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Missbrauch von Umwelt-Bonus: Deutscher Staat subventioniert E-Mobilität im Ausland

Staatliche Fördergelder für E-Autos werden offenbar teilweise nicht zweckmäßig verwendet.
© Foto: mmphoto / stock.adobe.com

Laut einer Studie des Center of Automotive Management werden über zehn Prozent der Elektrofahrzeuge, für die in Deutschland ein Umwelt-Bonus beantragt wurde, nach nur sechs Monaten ins Ausland verkauft.


Datum:
18.02.2022
Autor:
dp
Lesezeit: 
4 min
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Über zehn Prozent der durch den deutschen Umwelt-Bonus geförderten Fahrzeuge werden nach der Mindesthaltedauer von sechs Monaten ins Ausland verkauft. Das ermittelte das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Während zwischen Januar und September letzten Jahres 236.695 reine Elektrofahrzeuge neu zugelassen wurden, erhöhte sich die Elektroflotte (BEV) in Deutschland nur um 207.435 Fahrzeuge (87,6 Prozent). Es fehlen also rund 29.260 Elektro-Pkw bzw. rund 12,4 Prozent der neu zugelassenen Pkw im Bestand.

"Es besteht der Verdacht, dass bei einem Teil der Pkw-Neuzulassungen von reinen Elektrofahrzeugen zwar die Förderprämien bzw. der BAFA-Umwelt-Bonus von 9.000 bzw. 7.500 Euro eingestrichen wird, jedoch die Fahrzeuge nach wenigen Monaten als junge Gebrauchtwagen ins Ausland weiterverkauft werden", folgert daraus CAM-Chef Stefan Bratzel.

Über 20 Prozent der E-BMW

Stichproben zeigten sogar, dass bei einzelnen Automobilherstellern, die Diskrepanz zwischen Neuzulassungen und Bestandszuwachs noch eklatanter ist: Bei Tesla seien es laut CAM rund 4.800 Pkw oder 18,5 Prozent der Zulassungen, bei BMW sogar 20,6 Prozent der Elektro-Zulassungen. Hyundai und VW lägen mit 11,9 bzw. elf Prozent leicht unter dem Durchschnitt. Bei VW seien es aber dennoch 6.000 Fahrzeuge.

360 Millionen ins Ausland

Der Wiederverkauf ins Ausland lohnt sich trotz des Wertverlusts aufgrund der Höhe der Förderungen und der geringen Mindesthaltedauer von sechs Monaten. Nach konservativen Schätzungen des CAM dürften allein im Jahr 2021 bis zu 240 Millionen Euro an staatlichen Förderungen für reine Elektrofahrzeuge nicht zweckgemäß verwendet worden sein. Inklusive des durch die Automobilhersteller eingebrachten Teils der Anschaffungsförderprämie wurden Fahrzeuge, die als junge Gebrauchtwagen ins Ausland exportiert wurden, nach diesen Berechnungen mit 360 Millionen Euro subventioniert.

Erhöhung der Mindesthaltedauer

Bratzel empfiehlt dem Gesetzgeber deshalb, "zeitnah entsprechende Anpassungen der Umweltprämie vorzunehmen. Möglich wäre etwa die Erhöhung der Mindesthaltedauer der Elektrofahrzeuge von sechs Monaten auf zwei bis drei Jahre." Auch bei der Jahrespressekonferenz des ZDK am Donnerstag  war das ein Thema. "Ich sehe kein großes Problem, wenn die Mindesthaltedauer auf zwölf Monate erhöht wird", sagte zum Beispiel ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Auch für Präsident Jürgen Karpinski ist die Sache klar: "Hier machen Leute mit Steuergeldern Geschäfte. Das kann es nicht sein."

Auch das Wirtschaftsministerium hat das Problem bereits erkannt und arbeitet an einer Lösung. Eine Verlängerung der Mindesthaltedauer werde geprüft, so ein Sprecher zur 'WirtschaftsWoche'.

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