BMW i8: Stecker gezogen

Im April stellt BMW nach gut sechs Jahren den i8 ein.
© Foto: BMW

"Die Zukunft ist jetzt" lautet der Slogan für den BMW i8. Doch der i8 hat keine Zukunft mehr. Außer vielleicht als Kultmobil.


Datum:
11.03.2020

NOCH KEINE Kommentare

jetzt mitdiskutieren



Von Mario Hommen/SP-X

Immer wieder hat es BMW geschafft, sportliche Ikonen zu erschaffen, die weit über ihre Zeit als käufliches Serienfahrzeug die Autowelt begeistern. Dazu gehören unter anderem Sportwagen wie der M1 oder der Z8. Ob der Hybridsportler i8 ebenfalls das Zeug zum ewig faszinierenden Klassiker hat, wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen. Seine Karriere als Serienmodell geht jedenfalls im April zu Ende.

2009 kündigte BMW den auch heute noch futuristisch anmutenden Sportwagen mit dem Concept Vision Efficient Dynamics an. Mit seinem ungewöhnlichen Design sowie einem 262 kW / 356 PS starkem Plug-in-Hybridantrieb sorgte der 2+2-Sitzer für Aufsehen, denn mit einer Sprintzeit von 4,4 Sekunden und einem Verbrauch von 3,7 Liter löste er den Zielkonflikt von Fahrspaß und Effizienz in vermeintlich verblüffender Weise. Er sollte das Flaggschiff der 2010 gegründeten Submarke BMW i werden, die mit elektrifizierter Antriebstechnik und regenerativ herstellten Leichtbauteilen aus Carbon den Weg der Marke in eine ökologisch korrektere Zukunft ebnen sollte.

Die wurde im Sommer 2014 zur Gegenwart, als die ersten in Leipzig mit viel Handarbeit gefertigten i8 in München an Kunden übergeben wurden. Doch obwohl der Hybridsportler damals vielen wie das richtige Auto zur richtigen Zeit erschien, vermochte er keine Euphorie entfesseln. Den einen war er als Sportwagen nicht sportlich genug, den anderen als Ökomobil in der Praxis nicht klimafreundlich genug. Da waren reine E-Autos besser. Zwar kann der i8 dank großer Batterie über 50 Kilometer weit rein elektrisch und damit emissionsfrei fahren, doch mit dem Dreizylinder als Hauptantriebsquelle wurden in der Praxis meist doch sieben Liter Benzin oder mehr auf 100 Kilometer verfeuert. Darüber hinaus war der i8 mit einem Preis von 126.000 Euro ein selbst für BMW-Verhältnisse teures Modell und ohnehin kein Auto für die Massen.


BMW i8 Roadster

Bildergalerie

Ob der i8 einen ähnlichen Platz in der BMW-Historie einnehmen wird wie ein 507 oder Z8, wird die Zukunft zeigen.
© Foto: BMW

Mag die Antriebstechnik zunächst noch fortschrittlich gewirkt haben, mutet sie angesichts der dynamischen Entwicklungen in Bereich der E-Mobilität aus heutiger Sicht schon fast veraltet an. Auch aus dem einstigen Carbon-Hype scheint die Luft schon wieder raus zu sein. 2011 hatte sich BMW 49 Prozent am Carbon-Spezialisten SGL gesichert und Ende 2017 bereits den Ausstieg aus dem Joint-Venture angekündigt. Auch dieser Strategiewechsel dürfte mit ein Grund für das Ende des i8 sein.

Doch vor allem stehen i8 und i3 für eine mittlerweile auch im BMW-Konzern veraltete Elektrostrategie. Mit seinen beiden i-Modellen waren die Münchener zunächst Avantgarde, doch derartige, rein auf E-Antriebstechnik zugeschnittene Single-Purpose-Fahrzeuge soll es bei BMW nicht mehr geben. Künftige Stromer werden auf Plattformen basieren, die sich für viele verschiedene Antriebsarten und Aufbauten eignen. Mit Hilfe dieser vielseitig nutzbaren Architekturen will der bayerische Autobauer sein Angebot allein bis 2023 auf 25 elektrifizierte Modelle massiv ausbauen.

I8 könnte Kult-BMW werden

Trotz seines hohen Preises sind rund 20.000 i8 in den vergangenen sechs Jahren in Leipzig vom Band gerollt. Zumindest die relativ kleine Produktionszahl könnte als Indikator gedeutet werden, dass der Flügeltürer in einer ferneren Zukunft vielleicht zum Kult-BMW aufsteigt. Vom 507 wurden 254, vom M1 nur 399 und vom Z8 rund 5.000 Stück gebaut. Sie waren eines ganz sicher nicht: Verkaufsschlager. Und doch zählen sie heute zu großen Meilensteinen der sportlichen BMW-Historie.  

Bleibt noch die Frage, ob der i8 einen Nachfolger bekommen wird? 2019 hat BMW mit der Studie Vision M Next immerhin Ausblick auf einen potentiellen Kandidaten gegeben. Der möglicherweise richtungsweisende Spaß-Keil kann mit einem 600 PS starken Mix aus Vierzylinder-Benziner und zwei E-Motoren und 100 Kilometer elektrischer Reichweite den i8 jedenfalls locker hinter sich lassen. Ökologie und Sportlichkeit werden sich in Zukunft wohl weit eindrucksvoller als beim i8 in Einklang bringen lassen. Der der bald eingestellte Hybridsportler war ein Wegbereiter dahin.

HASHTAG


#Sportwagen

Mehr zum Thema


#BMW

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Referent Automotive (w/m/d)

Dorfmark (zwischen Hamburg und Hannover)

KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.