hinterlässt im Motor (Verschleiß-)Spuren, die sich mittels Motorölanalyse "lesen" lassen. Man muss es nur wissen und nutzen.

Auch die von asp befragten Schmierstoffanbieter zeigten sich zurückhaltend, verwiesen auf die intensive Nutzung ihres Service durch Kunden aus den Bereichen Nutzfahrzeuge, Bau und Landwirtschaft. "Unsere Dienstleistung wird in Autohäusern eher selten eingesetzt. Im Nutzfahrzeug-, Bau- und Agri-Bereich allerdings ca. 150.000 Mal p. a. in Europa", beantwortete die Total Deutschland GmbH, Vertriebsdirektion Schmierstoffe, Düsseldorf, die Anfrage von asp.

Ab welcher Verweildauer des Öls im Motor ist eine zuverlässige Aussage mög-lich? "Kommt auf die zu beantwortenden Fragen an", lautet die Antwort der Fuchs Europe Schmierstoffe GmbH aus Mannheim, "in der Regel 50 Prozent des nor-malen Wechselintervalls." Eine wichtige Ergänzung kommt von der Shell Deutschland Schmierstoffe GmbH, Hamburg:

Einige Punkte sind zu beachten

"Für eine zuverlässige Aussage ist nicht nur die Verweildauer, sondern auch die Fahrweise, der Zustand des Motors – vor allem in Hinblick auf Verschmutzung, Ablagerungen und Alter – und die Qualität des Öls relevant. Nach kurzer Verweildauer und wenig Fahrleistung kann eine Öluntersuchung schon ein schlechteres Ergebnis liefern, wenn die Probe aus einem alten Motor kommt und dieser mit einem hochwertigen Öl gefahren wurde, so dass die Ablagerungen aus dem Motor abgelöst und vom Öl mitgetragen werden." Für den Erfolg der Analyse wichtig sind somit auch die Angaben zu Schmiermittel und Fahrzeug: "Ölmarke und Viskosität, Laufzeit des Motors, Laufzeit des Öls, Nachfüllmenge, Datum der Musternahme, Unterscheidung nach Benziner oder Diesel", wie Shell ergänzt.

Grundsätze der Probenahme

Wie sollte die Motorölprobe entnommen werden? Die Antwort kommt vom unabhängigen Analyselabor Oelcheck, vormals Wearcheck, in Brannenburg nahe Rosenheim: "Wichtig ist es, eine für das System repräsentative Probe zu analysieren. Des-halb geben wir folgende Empfehlungen zur Probenentnahme: Ideal ist die Ent-nahme während des Betriebs oder kurz nach dem Stillstand, denn Verunreinigungen und Verschleißpartikel haben sich noch nicht abgesetzt. Bei normaler Be-triebstemperatur – warmes Öl lässt sich einfacher entnehmen. Für Trendanalysen immer nach der gleichen Methode und an der gleichen Stelle, nach Möglichkeit nicht aus dem Filter. Nur in ein sauberes und trockenes Gefäß. Wir stellen unseren Kunden deshalb ein spezielles Wearcheck-Probengefäß zur Verfügung."

Gibt es Ölzusätze (Additive, Reiniger etc.), die eine Analyse erschweren oder gar verhindern? "Jede Zugabe und Bei-mischung von Fremdprodukten verändert die Eigenschaften des Öls. Eine ganze Reihe von Aussagen wird in Bezug auf das eingesetzte Frischöl getroffen. Diese kann durch die Zugabe von Additiven zum Teil erheblich erschwert oder gar unmöglich gemacht werden", so Fuchs. Ergänzung von Oelcheck: "Ölzusätze und Reiniger können das Analyseergebnis je nach Zu-sammensetzung erheblich verfälschen. Eine detaillierte Aufzählung ist nicht sinn-voll, da es zu viele dieser Mittel gibt und um Manipulationen vorzubeugen."

Analysiert werden neben Verschleißmetallen u. a. Viskosität und Flammpunkt. Ein beachtlicher Aufwand, jedoch nur für das Analyselabor. Bei Bedarf erfolgt die Analyse in wenigen Stunden. Die Ergeb-nisse der Befragung sind in der Tabelle unten zusammengefasst. Peter Diehl

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