IAA-Lagebericht der Zulieferer: Sorgen beim Übergang in die neue Autowelt

Elektro-Infrastruktur und Zulieferer-Sorgen sind wunde Punkte bei der diesjährigen IAA.
© Foto: picture alliance / dpa

Klimaschädliche "Stadtpanzer" sind nicht das einzige brenzlige Thema der größten Automesse. Beim E-Ladenetz geht es nur schleppend voran. Und der Abschied vom Verbrenner hat bittere Nebenwirkungen.

Viele Verbraucher können sich mit der elektrischen Verkehrswende noch nicht anfreunden - auf der IAA hadern auch Hersteller und Zulieferer mit dem Übergang in die neue Autowelt.

Der europäische Autobauer-Verband (Acea) verlangt von der Politik deutlich mehr Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebe. "Von unserer Seite bieten wir eine immer weiter wachsende Auswahl an alternativ angetriebenen Autos für die Kunden", sagte Carlos Tavares, Präsident des Acea und Chef der französischen Opel-Mutter PSA, am Mittwoch auf der Automesse in Frankfurt.

"Gleichzeitig müssen sich die Regierungen in der EU dieser Geschwindigkeit anpassen, mit der wir diese Fahrzeuge auf den Markt bringen, indem sie ihre Investitionen in Infrastruktur dramatisch aufstocken", forderte Tavares. "Sie müssen auch nachhaltige Kaufanreize setzen, die konsistent in der gesamten EU sind." Das bisher dünne Ladenetz ist neben der oft geringen Reichweite und dem hohen Preis ein Hauptgrund für die Zurückhaltung bei E-Fahrzeugen.

Einer Studie des Verbands zufolge gab es 2018 in der gesamten Europäischen Union weniger als 145.000 Ladepunkte für Elektroautos. 2030 würden mindestens 2,8 Millionen benötigt. Die europäische Lobbyorganisation der Hersteller sieht sich mit den verschärften Abgasregeln der EU konfrontiert. Spätestens 2021 sollen die CO2-Emissionen neu verkaufter Autos im Schnitt auf 95 Gramm je Kilometer sinken - in der Zeit danach bis 2030 um zusätzlich 37,5 Prozent. Dazu muss der Absatz abgasärmerer Antriebe deutlich zulegen.

Zulieferer richten sich neu aus

Weil in mittlerer Frist mit mehr E-Autos kalkuliert wird, sind auch Zulieferer gezwungen, sich neu auszurichten. Insgesamt weniger Arbeitsvolumen, aber ganz andere Kompetenzen sind für den Bau von Elektroantrieben im Vergleich zu Verbrennungsmotoren nötig. Der Dax-Konzern Continental etwa schwenkt von mechanisch-hydraulischer Technik immer stärker zu Elektronik und Sensorik um - ein Jobabbau bis hin zu möglichen betriebsbedingten Kündigungen könnte folgen.

Der Konkurrent Hella kann sich ebenfalls nicht der Schwäche an den Automärkten entziehen. In der zweiten Hälfte des Ende Mai zu Ende gegangenen Geschäftsjahres spürte der MDax-Konzern die flaue Branchenkonjunktur. Firmenchef Rolf Breidenbach sieht zahlreiche Herausforderungen: "Wir müssen lernen, in einem sich konsolidierenden oder vielleicht schrumpfenden Markt Geschäfte zu machen." Für den Manager steht derzeit aber kein Abbau eines Teils der rund 40.000 Jobs im Raum. Wegen eines guten Orderbuchs und vieler Instrumente, um Geschäftsschwankungen auszugleichen, sei der Konzern gut aufgestellt.

Umbruch als Ansporn für Zulieferer

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld empfindet den Umbruch der Autobranche auch als Ansporn für die Zulieferindustrie. "Ich sehe den Wandel als große Chance, wenn man es jetzt richtig macht", sagte er am Rande der IAA. Trotz der derzeitigen Branchenkrise werde es Autozulieferer auch 2030 noch geben. Gleichwohl stünden sie in Anbetracht der E-Mobilität vor großen Herausforderungen. Mit Blick auf die Jobs dürfe man sich nichts vormachen. "Der Elektroantrieb braucht weniger Teile."

Auf der Messe ziehen die neben E-Autos nach wie vor stark präsenten Stadtgeländewagen (SUV) Proteste von Klimaschützern auf sich. Eine Debatte entzündete sich auch an der Gefahr durch die hohen Fahrzeuge bei Unfällen - kürzlich waren bei einer Kollision in Berlin vier Menschen gestorben. "Ich halte relativ wenig von Regulierung", sagte Porsche-Chef Oliver Blume den Sendern n-tv und RTL. "Nichtsdestotrotz kann man sich auch in den deutschen Städten Gedanken machen, ob SUV da die richtigen Fahrzeuge sind." Dies liege bei den Autofahrern.

Die E-Mobilität wird zunehmend auch zum Thema für die Autobanken. So will die Finanztochter von Volkswagen potenzielle Elektroauto-Fahrer stärker ansprechen, um Vorbehalte gegenüber der Technik abzubauen. "Wir wollen den Privatkunden ein Stück Angst vor der Elektromobilität nehmen", sagte Leasing-Chef Jens Legenbauer in Frankfurt. Dem Manager zufolge setzt der VW-Konzern 80 Prozent seiner Elektrofahrzeuge über die Finanzsparte Volkswagen Financial Services ab. Eine Hoffnung der Unternehmen mit Blick auf die Elektromobilität ist, dass Batterie- oder Hybridfahrzeuge so zunächst ausprobiert werden können. (dpa)

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