Modellpflege Polestar 3: Das Pech der frühen Käufer

24.02.2026 07:55 Uhr | Lesezeit: 2 min
Polestar hebt den 3er für das Modelljahr 2026 technisch auf ein neues Niveau.
© Foto: Polestar

Software statt Facelift: Polestar hebt den 3er für das Modelljahr 2026 technisch auf ein neues Niveau. 800 Volt bringen schnelleres Laden und mehr Leistung. Für Bestandskunden gibt es einen wichtigen Hardware-Trost.

Software-Update, neues Infotainment oder eine andere Optik: Die meisten Autos bekommen nach drei, vier Jahren eine Modellpflege, die sie wieder fit für die zweite Lebenshälfte machen. Auch der Polestar 3 startet überarbeitet ins Modelljahr 2026. Doch hier geht das Upgrade sehr viel weiter. Die schwedische Marke wechselt bei dem 4,90 Meter großen SUV von einer herkömmlichen 400-Volt-Plattform auf eine mit 800-Volt-Technik. Und das schon knapp 1,5 Jahre nach Markteinführung. Dazu muss man wissen, dass der SUV eigentlich für 2022 geplant war, aber wegen Softwareproblemen erst ab Sommer 2024 ausgeliefert wurde.  

Kurios dabei: Das Upgrade wird nicht zu sehen sein. Laut Polestar soll sich die Optik weder innen noch außen ändern. Gleicher Look, gleiche Abmessungen, gleiche Ausstattung. Der Fortschritt steckt vielmehr vollständig in einer Technik, die dem Kunden spürbare Vorteile beim Stromzapfen bringt, da sie Ladeleistungen bis 350 kW ermöglicht sind und die Füllzeit des Akkus verkürzt. 

Tiefgreifender Hardwareeingriff

Mit ein wenig neuer Software lässt sich das nicht umsetzen. Der Umstieg von 400 auf 800 Volt verlangt neue Leistungselektronik, passende Batteriekomponenten, geänderte Verkabelung und ein angepasstes Thermomanagement. Technisch handelt es sich um einen tiefgreifenden Hardwareeingriff, der sich nicht per Over-the-Air nachrüsten lässt. Bestandskunden können also nicht darauf hoffen, ihren Polestar 3 per Update auf 800 Volt umzustellen.  

Die neue Plattform hat auch Auswirkungen auf Akku und Antrieb. Bisher gab es den in China bei der Konzernmutter Geely produzierten 3er in drei Leistungsstufen. Als Hecktriebler mit 220 kW/299 PS sowie mit einem zweiten Motor und allradgetrieben mit 360 kW/499 PS oder als 380 kW/517 PS starke Performance-Version. Im Rahmen des Upgrades montiert Polestar einen neuen Motor an der Hinterachse. In der Folge haben die beiden Standardausführungen gut zehn Prozent mehr Leistung. Beim Performance-Modell ist das Power-Plus am größten: Dessen zwei E-Maschinen katapultieren den SUV künftig mit 500 kW/680 PS in 3,9 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis zur Spitze von 230 km/h.  


Polestar 3 (2026)

Polestar 3 (2026) Bildergalerie

In allen drei Versionen wird zudem der bisherige Akku ersetzt. Künftig bunkert das Einstiegsmodell nur noch 92 kWh, die beiden anderen Varianten fahren mit einer 106 kWh großen Batterie vor. Das hat Auswirkung auf die Reichweite, die beim Basismodell um gut 100 auf rund 600 Kilometer schrumpft.  

Auf der Straße zeigte sich der große SUV bislang als souverän abgestimmter, gelassen ruhiger Komfortprotagonist. Die Lenkung vermittelt ausreichend Rückmeldung, das adaptive Luftfahrwerk filtert Unebenheiten sehr wirkungsvoll. Polestar mag damit werben, dass der 3er wie ein Sportwagen fährt. Trotzdem stehen eher Effizienz und Raumangebot im Vordergrund, nicht die pure Agilität. Der 3er ist der Gleiter im Programm der Schweden, die Kurvenhatz überlässt man eher dem sportlich gezeichneten 4er oder dem im Sommer kommenden Gran Turismo Polestar 5.  

Auch praktisch überzeugt der SUV. Der Innenraum wirkt hochwertig verarbeitet, Materialien und Sitze passen und man hat viel Platz. Ein geräumiger Gleiter für die lange Reise eben. Nur der mit 484 Litern recht schmal bemessene Kofferraum dürfte etwas größer sein. 

All das wird sich mit dem 2026er-Modelljahr nicht ändern. Bestandskunden dürften trotzdem säuerlich reagieren. Wenigstens erhalten sie als Trost kostenlos einen schnelleren Zentralchip von Nvidia, der mehr Rechenleistung für künftige Funktionen bereitstellt. Dieses Upgrade kommt allerdings nicht drahtlos, sondern erfordert einen Werkstattbesuch.  

Zudem soll es für die bisherigen 400-Volt-Modelle einen Ladebooster geben, der die Ladeleistung von bislang 250 auf bis zu 320 kW anhebt, was im Alltag spürbar kürzere Ladezeiten bringen kann. 

Trotz dieser Trostpflaster bleibt Kritik nicht aus. Eine so umfassende Modellpflege nach kurzer Zeit ist für Erstkäufer frustrierend und kann sich zudem auf die Gebrauchtwagenpreise auswirken. Denn bei E-Autos orientieren sich die Restwerte zunehmend an Ladefähigkeit und technischer Aktualität. Offizielle Preise gibt es erst im Frühsommer, wenn Polestar den Konfigurator öffnet. Doch angesichts der Menge an neuer Hardware dürften die bisherigen Preise, die in Deutschland zwischen 79.090 und 92.690 Euro lagen, kaum zu halten sein. 


Polestar 5 (Wintertest)

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