VW-Sitzhersteller: Sitech schließt Werk in Hannover

Sitech schließt sein Werk in Hannover.
© Foto: Sitech

Klar war: Es wird eng für den hannoverschen Sitech-Standort, falls es keine neuen Aufträge für Sitze aus dem VW-Konzern gibt. Jetzt ist die Entscheidung gefallen, das Werk geht leer aus - mit schweren Folgen.


Datum:
04.03.2020

NOCH KEINE Kommentare

jetzt mitdiskutieren



Der VW-Sitzhersteller Sitech macht wegen zweier geplatzter Großaufträge aus dem eigenen Konzern seinen Standort in Hannover dicht. Betroffen von der geplanten Schließung sind rund 450 Arbeitsplätze, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Zuvor hatte es Streit mit dem örtlichen Betriebsrat über Preise und Bedingungen der weiteren Zusammenarbeit gegeben. Auf etwaige betriebsbedingte Kündigungen soll nach Möglichkeit verzichtet werden. "Der Abbau wird durch zahlreiche sozialverträgliche Maßnahmen begleitet", betonte Sitech. Das Unternehmen gehört zum Komponenten-Bereich der Volkswagen-Gruppe und beliefert die Konzernmarken mit Sitztechnik.

Dabei muss sich der Hersteller - wie andere interne Zulieferer auch - gegen Angebote externer Wettbewerber behaupten. Im Fall des Werks Hannover waren zwei wichtige Ausschreibungen für den neuen Bus T7 und dessen künftige E-Version ID.Buzz bei den leichten Nutzfahrzeugen (VWN) verloren gegangen. Die von Sitech angebotenen Preise sollen nach Informationen aus Konzernkreisen deutlich zu hoch für eine wettbewerbsfähige Produktion gewesen sein. Ohne die erhofften Bestellungen wurde nach Darstellung des Unternehmens nun auch die Fertigung der Sitze für den derzeitigen VW-Bus T6.1 unrentabel.

Gewerkschaft und Betriebsrat suchen Alternativen für Mitarbeiter

Mit der IG Metall und dem Betriebsrat sollen daher in den kommenden Wochen Alternativen für die in Hannover beschäftigten Mitarbeiter gefunden werden. Weitere Sitech-Standorte in Emden und Wolfsburg sowie in Polen und China sind nicht von den Streichungen betroffen.

Nach Angaben der IG Metall soll ein osteuropäischer Standort des französischen Autozulieferers Faurecia den Zuschlag für die Sitze bekommen - dort sei das Angebot erheblich günstiger gewesen.

Die Gewerkschaft forderte VW auf, den Sitech-Mitarbeitern in Hannover neue Jobchancen zu geben. "Volkswagen ist nun in der Verantwortung, den Beschäftigen Perspektiven in räumlicher Nähe zu verschaffen", sagte der Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger. Man müsse prüfen, ob es bei VWN oder an anderen, nicht allzu weit entfernten Orten Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung gebe. In einer Stellungnahme betonte der Gesamtbetriebsrat: "Wir fordern die Verantwortlichen auf, auf die aktuelle Situation in Hannover angemessen zu reagieren und weiterhin nachhaltige Lösungen zu verfolgen. Ein Beispiel wäre: Bei VW in Sachsen sind solche Angebote bereits absehbar."

Auch die Politik hatte sich des Themas angenommen, nachdem eine Liste mit Tausenden Unterschriften zum Erhalt des Standorts an das Wirtschaftsministerium gegangen war. Der Grünen-Wirtschaftsexperte Detlev Schulz-Hendel sagte: "Wir erwarten, dass die Landesregierung sich für ein zukunftsorientiertes Unternehmenskonzept einsetzt." Bestellungen für den T6.1 seien bis 2024 zugesagt gewesen. Auch Bundestagsabgeordnete setzen sich für einen Erhalt des Werks ein.

Aus Konzernkreisen war zu hören, dass die Gespräche mit den Sitech-Belegschaftsvertretern in Hannover schwierig gewesen seien. Das Unternehmen betonte, der lokale Betriebsrat habe die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Ausstellung "bis zum Schluss nicht anerkannt. Somit konnte schließlich keine Vereinbarung zu dringend erforderlichen Produktivitätsmaßnahmen nach dem Vorbild der Volkswagen AG abgeschlossen werden." Ein sogenanntes Make-or-Buy-Komitee entscheidet bei VW, ob Aufträge für bestimmte Bauteilgruppen nach außen oder intern vergeben werden. (dpa)

HASHTAG


#Zulieferer

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.