Mineralölwirtschaft: Spritpreise auf Rekordniveau

09.05.2008 17:07 Uhr
Investoren entdecken Rohölmarkt als Spekulationsobjekt: Das ist Treibstoff für die Spritpreise
© Foto: Martin Oeser/ddp

Benzin kostet über 1,50 Euro und Diesel 1,45 Euro. Marktkennern zufolge sind die Spekulationen auf dem Finanzmarkt Hauptursache für das Rekordhoch. Fonds investieren in Rohöl und treiben die Preise nach oben. Der ACE und der ADAC empören sich über die hohen Spritpreise.

Der Spritpreis ist am Freitag vor Pfingsten steil in die Höhe geschossen und durchbrach die Preisschwelle von 1,50 Euro für einen Liter Benzin, Diesel erreichte ein Rekordhoch von 1,45 Euro. Den hohen Spritpreisen liegen die hohen Rohölpreise zu Grunde. Der Preis für ein Barrel Rohöl notierte erstmals über 125 Dollar. Der Ölmarkt koppelt sich nach Einschätzung von Börsenhändlern mittlerweile mehr und mehr vom tatsächlichen Verhältnis von Ölangebot und -nachfrage ab. Nach Expertenschätzung ist der Grund hierfür das Interesse von Fonds und Finanzinvestoren, die weitere Preissteigerungen erwarten und den Rohstoff als Spekulationsobjekt identifiziert haben. Erste Analysten und Marktteilnehmer haben schon die Marke von 200 Dollar je Barrel im Visier. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) riet unterdessen allen, die über Pfingsten eine Reise mit dem Auto unternehmen wollen, das Auto stehen zu lassen. Angesichts weiter steigender Spritpreise belaste jede Autofahrt am Pfingstwochenende das Portemonnaie. Der ACE Auto Club Europa sieht in der Bundesregierung und den Ölfirmen die Hauptschuldigen und rief am Freitag in Stuttgart dazu auf, Autofahrer in Grenzregionen sollten angesichts immer neuer Preisrekorde bei Kraftstoffen im billigeren Ausland tanken. "Wir sehen darin keine Steuerflucht sondern einen Akt der Selbsthilfe", sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Wenn Ölkonzerne und Regierung nichts gegen Preiswucher unternähmen, müssten sich Autofahrer selbst helfen, präzisierte er. In dieselbe Bresche schlug der ADAC und forderte die Bundesregierung auf, unverzüglich Gegenmaßnahmen einzuleiten. Staat und Mineralölwirtschaft kassierten und Millionen von Autofahrern hätten Probleme bei der Bezahlung der Tankrechnung. "Von jedem getankten Liter Benzin fließen 89 Cent in die Staatskasse – dieser extrem hohe Steuerssockel ist mitschuldig an der jetzigen Misere," so der ADAC-Vizepräsident für Verkehr Klaus Becker. (msh)

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