Hochvolt-Schulung: Wissen, wo es funkt

Achtung Hochspannung - nur geschultes Personal darf hier Hand anlegen.
© Foto: picture alliance/Jan Woitas

Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind im Straßenbild noch eher die Ausnahme. In der Werkstatt schlagen sie bislang selten auf. Doch das kann sich getrieben durch politische Vorgaben in einigen Jahren ändern. Werkstätten sollten vorbereitet sein. Und das heißt in erster Linie: die Mitarbeiter müssen entsprechend geschult sein.

"Mitarbeiter, die an einem E-Fahrzeug arbeiten, müssen mindestens sensibilisiert sein. Das heißt, sie müssen über die Gefahren aufgeklärt sein und müssen wissen, was sie machen dürfen und was nicht", erklärt Tilo Scholz, fachlicher Leiter für Hochvoltschulungen bei der TÜV SÜD Akademie. Bei Arbeiten an Elektroautos können Spannungen bis zu 1.000 Volt auftreten.

Welche Schulung für welche Tätigkeiten an Hochvoltsystemen benötigt wird, regelt die Berufsgenossenschaftliche Informationsschrift DGUV Information 200-005 (ehem. BGI 8686). "Unternehmer sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen", rät Tilo Scholz: "Der Chef ist verpflichtet, dem Personal die richtigen Werkzeuge zur Verfügung zu stellen und auch die persönliche Schutzausrüstung falls notwendig." Für die einfache Sensibilisierung für Arbeiten an Kraftfahrzeugen mit HV-Systemen bietet die TÜV SÜD Akademie ein Webbased Training an. Für Mitarbeiter, die am Fahrzeug Spannungsfreiheit herstellen müssen, gibt es den Kurs für Elektrofachkraft für HV-Systeme. Er umfasst 16 Stunden für eigensichere Fahrzeuge (Serienfahrzeuge) und 40 Stunden für nicht eigensichere Fahrzeuge wie Lkw.

Kurzfassung

Gut zu wissen: Auch wenn Mitarbeiter gar nicht direkt mit stromführenden Komponenten arbeiten, müssen sie zumindest sensibilisiert sein. Werkstattbetreiber sollten wissen, welche Schulungen ihre Mitarbeiter für E-Mobile benötigen.

"Viele warten noch ab"

Tilo Scholz, Produktmanager E-Mobilität TÜV SÜD Akademie GmbH, über die Notwendigkeit qualifizierte Mitarbeiter zu habenasp: Ist das Thema Elektromobilität überhaupt schon ein Thema für Werkstätten im freien Markt?T. Scholz: Im Markenhandel werden die Servicekräfte auf die neuen Modelle vorbereitet und zu den einzelnen Fahrzeugtypen geschult. In den freien Werkstätten ist dieses Thema nur bei einigen vorausdenkenden Werkstätten angekommen. Viele warten noch ab und schulen ihr Personal nicht zu diesem Thema. Doch was passiert, wenn ein Kunde sein eventuell schon vierjähriges Elektroauto zur Durchsicht in eine freie Werkstatt bringt, da ja die Garantiezeit vorbei ist? Die Werkstatt hat keinen Mitarbeiter, der das Fahrzeug "freischalten" kann, wenn der Hersteller dies für diese Art von Reparatur aber in seiner Beschreibung fordert. Hier beginnt der Graubereich, denn die Berufsgenossenschaft hat in der DGUV 200-005 festgelegt, dass Arbeiten über 60 Volt Bordspannung nur von einer Elektrofachkraft oder einer dazu geschulten Person durchgeführt werden dürfen.asp: Wer bucht Hochvoltschulungen an der TÜV SÜD Akademie?T. Scholz: Wir schulen bei fast allen Automobilherstellern und Zulieferern im deutschsprachigen Bereich, aber auch in deren Produktionsstätten weltweit. Wir halten unsere Schulungsmaterialien in englischer Sprache vor, so dass wir auch in vielen Ländern die Mitarbeiter der Firmen zu diesem Thema sensibilisieren und schulen können. Auch unser WBT (Webbasiertes Training) zur Sensibilisierung der Mitarbeiter zum Thema Hochvolt haben wir in Englisch und auch in Deutsch. Diese Möglichkeit des Lernens wird von den Firmen zunehmend favorisiert. Auch bei Herstellern von Nutzfahrzeugen und deren Zulieferern schulen wir regelmäßig.asp: Sind die Geschäftsführer in Servicebetrieben über ihre Pflichten im Bereich Gefährdungsbeurteilung informiert oder herrscht hier viel Unwissen?T. Scholz: Das kann ich Ihnen so nicht beantworten. Ich gehe davon aus, dass die Geschäftsführer sich Ihrer Verantwortung bewusst sind. Sollte jedoch Beratungsbedarf bestehen, können sie Informationen über unseren Internetauftritt erhalten oder die verantwortlichen Personen rufen uns einfach an.asp: Wie viele Menschen haben bereits Schulungen im Hochvoltbereich an den TÜV SÜD Akademien besucht?T. Scholz: Wir schulen zu diesem Themenbereich seit 2005. Genau möchte ich mich nicht festlegen, aber es sind sicher über 10.000 Teilnehmer in den Jahren.asp: Müssen Hochvoltschulungen regelmäßig aufgefrischt werden?T. Scholz: Ja! Jährlich ist eine "Wiederkehrende Unterweisung" durch die verantwortliche Person in der Firma durchzuführen. Diese kann sie bei Eignung selbst halten oder sie beauftragt beispielsweise die TÜV SÜD Akademie damit, wir unterrichten dann als Inhouse-Schulung oder laden den Mitarbeiter in einen unserer 21 Schulungsstandorte in Deutschland ein.

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