50 Jahre Alfa Romeo Spider: Pizza di Pininfarina

Der Alfa Spider zählt zu den verführerischsten Roadstern der Autogeschichte.
© Foto: Alfa Romeo

Der Kultdesigner Pininfarina kleidete den Alfa Spider in unvergänglich schöne Formen, die fast 30 Jahre gebaut wurden. So überlebte der offene Zweisitzer alle Rivalen – um danach mit einem Japaner die Roadster zu revitalisieren.


Datum:
11.04.2016

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Von Wolfram Nickel/SP-X

Schöne Cabriolets und Sportwagen gehören zu Italien wie Pasta und Pizza. Weshalb die Modellbezeichnung Pizza tatsächlich zu den Favoriten bei der Namensfindung für den rassigen Alfa Romeo Spider zählte, der auf dem Genfer Salon 1966 seine Weltpremiere feierte. Während die deutsche Alfa-Werbung den schnellen Sportler schlicht zum "Schönsten unter der Sonne" erklärte, suchte die damals noch in Mailand beheimatete Marke mit einem Wettbewerb nach einem ebenso markanten wie klangvollen Namen für den Nachfolger der legendären Giulia Spider. Am Ende wurde das neue Cabrio aus dem Designstudio der Carrozzeria Pininfarina dann doch nicht Pizza, Lucia oder Lollobrigida genannt, sondern schlicht Duetto.

Eine passende Bezeichnung für den Zweisitzer, die dennoch nie am Fahrzeug verwendet wurde und schon zwei Jahre später Vergangenheit war. Wichtiger war Alfa das elegante Pininfarina-Signet an der Fahrzeugflanke, das übrigens auch den zeitgleich entwickelten, wichtigsten Konkurrenten des Duetto schmückte - den Fiat 124 Spider. Dritter im Bunde der Pininfarina-Kollektion für den heißen Sommer vor 50 Jahren war der exklusive Fiat Dino Spider. Der Alfa Romeo in seinem luftig-eleganten Kleid blieb aber am längsten aktuell. Als er 1994 einem Nachfolger Platz machte, hatte er alle zeitgenössischen Wettbewerber überlebt und nicht einmal dem neuen Mazda MX-5 das Feld überlassen müssen. Im Gegenteil, gemeinsam mit dem japanischen Youngster sorgte der italienische Altstar noch für eine belebende Brise im Segment der damals fast ausgestorbenen relativ günstigen Roadster.

Mit seinen weichen und feinen Linien ist der Spider nicht Macho, aber er war zu seiner Zeit dennoch vor allem Männersache. Das bewirkten sein kurvenhungriges Fahrwerk und die drehfreudigen Motoren. Nicht zu vergessen natürlich seine Fahrer, die in erster Linie männlich und außerdem vorzugsweise Amerikaner waren. So wie Filmheld Benjamin Braddock, der im 1967 lancierten Hollywoodepos "Die Reifeprüfung" einen Spider 1600  geschenkt erhielt. Das perfekte Auto für die amerikanischen Sonnenstaaten. Zu den Songs von Simon and Garfunkel jagte Braddock alias Schauspielstar Dustin Hoffman mit dem Alfa die Pazifikküste rauf und runter, immer auf der Suche nach dem Glück mit Mrs Robinson bzw. ihrer Tochter Elaine. Die Kinowelt war begeistert – und die Amerikaner blieben bis Mitte der 1990er Jahre die größten Fans der italienischen Sportwagen. Zumal der allererste Alfa Spider auf ebenso stilvolle wie pompöse Art zu seiner Premierenparty in New York eintraf: An Bord des gerade erst in Dienst gestellten italienischen Luxusliners Raffaello, der beiderseits des Atlantiks als Inbegriff italienischer Schiffbaukunst gefeiert wurde. Tatsächlich entfachte der Faltdach-Alfa Romeo einen Hype, der sogar auf alle offenen Fiat übersprang.

Anfangs heftig kritisiert

Trotz aller frühen Lorbeeren für das finale Werk von Battista Pininfarina, der nur einen Monat nach dem Debüt seines letzten Sportwagens verstarb, erntete der rundliche gezeichnete Duetto anfangs aber auch heftige Kritik. Besonders die Fans der vorausgegangenen leicht barocken Giulia und Giulietta Spider, störten sich an der neuen Sonnenanbeterin mit dem rundlichen Heck, dass sie leicht spöttisch Osso di Sepia (Rückenschale des Tintenfischs) nannten. Im Haus Pininfarina konnte man diese Kritik zwar nicht nachvollziehen, zumal die Formen des Spiders schon seit 1956 durch eine ganze Serie von Showcars angekündigt worden waren. Aber Alfa Romeo und der inzwischen die Carrozzeria führende Sergio Pininfarina reagierten rasch, indem sie dem Spider schon 1969 ein Fastback spendierten. Zusammen mit einem erweiterten Motorenprogramm – zuerst machte Ende 1967 das 1,6-Liter-Doppelnockenwellen-Triebwerk dem stärkeren 1750-Veloce mit 87 kW / 119 PS Platz, dann folgte 1968 ein 1,3-Liter-Basisaggregat mit 65 kW / 89 PS, galt der Alfa Spider nun als formvollendet für die italienischen Momente im Leben aller Sportwagenliebhaber.

Eine gute Figur machte das Cabrio mit dem Mailänder Stadtwappen als Markenzeichen auch in den Verkaufsstatistiken, wie insgesamt über 124.000 produzierte Einheiten belegen. Zu einer richtigen Bestsellerkarriere wie sie der Fiat 124 Spider oder der MG B hinlegten, reichte die Popularität des Alfa Spider allerdings nicht ganz. Was vielleicht an der Preisgestaltung gelegen haben mag, denn die durch das Alfa-Scudetto gekennzeichnete Frischluft-Feinkost kostete stets einen milden Aufschlag gegenüber der Brot-und-Butter-Konkurrenz. Andererseits gewann der Alfa Spider fast alle Vergleichstests in der Fachpresse, egal ob gegen Fiat, Triumph (TR4A bis TR6), MG (B) oder Datsun (Fairlady 1600 Roadster). Ob Laufkultur der Motoren, Leistung, Handlichkeit oder Komfort, kaum ein Kriterium, bei dem der Alfa nicht punkten konnte. Allein das geringe Drehvermögen besonders des langhubigen 1750-Motors wurde bisweilen bemängelt. Andererseits kompensierte der Vierzylinder diesen kleinen Schönheitsfehler durch eine überragende Elastizität und einen markanten Sound, den noch Mitte der 1970er Jahre manche deutschen Alfa-Händler gezielt einsetzten, um Kunden in die Schauräume zu locken. Dazu genügte es einen Spider an den Straßenrand zu stellen und das Warmlaufen des kehlig-kraftvoll röhrenden Motors öffentlichkeitswirksam zu zelebrieren. Das Ergebnis war für Tifosi mit Benzin im Blut ein Gänsehautgefühl wie bei einem frühen Rockkonzert von Gianna Nannini.

Bezahlbarer Roadster

Damals erreichte der Fahrspaß-Italiener gerade den lang anhaltenden Zenit seiner Laufbahn, gab es ihn doch seit 1971 auch als fast 200 km/h schnellen Spider 2000 Veloce. Regelmäßige optische und technische Updates hielten die Modellreihe frisch, eine komplette Erneuerung war nicht notwendig. Schließlich führte das allgemeine Roadstersterben dazu, dass der Alfa ab Anfang der 1980er nur noch einen einzigen Konkurrenten hatte: Den zeitgleich eingeführten Fiat 124 Spider, der sein Überleben ebenfalls vor allem den Italo-begeisterten Amerikanern verdankte. Obwohl sich der Alfa Spider 1983 mit Gummilippen und Spoilerwerk in einen Aerodinamica genannten Tarnanzug gezwängt hatte und so nicht wenige Fans entsetzt aufschreien ließ, hielt er am Ende allein die Fahne der bezahlbaren Roadster hoch.

Erst der Sensationserfolg des 1989 präsentierten Mazda MX-5 führte zu einem Nachdenken im Hause Fiat, dem Alfa Romeo drei Jahre zuvor zugefallen war. Zurück zu den Ursprüngen lautete nun die Devise. Mit neuen, in Wagenfarbe lackierten Plastikteilen orientierte sich der Alfa Spider deshalb ab 1990 an der Formensprache des Fastback-Urmodells. Auch als 1994 die allerletzten Spider abverkauft waren, endete die Geschichte dieses Frischluftklassikers noch nicht. Die Fans halten ihm bis heute die Treue und machten den Alfa in Deutschland zum populärsten H-Kennzeichen-Oldtimer aller Importmarken. 


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