Die Automobilbranche steht unter enormem Veränderungsdruck. Intensiver Wettbewerb, sinkende Preise, hohe regulatorische Anforderungen und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz verlangen den Unternehmen weitreichende Entscheidungen ab. Gleichzeitig bleibt für die notwendige Transformation nur wenig Zeit. Doch mit welchen Strategien kann die Branche darauf reagieren?
Antworten auf diese Frage suchte der 27. IfA Branchengipfel 2026 in Nürtingen. Unter dem Motto "Automotive Markets in Motion – Turning Pressure into Performance" diskutierten am Donnerstag zahlreiche Experten aus Wirtschaft, Industrie und Politik darüber, wie Unternehmen den wachsenden Herausforderungen begegnen können. Eine zentrale Botschaft zog sich durch viele Vorträge: Die Branche muss schneller, effizienter und kooperativer werden.
IfA Branchengipfel 2026
Cem Özdemir: "Die Autobranche ist ein Teamsport"
"Die Branche steht massiv unter Druck. Aktuell ändern sich die Regeln des Spiels: E-Auto, autonomes Fahren – und China spielt nicht fair", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir, der per Videobotschaft zugeschaltet war. Jetzt komme es vor allem auf "Tempo und Power" an. Notwendig seien robuste Schutzinstrumente für einen faireren Wettbewerb sowie ein konsequenter Abbau von Bürokratie. Vor allem aber brauche es eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten.
"Die Autobranche ist ein Teamsport", betonte der Grünen-Politiker. Hersteller, Wirtschaft, Vertrieb und Aftersales müssten gemeinsam an Lösungen arbeiten. Diese Forderung griffen im weiteren Verlauf des Vormittags auch andere Referenten auf.
Bosch fordert mehr Zusammenarbeit
Eine ähnliche Strategie skizzierte Christoph Hartung, Mitglied der Geschäftsführung von Bosch Mobility und CTO der Robert Bosch GmbH. Sein Vortrag stand unter dem Titel "Europe’s Automotive Crossroads: Compete Alone or Win Together".
Kollaboration sei ein entscheidender Hebel, um Kosten zu reduzieren und Entwicklungsprozesse zu beschleunigen. "Wir müssen kollaborieren, um die Kosten signifikant zu senken und schneller zu werden", sagte Hartung. Der Preisdruck sei so hoch wie nie. Deshalb müssten die Kosten bei Fahrzeugen um 30 Prozent sinken.
Gleichzeitig müsse sich die stark hierarchisch geprägte Automobilindustrie von Strukturen lösen, die in der Vergangenheit zwar erfolgreich gewesen seien, heute aber notwendige Veränderungen erschwerten. Dafür gelte es, "auch die Meriten der Vergangenheit ein Stück herunterzufahren" und sich auf neues Lernen einzulassen.
Künftig müsse die Branche wesentlich stärker in Mobilitätssystemen denken. Vor allem Künstliche Intelligenz werde die Art und Weise, wie Fahrzeuge entwickelt und gebaut werden, grundlegend verändern. Dabei müsse auch der digitale Kontext des Fahrers stärker berücksichtigt werden.
"Die Zukunft unserer Arbeitsplätze wird in den nächsten drei bis fünf Jahren entschieden", warnte Hartung. Gefordert sei eine konzertierte Aktion von Wirtschaft und Politik. Vor allem aber brauche es "mehr Speed".
Mahle setzt Effizienz ins Zentrum
Arnd Franz, Vorsitzender der Mahle-Geschäftsführung, rückte einen weiteren Erfolgsfaktor in den Mittelpunkt. In seinem Vortrag "Subventionen, Zölle und Regulierung: Wie staatliche Eingriffe das Wachstum in der Automobilwirtschaft beeinflussen" betonte er, dass deutsche Unternehmen ihre Effizienz steigern müssten, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. "Effizienz ist unser zentraler Begriff für Wettbewerbsfähigkeit", sagte Franz. Mahle habe diesen Gedanken zum Kern seiner Strategie gemacht. Um die Strukturen leistungsfähiger aufzustellen, habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren unter anderem Geschäftseinheiten gebündelt.
Nach Ansicht des Mahle-Chefs müssen Staat und Wirtschaft bei ihren jeweiligen Kernaufgaben schneller vorankommen. Als Belastungen für den Standort nannte er hohe Energie- und Lohnkosten, einen wenig flexiblen Arbeitsmarkt sowie eine hohe Steuerlast. Steigende Zölle schwächten zudem den grenzüberschreitenden Handel.
Die Unternehmen selbst müssten ihre Produkte und Strategien stärker an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichten. Technologisch dürfe sich die Branche nicht vorschnell festlegen. Vielmehr gelte es, an allen relevanten Antriebsarten weiterzuarbeiten und auch den Verbrennungsmotor konsequenter zu dekarbonisieren. Seinen Appell fasste Franz pragmatisch zusammen: "Es geht darum, dass man die Dinge auf den Weg bringt und nicht nur darüber redet."
IfA Business-Talk 2026
Der IfA-Branchengipfel machte deutlich: Europas Autoindustrie mangelt es nicht an Erkenntnissen, sondern an Umsetzungsgeschwindigkeit. Kooperation, Effizienz und Technologieoffenheit werden darüber entscheiden, ob aus dem wachsenden Druck neue Wettbewerbsstärke entsteht.