Prognose: Aftersales-Geschäft im starken Sinkflug

Wegen Corona könnte der Aftersales-Umsatz in diesem Jahr weltweit um bis zu 15 Prozent schrumpfen.
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Bislang war das Geschäft mit Werkstattservices und Ersatzteilen selbst in schwierigen Zeiten ein Anker für die Autobranche. Doch Corona lässt auch diesen Bereich wegbrechen, wie eine Marktanalyse zeigt.


Datum:
04.05.2020
Lesezeit: 
3 min

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Das Kfz-Aftersales-Geschäft wird aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation härter getroffen als in früheren Krisen. Davon gehen die Unternehmensberater von Bain und Company in einer jetzt veröffentlichten Prognose aus. Wegen Corona soll der Umsatz mit Werkstattdienstleistungen und Ersatzteilen in diesem Jahr weltweit um bis zu 15 Prozent sinken – ohne China. Bis 2025 sollen die Geschäfte ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Autohersteller und ihre Servicebetriebe würden in den Folgejahren Umsatzeinbußen von rund 6,5 bis acht Prozent erleiden, hieß es.

"Im Gegensatz zum Neuwagenverkauf war Aftersales selbst in schwierigen Zeiten immer stabil und profitabel – und somit stets ein Anker für die Automobilbranche", sagte Bain-Partner Eric Zayer in München. "Die noch anhaltenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens werden auch in diesem Geschäftszweig zu größeren Verwerfungen führen."

Bain-Partner Marcus Hoffmann ergänzte: "Aufgrund von Homeoffice, Ausgangsbeschränkungen und nicht stattfindenden Urlaubsreisen wird sich im laufenden Jahr besonders stark der Rückgang der mit dem Pkw gefahrenen Kilometer auswirken. Servicebedarf und Unfallreparaturen sinken, weniger Verschleißteile werden ausgetauscht." Die Kaufkraftschwäche mindere zudem die Zahlungsfähigkeit vieler Autofahrer. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und ökonomischer Unsicherheit würden private Autobesitzer, aber auch Flottenmanager Wartungen aufschieben oder nach kostengünstigeren Lösungen suchen. Im wahrscheinlichsten Szenario werde 2020 der Neuwagenverkauf weltweit um bis zu 29 Prozent einbrechen, was zu einem geringeren Fahrzeugbestand führe.

Für die einzelnen Marktteilnehmer ergeben sich den Experten zufolge damit unterschiedliche Strategien: Die Autohersteller müssen sich kurzfristig auf die Wiedereröffnung nach dem Lockdown in den einzelnen Ländern vorbereiten. Mittelfristig sollten sie ihre Neuwagenkunden noch effektiver an ihr eigenes Aftersales-Geschäft binden. Darüber hinaus gilt es durch attraktive und gezielte Angebote auch Fahrer älterer Fahrzeuge wieder in ihre Werkstätten zu locken.

Unabhängige Anbieter können profitieren

Die Servicebetriebe müssen doppelt investieren: Es gilt, gezielt Bestandskunden anzusprechen und zu halten und gleichzeitig ehemalige Kunden zurückzugewinnen. Um das über Wochen aufgestaute Wartungsgeschäft abarbeiten zu können, werden temporär zusätzliche Schichten notwendig sein, für die pragmatische Lösungen – etwa mobile Hebebühnen – gefunden werden müssen. Die freien Werkstätten können jetzt die Chance nutzen, neue preissensible Kunden zu erobern und sie langfristig an sich zu binden. Das gelingt beispielsweise durch kostenlose saisonale Schnellchecks bei Fahrzeugen oder mithilfe von Festpreisangeboten. (rm)

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