Montag, 24.06.2019
Verkehrsblatt IVW
Interview

Unzählige Geräte sind vernetzbar

Unzählige Geräte sind vernetzbar
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Trotz seiner Vorteile schlummert der Vernetzungsstandard Asanetwork in vielen Werkstattgeräten ungenutzt vor sich hin. Das will Frank Beaujean als neuer Geschäftsführer der Asanetwork GmbH ändern.

Seit Oktober 2018 ist Frank Beaujean alleiniger Geschäftsführer der Asanetwork GmbH. Zuvor hatte er bereits sechs Monate Peter Rehberg unterstützt, der sich nach 20 Jahren als Geschäftsführer in den Ruhestand verabschiedete. Mit Frank Beaujean an der Spitze weht frischer Wind bei Asanetwork. Denn obwohl der Vernetzungsstandard in der Branche seit Jahrzehnten bekannt ist, lässt sich die Verbreitung weiter ausbauen. Hier hat der 52-Jährige in Deutschland, aber auch in Europa, große Ziele.

asp: Wie war Ihr Start bei Asanetwork und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

F. Beaujean: Die Fülle der Geräte, die Asanetwork-fähig sind, hat mich anfangs überrascht. Im Feld nutzen aktuell rund 7.000 Kfz-Betriebe den Asanetwork-Manager, der den Datenaustausch zwischen Dealer Management System und Geräten verschiedener Hersteller koordiniert. Diese Zahl ist weiter ausbaufähig. Hier wird es eine stetige Aufwärtsbewegung geben. Auf der anderen Seite sind einige Entwicklungsschritte fällig.

asp: Welche Entwicklungsschritte sind das?

F. Beaujean: Der Asanetwork-Manager läuft aktuell auf Windows-PCs. Aber gerade größere Kfz-Betriebe arbeiten auch mit Linux-Servern. Hier bieten wir noch im ersten Quartal 2019 eine Linux-kompatible Variante des Asanetwork-Managers an. Auch bei der Programmiertechnologie werden wir weitere Schnittstellen zum Beispiel für das Datenaustauschformat JSON anbieten.

asp: Warum benötigen Werkstätten im heutigen digitalen Zeitalter noch einen Vernetzungsstandard wie Asanetwork?

F. Beaujean: Die Idee von Asanetwork war schon bei der Gründung 1998 modern und gilt heute noch genauso. Wollen Werkstätten ohne Asanetwork ihre Geräte vernetzen, müssen sie alles aus einer Hand kaufen. Denn jeder Hersteller verwendet sein eigenes Protokoll, ob der MAHA Prüfstand oder das Bosch Diagnosegerät. Dank Asanetwork lassen sich aber auch Geräte verschiedener Hersteller vernetzen. Grundlage dafür ist, dass sich Hersteller und DMS-Anbieter auf das gleiche Protokoll geeinigt haben und die Asanetwork-Schnittstelle ab Werk in das Gerät bzw. in die DMS-Software integrieren.

asp: Welche Gerätehersteller und DMS-Anbieter nehmen an Asanetwork teil?

F. Beaujean: Das sind über zwölf DMS- Anbieter und bislang über 60 Gerätehersteller, die eine Vielzahl von Geräten weltweit mit der Asanetwork-Schnittstelle an Bord anbieten. Schätzungsweise sind insgesamt rund 100.000 Geräte im Feld, in denen Asanetwork schlummert und nur aktiviert werden muss. Auch andere Länder erkennen mittlerweile die Potenziale des Vernetzungsstandards. Es laufen bereits Gespräche mit einigen europäischen Ländern, das Interesse richtet sich hier auf den Bereich Prüftechnik. Darauf konzentrieren sich aktuell meine Ressourcen. Aber auch in Asien haben wir schon Erfolge. Denn unser Standard ist äußerst leicht anzuwenden und sehr stabil. Trotzdem gab es von bestimmen Geräten immer wieder technische Fehlermeldungen. Daher wird die Asanetwork-Schnittstelle für alle Gerätetypen neu zertifiziert, was auf großes Interesse gestoßen ist. Schließlich soll der Asanetwork-Manager auch mit Geräten funktionieren, die schon 1998 erstmals zertifiziert wurden. Im Rahmen dieser Rezertifizierung simulieren wir im Labor alle Nutzungsfälle, um technische Fehler auszuschließen.

asp: Was sind typische Anwendungsfälle von Asanetwork in der Werkstatt?

F. Beaujean: Es gibt viele klassische Anwendungsfälle aus den unterschiedlichsten Bereichen. Bei der Abgasmessung kann die Leitfaden 5.01-Version Software über Asanetwork vorkonfiguriert werden. Der Nutzer muss dann nur noch den Vorgaben der Software folgen, ohne die komplexen Fahrzeugdaten am Abgastester einzugeben oder den relativ komplizierten Auswahlbaum der Prüfung manuell durchzugehen. Auch bei der Bremsprüfung kann das Gerät aufgrund einer bestimmten Fahrzeugeigenschaft, in dem Fall Allradantrieb oder normaler Antrieb, automatisch in den korrekten Betriebsmodus wechseln. Bei Achsvermessungssystemen sind etwa die Solldaten direkt am Gerät verfügbar, der Anwender muss sich nicht durch Suchbäume klicken. Das reduziert das Fehlerrisiko durch händische Fehleingaben auf Null und bringt Werkstattmitarbeitern neben der Zeitersparnis auch zusätzliche Sicherheit. Ein ganz interessanter Anwendungsfall sind auch Ölmanagementsysteme. Hier kann der Anwender am Gerät nur noch die im DMS vorgegebene Ölmenge einfüllen. Dadurch gibt es keinen Ölschwund mehr.

asp: Wie läuft die Anwendung generell ab?

F. Beaujean: Der DMS-Arbeitsplatz legt einen Auftrag an, dass bei einem bestimmten Fahrzeug beispielsweise Öl aufgefüllt oder der Klimaservice gemacht werden muss. Sobald der Auftrag abgeschlossen ist, meldet das Gerät "erledigt" zurück und sendet die Daten an den Asanetwork- Manager. Im DMS kann jetzt die Rechnung erstellt werden. Die Prozesse müssen aber von Menschen aktiviert werden. Theoretisch kann es auch automatisierte Prozesse geben. Die einzelnen Anwendungsmöglichkeiten hängen vom DMS-Anbieter ab. Die Geräte übertragen standardisierte Ergebnisse, was der DMS-Anbieter daraus macht, ist offen. Ob Inventurverwaltung oder automatisierte Rechnungsstellung - aus den Daten lassen sich verschiedenste Geschäftsmodelle entwickeln.

asp: Wieviel kostet der Asanetwork-Manager?

F. Beaujean: Für den Werkstattbetreiber kostet die Software Asanetwork-Manager einmalig 829 Euro, unabhängig davon, wie viele Geräte und Arbeitsplätze er anbindet. Auch die Updates sind kostenlos. Denn die Asanetwork GmbH arbeitet nicht vorrangig gewinnoptimiert, sondern will die Verbreitung des Vernetzungsstandards erhöhen. Das ist in der Präambel des Gesellschaftsvertrages so festgelegt. Ein gemeinsamer Standard ist für alle Teilnehmer von Vorteil, da nicht so viele einzelne Protokolle programmiert werden müssen.

Um die Verbreitung weiter zu erhöhen, haben wir kürzlich das Lizenzmodell für die Hersteller angepasst und attraktiver gestaltet. Kleinere Unternehmen, die nur ein bis zwei Software-Bibliotheken benötigen, bezahlen weniger als Hersteller, die beispielsweise zehn Software-Bibliotheken für ihr gesamtes Produktportfolio vom Bremsprüfstand bis zum Abgasmessgerät brauchen. Die neuen Lizenzmöglichkeiten sind gerade für Start-ups oder DMS- Anbieter mit nur einem Produkt sehr interessant.

Interview: Valeska Gehrke

Kurzfassung

Der Vernetzungsstandard Asanetwork wurde 1998 ins Leben gerufen und hat heute noch genauso seine Berechtigung. Geschäftsführer Frank Beaujean beschreibt im Interview die Vorteile und typische Anwendungsfälle in der Werkstatt.

so funktioniert Asanetwork

Voraussetzungen für die VernetzungMit Asanetwork kann das Dealer Management System (DMS) eines Kfz-Betriebes mit Werkstattausrüstungsgeräten verschiedener Hersteller Daten austauschen. Dafür müssen das DMS und die Geräte Asanetwork-fähig sein, sprich mit einer Asanetwork-Schnittstelle ausgestattet sein. Alle Teilnehmer haben sich dabei auf das gleiche Übertragungsprotokoll geeinigt. Die Werkstatt selbst muss nur die Software Asanetwork-Manager auf einem PC bzw. Server installieren. Dieser Asanetwork-Manager (Netman) koordiniert die Sitzungen zwischen DMS und Geräten.Vorteil für die WerkstattSind alle Teilnehmer (Geräte) und DMS-Arbeitsplätze über LAN bzw. WLAN oder Bluetooth mit dem Netman verbunden, können auftragsbasiert Daten ausgetauscht werden. Dafür wird der angelegte Auftrag an das betroffene Gerät gesendet, abgearbeitet und die Ergebnisse zurückgeschickt. So muss der Mechaniker am Arbeitsplatz selbst beispielweise keine Fahrzeugdaten eingeben, die Messwerte stehen direkt im DMS-Datenbestand zur Verfügung und können etwa zur Rechnungsstellung weiter verwendet werden.Weitere Infos und eine Übersicht der Teilnehmer gibt es online unter www.asanetwork.de

Autor: Valeska Gehrke

 
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