Benzingipfel: Politik erklärt E10-Diskussionen für beendet

08.03.2011 21:55 Uhr
Die Minister Norbert Röttgen, Rainer Brüderle und Ilse Aigner halten am umstrittenen Biosprit E10 fest.
© Foto: ddp / Michael Gottschalk

Beim verschmähten Sprit suchen Politik und Wirtschaft nach gegenseitigen Vorwürfen den Schulterschluss: An E10 halten sie fest, die Autofahrer sollen aber schon an der Tankstelle erfahren, ob ihr Auto den Sprit mit zehn Prozent Ethanol schlucken kann.

Bundesregierung, Auto- und Benzinbranche wollen das E10-Projekt retten und Millionen verunsicherter Autofahrer besser über den Biosprit aufklären. Trotz des Boykotts vieler Verbraucher hält die Regierung nach dem "Benzingipfel" an dem Super-Benzin mit zehn Prozent Ethanol fest. Nach tagelangen gegenseitigen Schuldzuweisungen verständigten sich die Teilnehmer am Dienstag auf einen Aktionsplan. Umweltschützer und Opposition blieben bei ihrer Kritik - die Wirtschaft zeigte sich vorwiegend zufrieden. Die Autofahrer sollen an den Tankstellen in Listen schnell sehen können, ob ihr Auto den Sprit verträgt. Mineralöl- und Autowirtschaft werben verstärkt für E10. Deutsche Fahrzeughersteller und Importeure erklären ihre Angaben zu E10 für rechtsverbindlich. Und die Autobranche will ein Internetportal einrichten, wo Autofahrer mit ihrer Fahrzeug-Identifikationsnummer sehen können, ob ihr Auto E10 verträgt. Auch Autohersteller und Kfz-Gewerbe wollen Kunden schon in den Werkstätten besser informieren. "Wir sind der Überzeugung, dass die Tankstelle der Ort ist, an dem der Verbraucher Klarheit haben muss", sagte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Er verteidigte die Einführung des neuen Sprits als Beitrag zu mehr Klima- und Umweltschutz und geringerem Ölverbrauch. "Es ist keine Lösung, in der Abhängigkeit von Öl zu verharren." Man sehe "jeden Tag Herrn Gaddafi, der sein Volk bombardiert", sagte Röttgen mit Blick auf die Abhängigkeit von Ölländern wie Libyen. Ein Tempolimit lehnte Röttgen als Lösung für weniger CO2-Ausstöße im Verkehr ab. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte: "Ich glaube, dass wir damit einen großen Beitrag geleistet haben, dass die Verunsicherung abgebaut wird." Er hatte sich zuvor offen für eine "Atempause" bei der E10-Einführung gezeigt. Die Automobilindustrie sagte umfassende Infos für Autofahrer zu und wies größere Probleme mit der Unverträglichkeit zurück. "93 Prozent aller Autos mit Benzinmotor auf unseren Straßen vertragen E10 - bei den Fahrzeugen deutscher Hersteller sind es sogar 99 Prozent." Mit Blick auf Garantien der Autobranche sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie, Klaus Bräunig, die sogenannte DAT-Liste über die Verträglichkeit von E10 sei rechtsverbindlich.

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KOMMENTARE

Rolf Achtzig

09.03.2011 - 20:53 Uhr

Was für ein Kasperletheater, das diese drei Regierungsclowns zusammen mit Mineralöl- und Automobilindustrie da veranstaltet haben. Fast könnte man drüber lachen, wäre die Berliner Luftnummer nicht aus Steuergeldern finanziert. Was heißt eigentlich rechtsverbindliche Listen? Zahlt mir der Hersteller einen neuen Motor, wenn an meinem zehn Jahre alten Wagen die Verwendung des „öko-Sprit“ doch zu Schäden führt obwohl er E10 eigentlich vertragen müsste? Oder zahlt den dann die Mineralölindustrie: oder noch besser die Weinkönigin Brüderle direkt? Meine Prognose: Am Ende zahlt der Verbraucher, weil die Garantien von gestern das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Und weil die Verbraucher das auch wissen und cleverer sind, als unsere Minister in Berlin zu glauben scheinen, bleibt die Mineralölindustrie weiter auf dem Zeug sitzen. Spätestens im Mai laufen die Lager dann über. Und dann wird man die Suppe mit Super Plus strecken und als E 7,5 verkaufen. Alternativ könnte man E10 auch deutlich billiger anbieten, doch das wird die Mineralölindustrie nicht wollen; ganz zu schweigen von Vater Staat, denn würden solche Pläne existieren, wäre auch Herr Schäuble beim Sprit-Gipfel dabei gewesen, um eine steuerliche Subventionierung des vermeintlichen Öko-Benzins in Aussicht zu stellen. Weiterhin viel Spaß an der Tanke wünscht Rolf Achtzig!


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