Donnerstag, 27.06.2019
Verkehrsblatt IVW
02.05.2019

¬ Geschichte des Autoschlüssels

Vom Metallstück zum virtuellen Fingerabdruck

Bosch Zündschluessel


© Foto: Bosch

zum Themenspecial App

Von Mario Hommen/SP-X

Einst sind Automobile ganz ohne ihn ausgekommen, doch vor über hundert Jahren startete der Zündschlüssel zum Siegeszug und durchlebte seither eine Reihe von Wandlungen in Form und Funktion. Die Evolution vom einfachen Metallstück mit Schließfunktion zum elektronischen Multitalent ist noch jung. Doch in naher Zukunft dürfte das als Prestige-Objekt oftmals aufwendig inszenierte Kleinod dank der allgegenwärtigen Vernetzung ausgedient haben.

Um 1900, als Automobile im Straßenbild noch eine Sensation waren, wurde das Konzept eines Zündschlüssels gerade erst erdacht. Bei den ersten Autos war der Startvorgang noch viel zu komplex als das er sich mit einer kleinen Handbewegung hätte initiieren lassen. Gut geschulte Chauffeure mussten in mehreren Schritten mit einem komplexen Ablauf den Motor starten. Die Aktivierung einer Zündung per Drehschalter war nur einer davon. Diebstahlsicherung war zu der Zeit noch kein Thema.

Auch die Erfindung des Anlassers 1899 hat dem Autoschlüssel nicht gleich zum Durchbruch verholfen. Bei den ersten Autos mit einem Anlasser waren Diebstahlsicherung und Motorstarts noch längst nicht kombiniert. Um 1910 gab es die ersten Anfänge, auch einen Diebstahlschutz per Schlüssel einzuführen, indem etwa der Stromkreis für die Zündung per Schlüssel geschlossen wurde. Den Motor selbst musste man zumeist noch per Drehkurbel zum Leben erwecken.

Zünd-Anlass-Schalter in der 1920er Jahren

Erst in den 1920er-Jahren hat man als Nobellösung erstmalig Zünd-Anlass-Schalter in Autos montiert. Dabei wurde in einer Bewegung der Stromkreis geschlossen und zugleich der Anlasser gestartet. Nach dem Abziehen ließ sich sogar das Lenkrad einrasten. Parallel kam in dieser Zeit das Abschließen das Fahrzeugs in Mode, wofür allerdings ein separater Schlüssel eingesetzt wurde.

Künftig fungierten Autoschlüssel auch als Symbol für den Besitz des Automobils, weshalb diese selbst gerne als Schmuckstück inszeniert wurden. Dabei haben die Autohersteller immer wieder kreative Serienlösungen entwickelt, reiche Kunden leisteten sich zudem individuelle Nobellösungen. So wurde für einen Mercedes SL 300 der Königin Soraya eigens ein Zündschlüssel aus Gold gefertigt. Auch heute noch werden Schlüssel gerne individualisiert. Das Angebot reicht von bunten Plastikschalungen bis zu aufwendigen Schmuckarbeiten. Die Berliner Manufaktur Noblekey hat sich vor einigen Jahren darauf spezialisiert, besonders edle Schlüssel nach ganz individuellen Wünschen herzustellen. Einstiegsmodelle gibt es für untere vierstellige Summen, Sonderanfertigungen können so viel wie ein neuer Mittelklassewagen kosten.

Bosch Zündschlüssel
Bosch Zündschluessel
Bosch Zündschlüssel
Bosch Zündschlüssel

Für normale Autos hingegen blieb es hingegen meist bei Standardware aus Stahl und das in oft üppigen Bündeln. So wurden teilweise für Zündschloss, Fahrer- und Beifahrertür, Kofferraum oder Tankdeckel unterschiedliche Schlösser montiert, weshalb sich für manches Mobil die Zahl der Schlüssel auf eine in der Praxis unhandliche Menge summierte. Das erste Auto, bei dem sich Zünd- und Türschlüssel vereinten, kam 1949 von Chrysler, doch erst ab den 60er-Jahren setzte sich die Kombination von Zünd-ist-gleich-Türschlüssel durch. Oft wurde bei diesem die Schlüsselreide, also dem griffigen Teil oberhalb vom Schlüsselbart, als Markenemblem inszeniert, später gerne gerahmt von einer Kunststoffummantelung.

In diese Schlüsselreide wurden dann sogar Funktionen integriert. So waren einige Zeit kleine Taschenlampen en vogue. Viel wichtiger: Ab Mitte der 90er-Jahren setzte sich die Zentralverriegelung durch, dank der ein Schlüsseldreh reichte, um allen Gästen Zugang zu gewähren. Mit der Integration von Fernbedienungen in den Schlüssel, die ein elektronisches Signal ans Fahrzeug senden, erhöhte sich der Schließkomfort weiter, denn fortan reichte ein kurzer Druck, um das Fahrzeug zu öffnen. Der eigentliche Zündschlüssel versteckte sich meist im Plastikgehäuse, aus dem er sich per Knopfdruck ausklappen ließ.

Schlüssel nahm unterschiedlichste Formen an

Der nächste wichtige Schritt war die Einführung von Keyless-Systemen, die oft auch ein schlüsselloses Öffnen und Schließen ermöglichten. Zunächst auf Knopfdruck, später auch einfach automatisch per Funksignal. Zündschloss und Zündschüssel wurden dabei obsolet und der Motorstart per Knopfdruck initiiert. Der Schlüssel als Signalgeber nahm unterschiedlichste Formen wie etwa eine große Checkkarte an. Besonders moderne Schlüssel, wie der LCD-Schlüssel von BMW, sind bereits kleinen Smartphones ähnlich.

Und das Smartphone ist es, dass den Zündschlüssel wohl schon bald endgültig beerben wird, unter anderem auch aus Sicherheitsgründen, denn das Funksignal des Schlüssels lässt sich abfangen, was es Diebe teilweise leicht macht, Autos zu kapern. Die Zukunft, da ist sich etwa der Autozulieferer Bosch sicher, liegt im Smartphone. Dabei erkennen fest ins Fahrzeug verbaute Sensoren das Handy des Besitzers so sicher wie einen Fingerabdruck und öffnen die Türen nur für ihn. Im Falle eines Verlusts lässt sich das System sperren. Alternativ ist es per App möglich, anderen Nutzern, auch zeitlich begrenzt, Zugang zu gewähren. Das Smartphone als virtueller Schlüssel kann dank Bluetooth als Übertragungstechnologie nicht abgefangen werden. Außerdem ist die Lösung praktisch, denn das Mobiltelefon tragen wohl mittlerweile die meisten stets mit sich. Und noch was ändert sich: Die nervige Suche nach dem Autoschlüssel dürfte damit der Vergangenheit angehören.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Bosch)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

27.06.2019

¬ BGH-Urteil

Schraubenschlüssel für Autoreparatur

Schadenersatz für Werkstattkundin

Der Bundesgerichtshof hat in einem Grundsatzurteil entschieden, dass Pkw-Besitzer von ihrer Werkstatt nach fehlerhaften Arbeiten unter Umständen Schadenersatz verlangen können. ¬ mehr

Bridgestone intelligente Reifen

Der Spion in meinem Rad

Der größte Reifenkonzern der Welt will sich nicht mehr nur um die „Beine“ des Autos kümmern. Bridgestone hat gerade den Telematik-Dienstleister TomTom gekauft und entwickelt weitere Dienste rund ums Auto. Nicht unumstritten ist dabei der Chip im Reifen, der auch (zu) viel über die Fahrkünste des Nutzers verraten kann. ¬ mehr

Kohl Mach Mit

Verunfallter BMW 1er ist repariert

Nach zehn Monaten intensiver Arbeit haben Schülerinnen und Schüler einen ehemals verunfallten BMW 1er wieder innerhalb des Projekts "Mach Mit" repariert. Nun fährt das Auto wieder. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 21.06.2019 | Umfrage

    Autohändler ächzen weiter unter Euro 5-Dieseln

    Erwin Tischler meint: Hardware-Nachrüstung ist dringend geboten. Sowohl für den Kunden, als auch für den Händler, der ...mehr

  • 18.06.2019 | Fahrbericht BMW X3/X4 M

    Sportwagen von heute

    Martin Hartmann meint: Yes, das braucht Man(n) heute um von A nach B durch den Münchner Feierabendverkehr zu cruisen. Wied...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Leistungsträger statt Mitläufer!

In der Neuerscheinung "Gewinnertypen im Verkauf" zeigt Ihnen Top-Verkäufer Ulrich Stegmann, wie Sie zu einer erfolgreichen Verkäuferpersönlichkeit werden. ¬ Jetzt bestellen!