Kampf gegen Hacker

16.04.2020 11:00 Uhr

Moderne Autos bieten Cyber-Piraten immer mehr Angriffsfläche. In der Automobil- und Zuliefererindustrie nimmt das Thema Cyber-Sicherheit deshalb einen immer größeren Raum ein. Um Datensicherheit ging es diesmal auch bei der Bosch ConnectedWorld.

Kurzfassung

Im Wettlauf um die Sicherheit der IT-Systeme im Fahrzeug spielen Zulieferer eine wichtige Rolle. Unternehmen wie Bosch investieren daher eine Menge Geld in das Thema. Bei einer Veranstaltung in Berlin wurde das deutlich.

Mit dem Jeep Cherokee in den USA fing es vor fünf Jahren an. Zwei Informatiker hatten sich mit ihren Computern in die Systeme des Autos gehackt und steuerten das Fahrzeug aus der Ferne. Das damalige Experiment der beiden IT-Experten brachte die gesamte Autoindustrie in erhöhte Alarmbereitschaft, da die eigenen Anstrengungen der Hersteller in Richtung möglicher Hackerangriffe nicht ausreichten. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr zählte das israelische Start-up-Unternehmen Upstream Security mehr als 100 erfolgreiche Hackerangriffe in der Automobilindustrie. Dabei dringen Hacker auch in die Computernetzwerke der Hersteller ein. BMW und Hyundai sollen bereits Opfer von Angriffen geworden sein.

Auch die Zuliefererindustrie ist schon lange auf diesem Sektor tätig. Vor etwa zehn Jahren war ETAS, eine Tochtergesellschaft der Bosch-Gruppe, in den Bereich der Cyber Security für Automobile eingestiegen. "Mit der beginnenden Vernetzung der Autos mussten auch die Fahrzeuge geschützt werden, ähnlich wie die Firewall bei einem Heim-Computer. Für die Autos wurden abschließbare Steuergeräte konzipiert, die nur Werte von autorisierten Sendern verwenden", sagte Holger Breuing, verantwortlich für den Bereich Cyber Security Solutions unter der Marke Escrypt. Die Bosch-Tochter ist führender Anbieter von IT-Sicherheitslösungen.

"Der Schutz wird immer weiter verbessert, aber durch eine lange Zuliefererkette immer schwerer", sagte Breuing auf der im Februar durchgeführten fünften Auflage der Bosch ConnectedWorld in Berlin. Jeder Zulieferer, der ein weiteres Teil zum Auto beisteuert, bietet möglichen Angriffen eine weitere Fläche. Um diese Schwachstellen auszumerzen, müssen die Fahrzeuge in Echtzeit überwacht werden. "Über einen Software-Sensor im Auto könnten Anomalien erkannt werden", sagt Breuing. Doch der Weg zur Echtzeit-Überwachung ist lang und sehr steinig. In modernen Autos stecken bis zu 130 Millionen Zeilen Programmcode - fast die dreifache Menge, die das Betriebssystem Windows 10 benötigt. Um die Schwachstellen zu analysieren, müsse man laut Breuing "auf der untersten Ebene beginnen und sich dann hocharbeiten."

Kooperation mit NTT Data

Um die wahre Flut von Daten zu bewältigen, hat sich Escryp Partner mit ins Boot geholt wie NTT Data aus Japan. Das Unternehmen hat sich auf IT-Dienstleistungen spezialisiert und eine App entwickelt, mit der Anomalien von Autos erkannt werden können. "Vom mit der App verbundenen Kontrollcenter aus können diese Anomalien dann ebenso schnell angegangen werden", sagt Managing Director Kai Grunwitz von NTT Germany. Mit der App kann der jeweilige Modus des Fahrzeugs abgerufen werden. "Wir müssen anhand von anonymisierten Informationen erkennen können, ob das Fahrzeug geklaut und versteckt wurde oder ob es sich gerade in der Werkstatt befindet", sagt Breuing.

Frage nach dem Datenschutz

Eine Erleichterung für die IT-Spezialisten zieht das automatisierte Fahren aber nach sich. "Dadurch fallen die Anomalien des Fahrers weg", sagt Breuing. "Indem der Fahrer rausgenommen und das Auto über den Rechner gefahren wird, wird es einfacher." Allerdings haben die IT-Spezialisten noch viele Jahre Zeit, sich auf diese neue Form der Mobilität einzustellen. Experten glauben, dass erst ab 2030 jedes Fahrzeug auf Level 3 fahren könnte. Bis das höchste Level 5 erreicht wird, bei dem der Fahrer überhaupt nicht mehr steuert, werden noch mehrere Dekaden vergehen.

Natürlich stehen Entwickler vor einer weiteren Herausforderung: die Frage nach dem Datenschutz. Die Befürchtung einer Weitergabe von persönlichen Daten an Dritte steht immer im Raum. Den gläsernen Autofahrer wollen viele nicht spielen, zugleich aber auch nicht auf die Komfortelemente verzichten. "Es ist der Fluch der schönen neuen Welt", sagt Breuing und meint damit die Assistenzsysteme und weitere Komfortelemente, die das Auto in einen neuen Lebensraum verwandeln. Je attraktiver ein Ziel sei, desto einfacher sei es auch, Schwachstellen zu finden. Und das Auto genießt auch in der aktuellen Zeit zwischen fossilen Brennstoffen und dem Übergang zur Elektromobilität eine gewisse Bedeutung, zumindest bei den älteren Autofahrern. Breuing sieht in den kontradiktierenden Themen zwischen Komfort im modernen Auto und Datenschutz auch in Zukunft keine 100-prozentige Sicherheit: "Perfekter Datenschutz ist nur ohne Vernetzung möglich oder sie fahren Käfer."

Bosch ConnectedWorld 2020

Auf dem digitalen Branchentreff Bosch ConnectedWorld zeigten am 19. und 20. Februar 2020 mehr als 80 Aussteller neueste Trends und Entwicklungen der vernetzten Welt. Zu den mehr als 170 Rednern zählten neben Bosch-Chef Volkmar Denner und Bosch-CDO/CTO Michael Bolle auch Roland Busch (Deputy CEO Siemens), Axel Stepken (Vorsitzender des Vorstandes TÜV SÜD AG) und Scott Guthrie (Executive Vice President der Cloud- und AI-Gruppe von Microsoft). Den Kern der Veranstaltung bildeten Keynote-Vorträge, eine große Ausstellung und Hackathons. Die Bosch ConnectedWorld fand in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Sie ist eines der weltweit größten internationalen Branchentreffen zum Thema Internet der Dinge.

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