E-Mobilität in Deutschland: Mittendrin statt in der Nische

Bei den reinen E-Autos sorgte Privatkunden 2020 für knapp die Hälfte aller Neuzulassungen.
© Foto: VW

Geht es nach KBA-Präsident Richard Damm, war 2020 das Jahr des Durchbruchs für die Elektromobilität in Deutschland. Die wichtigsten Zahlen und Entwicklungen.

Die Elektromobilität hat sich in Deutschland im Corona-Jahr 2020 stärker durchgesetzt als jemals zuvor. Wie aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zeigen, waren im vergangenen Jahr 394.940 der neu zugelassenen Pkw elektrifiziert (batterieelektrisch, Plug-in-Hybrid, Brennstoffzelle). 2019 hatte das Volumen rund 303.000 Fahrzeuge betragen.

13,5 Prozent und damit knapp jeder siebte neu zugelassene Wagen hatte 2020 einen Batterieantrieb unter der Haube. Im Vorjahr waren es 8,4 Prozent gewesen. Der Anteil stieg auch deshalb so stark, weil in der Corona-Krise insgesamt weniger Autos verkauft wurden. Es wird erwartet, dass der deutsche Markt um ein Fünftel eingebrochen ist. Die Gesamtstatistik will das Amt am Freitag veröffentlichen.

"Die E-Mobilität ist in der Mitte der mobilen Gesellschaft angekommen", sagte KBA-Präsident Richard Damm. Neben umfassenden Fördermöglichkeiten würden positive Erfahrungen, verlässliche Technologien und ein wachsendes Angebot den Kunden den Umstieg erleichtern. Der Behördenchef geht davon aus, dass bei einem anhaltenden Zulassungstrend von rund 22 Prozent (Q4/2020) das von der Bundesregierung formulierte Ziel von sieben bis zehn Millionen zugelassenen E-Fahrzeugen bis zum Jahr 2030 erreicht werde.

Die Anzahl der neuen BEV legte den Angaben zufolge mit plus 206 Prozent im Vergleich zu 2019 deutlich zu. In Summe waren es 194.163 Einheiten. Kleinwagen bildeten hier mit 29,9 Prozent das stärkste Segment, auf die SUV (19,9 Prozent) und Kompaktautos (19,6 Prozent) entfielen knapp ein Fünftel des Volumens. Besonders hohe E-Auto-Anteile wies das KBA für die Bundesländer Schleswig-Holstein, Berlin und Baden-Württemberg mit über 16 Prozent aus.

Branchenprimus fährt voraus

Mit Blick auf die Marken erreichte VW mit 17,4 Prozent den höchsten Anteil bei den E-Antrieben. Das entsprach einer Steigerung um über 600 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dahinter rangierten Mercedes-Benz (14,9 Prozent / plus 499,8 Prozent) und Audi (9,0 Prozent / plus 607,9 Prozent). Hinsichtlich der reinen Stromer hatte ebenfalls Volkswagen die Nase vorne, gefolgt von Renault (16,2 Prozent / plus 233,8 Prozent) und Tesla (8,6 Prozent / plus 55,9 Prozent).

Interessant: Bei den BEV machten die privaten Anmeldungen mit 48,8 Prozent beinahe die Hälfte aller Neuzulassungen aus. Zum Vergleich: Bei allen alternativen Antrieben lag das Verhältnis bei rund zwei Drittel gewerblich (63,5 Prozent) zu einem Drittel privat (36,4 Prozent). Und im Gesamtmarkt, einschließlich Benzin und Diesel, gingen 2020 rund 63 Prozent der Neuwagen auf das Konto gewerblicher Halter. 

Trotz des Hochlaufs sind Autos mit einem E ganz rechts im Kennzeichen auf der Straße in der Minderheit. Der Anteil alternativer Antriebe im Bestand stieg nach Schätzung des Amts von 2,4 auf 3,6 Prozent. Dabei werden auch Erdgas/Autogas-Autos und Hybride mitgezählt. (rp)

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