90 Jahre BMW Roadster: Aller Sportwagen Anfang

Familientreffen der besonderen Art: BMW-Roadster von BMW 3/15 bis BMW Z4.
© Foto: BMW

Winzige Kleinwagen haben BMW in Fahrt gebracht, weltweites Renommee als Spezialist für sportliche Fahrzeuge gewannen die Bayern aber erst ab 1930 durch rassige Roadster. Vor allem der BMW 328 avancierte zur zeitlosen Ikone, die alle folgenden Zweisitzer inspirierte, vom 507 über den Z1 bis zum BMW Z4.


Datum:
29.07.2020
Lesezeit: 
5 min

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Von Wolfram Nickel/SP-X

Er steht für den Anfang aller automobilen Dinge. Der Roadster verkörpert das klassische, puristische Cabriolet, also die Karosserieform, mit der das Automobil laufen und rennen lernte. Genau so war es auch bei BMW, jenem automobilen Spätstarter, der schon mehr als ein Jahrzehnt Erfolge mit Flugaggregaten und Motorrädern verzeichnete, als er die Thüringer Fahrzeugfabrik Eisenach übernahm und 1929 den dort als Dixi in Lizenz gebauten winzigen englischen Austin Seven unter eigenem Logo auflegte. Tatsächlich sicherte sich dieser Typ BMW 3/15 PS in der Fachwelt Anerkennung, aber wirklich begehrenswert wurde er erst 1930 als Roadster BMW 3/15 PS DA 3 "Typ Wartburg". Mit auf 13 kW / 18 PS gesteigerter Leistung schrieb dieser Kraftzwerg Motorsportgeschichte. Raste doch Rennfahrer Robert Kohlrauch in dem Roadster drei Jahre lang von Sieg zu Sieg und nach 27 Triumphen war BMW eine anerkannte Marke im Sportgeschäft. Zu globaler Größe stiegen die Bayern aber erst einige Roadster-Typen später auf. Es war der BMW 328 mit starkem Sechszylinder in ikonischen Roadster-Konturen, der sich ab 1936 als Rennsportlegende und Vorbild für spätere leichtfüßige und verführerisch geformte Straßensportwagen in die Geschichtsbücher einschrieb. Ein Herzstück der weißblauen Marke, dessen Idee die folgenden offenen Zweisitzer zitieren, vom ultrateuren V8-Roadster BMW 507 über den visionären Z1, das erste Volumenmodell Z3, den Plug-in-Hybriden i8 bis hin zum in drei Generationen gebauten Z4.

Großes "Maul" und flache Linie

Kleinwagen gab es schon en masse als BMW 1929 den Dixi auflegte, aber die mutige Entscheidung, mitten in der Weltwirtschaftskrise einen rassigen Mini-Roadster lancieren, garantierte dem drei Meter kurzen und überaus agilen BMW 3/15 PS "Typ Wartburg" auf Anhieb Kultstatus. Den nächsten Coup landeten die Bayerischen Motoren Werke 1934 mit dem Sechszylinder-Doppel aus BMW 315/1 und BMW 319/1 Roadster. Wesentlicher Unterschied war der Motor, der beim 319/1 von 1,5 Liter auf 1,9 Liter Hubraum vergrößert worden war. Beide Typen begeisterten Sportwagenfans durch eine aufregende Karosserieform mit klassischen Roadster-Attributen wie großem "Maul", langer Motorhaube und flacher Linie sowie Siegfähigkeit bei Renneinsätzen - gewichtsreduziert auf federleichte 380 Kilogramm. Noch 1939, lange nach dem Ende seiner Produktionszeit, gewann der 315/1 die Deutsche Straßenmeisterschaft.

Übrigens verbanden alle frühen BMW-Roadster die Charakteristika klassischer britischer Sportler mit bayerischer Ingenieurskunst derart gekonnt, dass die schnellen BMW im Inselreich ab 1935 erfolgreich unter der Marke Frazer-Nash vertrieben wurden. Dazu zählte ein Jahr später auch der revolutionäre BMW 328 in futuristischen Formen mit semi-integrierten Scheinwerfern und dem furiosesten Zweiliter-Sechszylinder seiner Epoche als Herzstück. 59 kW / 80 PS leistete das bissige Kraftwerk im Serienzustand, routinierte Racing-Ingenieure entlockten dem Aggregat aber bis zu 88 kW / 120 PS. Damit demütigte der 328 schon 1936 bei seinem Debütrennen auf dem Nürburgring die Konkurrenz – inklusive der gefürchteten Kompressor-Sportwagen. In mehr als 100 Wettbewerben triumphierte der rasanteste Roadster seiner Epoche, noch während des Zweiten Weltkriegs holte der BMW 1940 den Mille-Miglia-Gesamtsieg. Trotzdem blieb seine Stückzahl mit 464 Einheiten gering, darin entsprach er seinen Vorgängern, die alle vergleichsweise teuer eingepreist waren und ihre Kunden vorzugsweise in Motorsportkreisen fanden.


BMW Roadster 90 Jahre

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"Die große Ferne souverän durchmessen - stolzes Vorrecht am Lenkrad eines BMW. Eines Zeitraffers.", versprach die BMW-Werbung in den 1950erJahren. Im Falle des 1955 eingeführten BMW 507 Roadsters mit weltweit erstem in Serie gebautem Aluminium-V8 bedeutete dies eine Vmax von amtlich attestierten 220 km/h. Ermittelt von BMW-Technikern zusammen mit dem TÜV auf der dafür eigens abgesperrten Autobahn München-Eiching. Genug Tempo für den grandios designten 507, um nicht außer Sichtweite zu geraten hinter dem leistungsstärkeren Flügeltüren-Mercedes 300 SL. Was die siegverwöhnte Rennfahrerlegende Hans Stuck unterstrich, als er mit dem BMW 507 etwa am Schauinsland aufs Podium fuhr. Astronomisch hohe Preise verhinderten jedoch eine Volumenproduktion des 507 und daher blieb es bis zum offiziellen Produktionsende des BMW 507 im Jahr 1959 bei nur 254 Fahrzeugen, während etwa vom Mercedes-Benz 300 SL insgesamt 3.258 Gullwing und Roadster gebaut wurden. Es waren vor allem wohlhabende Showstars und Sportler, die sich mit der Münchner Prestigeklasse selbst inszenierten. Allen voran der King of Rock 'n' Roll Elvis Presley, der 1958 während seiner Dienstzeit im hessischen Bad Nauheim einen weißen BMW 507 kaufte, diesen rot lackierte und mit nach Amerika nahm.

Z1 ging als neuer Kurvenkönig in Serie

Als hochdotiertes Design-Juwel gilt der 507 bis heute. So setzte BMW dem 507 im Jahr 2000 ein Denkmal in Form eines neuen exklusiven Supersportwagens. Der in Handarbeit gefertigte 294 kW / 400 PS starke Achtzylinder Z8 gab sich als moderne Interpretation des 507. Ihren Beginn nahm die BMW-Z-Story allerdings schon auf der Messe IAA 1987 mit der Enthüllung des Technologieträgers Z1. Dessen dynamische und dank versenkbarer Türen radikal offene Roadsterkarosserie aus Kunststoff war ohne Vorbild. Klar, dass die Roadster-Fans einer Produktion dieses leichten Luftikus entgegenfieberten, zumal das Roadster-Firmament damals ansonsten nur Oldies wie den Alfa Spider funkeln ließ. BMW machte den Traum wahr und ab 1988 ging der Z1 mit Frontmittelmotorkonzept als neuer Kurvenkönig in Serie. Dass der BMW Z1 so viel kostete wie gleich zwei Alfa oder auch BMW 325i, mit dem er sich den 125 kW / 170 PS starken Sechszylinder und die Antriebstechnik teilte, steigerte die Attraktivität des auf 8.000 Einheiten limitierten Roadsters nur noch.

BMW-Roadster-Vergnügen in Großserie bot ab 1995 erstmals der BMW Z3. Gebaut in neuem US-Werk und das anfangs in etwas nachlässiger Qualität avancierten die bezahlbaren Vier- und Sechszylinder zum bis heute meistgebauten Zweisitzer mit BMW-Logo. Fast 300.000 Z3 wurden bis 2002 ausgeliefert, dann übernahm die Z4-Dynastie das Roadster-Zepter. Die Erfolge des Z3 konnten die bislang drei Z4-Generationen zwar nicht ganz fortschreiben, aber das lag nicht am fehlenden Faszinationspotential dieser Sportler, sondern am allgemein abebbenden Cabrio-Hype. Offen für neue Frischluftwege bleiben die BMW-Roadster bis heute, wie der 2018 lancierte i8 als erster deutscher Roadster mit Plug-in-Hybridtechnik zeigte. Dagegen legt der BMW Z4 dritter Generation sogar die Grundlage für eine Kooperation mit Toyota, denn der japanische GR Supra ist die Coupé-Interpretation des Münchner Roadster-Konzepts. Bleibt abzuwarten, welche gewagten Open-Air-Stars die experimentierfreudigen BMW-Designer künftig zeigen. Gewiss scheint nur, dass erneut die Ideen des BMW 328 und des BMW 507 aufgegriffen werden, wie schon viele verführerische Studien zeigten. So geschehen 2008 mit Gina Light Vision und einer Karosserie aus flexiblem Gewebe oder dem 2011 gezeigten 328 Hommage.

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