Fahrbericht VW Golf 8: Alles anders – alles wie immer

Anfang Dezember steht der neue VW Golf bei den Händlern.
© Foto: VW

Seit Jahrzehnten waren wir daran gewöhnt: Ein neuer Golf entwickelt sich äußerlich behutsam und geht bei den inneren Werten immer nur so weit, wie es sein muss und wie es die zahlreichen Kunden nicht überfordert. Das gilt im Prinzip auch für die kurz vor der Markteinführung stehende achte Generation. Im Prinzip…

Von Peter Eck/SP-X

Kein neuer Golf ohne die Wasserstandsmeldung zur Verkaufszahl: Kurz vor dem Start der achten Generation meldet Wolfsburg "über 35 Millionen" verkaufte Exemplare seit 1974. Der Golf der achten Generation soll und muss da noch einige Millionen drauflegen. Auch wenn sich seine Rolle in den nächsten Jahren verändern wird. Einerseits, weil andere Modelle wie etwa ein Tiguan oder ein T-Roc immer wichtiger werden und andererseits gibt es ja ab nächstem Jahr den vollelektrischen ID.3, dem der Golf im September auf der IAA schon die Bühne überlassen musste. Aber jetzt ist Deutschlands Lieblingsauto ja da, steht Anfang Dezember bei den Händlern. Die Preise starten bei 19.990 Euro für den allerdings zunächst noch nicht verfügbaren 1,0-Liter-TSI (66 kW / 90 PS). Weitere Preise nannte Volkswagen bei der Vorstellung irritierenderweise noch nicht und begründete dies mit noch fehlenden "behördlichen Freigaben".

Bevor wir den Zündschlüssel oder auch wahlweise das Smartphone, dazu später mehr, in die Hand nehmen, ein Blick auf die Karosserie. Zunächst sieht der Golf aus wie – na ja, wie ein Golf eben. Probleme mit der Wiederkennung dürfte es kaum geben. Was eine echte Leistung der Designer ist, denn tatsächlich unterschied sich im Detail kaum mal ein Golf deutlicher von seinem Vorgänger als dieser.

Zwar gibt es bei den Maßen wenig Veränderungen, zwei Zentimeter mehr in der Länge (jetzt: 4,28 Meter), zwei Zentimeter weniger Höhe (1,46 Meter) und eine fast unveränderte Breite (1,79 Meter). Kein Wunder, wird der Golf 8 doch aus dem gleichen, nur etwas weiterentwickelten sogenannten Modularen Querbaukasten (MQB) "gebaut" wie sein Vorgänger. Gewöhnen muss man sich aber an das Heck mit dem neuen, zweidimensionalen Markenlogo, das vielleicht nicht jedermann auf Anhieb gefallen wird. Das Typenschild in neuer Schrift steht jetzt mittig darunter. Die schwungvolle C-Säule bleibt auch in der achten Generation erhalten.

Keilförmiger in der Seitenansicht

In der Seitenansicht wirkt der Golf aber deutlich keilförmiger. Das ergibt sich aus einer tiefer heruntergezogenen Front mit schmalen, serienmäßigen LED-Scheinwerfern und dem höher angesetzten Heck. Sie werden durch eine ebenfalls hoch angesetzte Gürtellinie miteinander verbunden. Gleichzeitig steht dadurch auch weniger Fensterfläche zur Verfügung. Wie sich das auf die Qualität der Rundumsicht auswirkt? Tatsächlich kaum. Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern war der Golf durch sein klares, kantiges Design immer schon gut zu überblicken und bot im Fond zudem relativ viel Platz. Das ist auch weiterhin der Fall.

Vorne empfangen gewohnt gute Sitze – und den Fahrer ein geradezu revolutionär neues Cockpit. Da wo früher klassische Instrumente waren, sieht er heute immer auf ein knapp über zehn Zoll großes Display, ergänzt durch ein weiteres, mittiges Display mit 8,25 Zoll oder optional zehn Zoll. Das sind aber nur äußere Anzeichen einer tiefgreifenden Modernisierung. Denn jeder Golf 8 ist ans Internet angeschlossen, was beispielsweise den Nachkauf einzelner Features wie eines Fernlichtassistenten oder eines Adaptivtempomaten ermöglicht. Auch die Sprachsteuerung könnte man so erwerben, wenn sie nicht gleich beim Kauf gewählt wurde. Sie funktioniert ähnlich wie etwa das MBUX-System im Mercedes und aktiviert sich auf den Zuruf "Hallo, Volkswagen".

Alles was mit "Licht und Sicht" zu tun hat, ist nun auf einer links vom Lenkrad platzierten "Touchinsel" zusammengefasst. Dagegen lässt sich nichts einwenden. Für die Lautstärke- und die Temperaturregelung liegen unter dem Navi-Bildschirm sogenannte "Slider", die man mit einem Finger in einer Vertiefung regeln kann. Rings um den darunter angebrachten Warnblinkschalter sind zudem Tasten für Direktzugriffe auf Funktionen wie Parken, Assistenzsysteme und Klimatisierung angebracht.

Zugang per Schlüssel oder Smartphone

Den Zugang zum Golf kann man sich weiterhin per Funkschlüssel verschaffen, oder per Smartphone. So mag man sein Fahrzeug auch temporär oder ständig für andere Fahrer, etwa Familienmitglieder, freigeben. Wir möchten allerdings wetten, dass der Großteil zumindest der deutschen Käufer weiterhin nur auf den Schlüssel setzen wird.


VW Golf 8 (2020)

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Zum Antrieb stehen zunächst fünf Vierzylinder-Motorisierungen bereit, darunter zwei 2,0-Liter-Diesel mit 85 kW / 115 PS und 110 kW / 150 PS, letzterer stets mit DSG. Beide Motoren arbeiten mit einer zweifachen Adblue-Einspritzung, was die Stickstoff-Emissionen um 80 Prozent reduzieren soll.

Zudem gibt es Benziner mit 1,5-Liter Hubraum und 96 kW / 130 PS oder 110 kW / 150 PS, jeweils mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Immer mit DSG kommen die Mildhybride die unter der Bezeichnung eTSI laufen. Zu Beginn gibt es die Version mit 110 kW / 150 PS. Später wird es die Mildhybride auch für die Varianten mit 81 kW / 110 PS und 96 kW / 130 PS geben. Im Vergleich zum jeweiligen Aggregat ohne Hybrid-Unterstützung soll die Kraftstoffersparnis laut VW bei ungefähr zehn Prozent liegen. Im kommenden Jahr wird die Motorenpalette nach und nach komplettiert, unter anderem mit zwei Plug-in-Hybriden (150 kW / 204 PS und 180 kW / 245 PS), den Basisbenzinern und den sportlichen GTD-, GTI- bzw. R-Modellen, letzterer mit über 300 PS. Auch eine Erdgas-Variante des 1,5-Liter-Ottomotors wird es wieder geben.

Spürbare Verbesserungen

Und wie fährt sich der neue Golf nun? Unspektakulär, sicher und dynamisch – also eigentlich wie gehabt. Nur dass das Fahrwerk schlechte Straßen nochmals besser wegfedert, der Innenraum noch besser gegen die Außenwelt abgeschirmt wirkt und vor allem das Handschaltgetriebe einen spürbaren Sprung nach vorne gemacht hat. In Verbindung mit dem vierzylindrigen 130-PS-Benziner überzeugt der Sechsgänger mit butterweichen, aber dennoch präzisen Schaltwegen. Die Abstufung der Gänge ist perfekt, wir würden nur extrem schaltfaulen Menschen das teure und manchmal etwas harsche DSG-Automatikgetriebe als Extra empfehlen. Auch der 150-PS-Ottomotor muss nicht sein, klar, er entwickelt schon nochmals merklich mehr Kraft. Wer aber nicht ständig auf der Autobahn unterwegs ist, wird die 20 Mehr-PS kaum benötigen.

Und wer häufig auf deutschen Highways unterwegs ist, wird sowieso zum Diesel greifen, der uns in der größeren 150-PS-Version bei den Testfahrten wenig überraschend einmal mehr mit mächtigem Antritt überzeugte. Auch hier fiel uns die überragende Dämmung auf, sodass man schon bei geringer Geschwindigkeit meint, in einem Benziner zu sitzen. Das in jeder Version narrensichere Fahrverhalten ist sowieso ein Erfolgsfaktor des Golf und Grund dafür, dass er gebraucht auch ein Liebling von Fahranfängern ist.

Schön, dass der Golf jetzt über ein "richtiges" Head-up-Display verfügt, die Infos zu Navi, aktueller und zulässiger Geschwindigkeit also direkt in die Windschutzscheibe und nicht in eine immer ein wenig nach Notlösung aussehende vorgelagerte Scheibe projiziert. Was der Golf meist gegen Aufpreis alles an Infotainment- und Assistenzfunktionen bietet, vom Internet-Radio über die Kommunikation zu anderen mit entsprechender Technik ausgestatteten Fahrzeugen (Car2X) bis hin zu umfangreichen und auf andere Gölfe übertragbare Personalisierungsmöglichkeiten – dies zu beschreiben, würde den Rahmen hier sprengen.

Optisch und technisch hochmodern

Sein erstes Ziel hat der Wolfsburger Bestseller auf jeden Fall erreicht. Er ist optisch und technisch hochmodern und liegt in der Kompaktklasse bei Motoren, Assistenten und Infotainment jetzt wieder ganz vorne. Und dies, obwohl man sich trotz der vielen Neuerungen auch im Golf 8 wieder mal von Anfang an zuhause fühlt. Und das ist vielleicht sogar die wichtigste Voraussetzung, um die Erfolgsgeschichte noch einige Jahre fortzuschreiben.

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