Donnerstag, 27.06.2019
Verkehrsblatt IVW
 

Sekundenschnell messen

Sekundenschnell messen
Bildausschnitt des Originalartikels
© AUTO SERVICE PRAXIS

Mit abnehmender Profiltiefe verlängert sich der Bremsweg, und die Fahrsicherheit leidet. Die Reifenprofiltiefe sollte daher regelmäßig geprüft werden. Das geht mit manuellen Tiefenmessern, aber auch mit digitalen Handheldgeräten oder automatischen Überfahrlösungen.

Der Gesetzgeber schreibt eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern bei Reifen vor. Viele Reifenhersteller und Experten empfehlen aber eine Profiltiefe von mindestens drei Millimetern bei Sommer- und vier Millimetern bei Winterreifen. Der Grund: Mit abnehmender Profiltiefe verlängert sich gerade bei nasser Fahrbahn der Bremsweg entscheidend, wie beispielsweise Continental in einer Untersuchung gezeigt hat. Auch die Gefahr von Aquaplaning steigt. Um die Profiltiefe zu messen, stehen Werkstätten verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: angefangen vom klassischen Reifenprofiltiefenmesser, mit dem manuell geprüft wird, über Handheldgeräte bis zur automatischen Überfahrlösung. Auch einige Wuchtmaschinen messen automatisch die Reifenprofiltiefe. Dabei sind manuelle Messungen fehleranfälliger. Die Messwerte müssen vom Anwender abgelesen und per Hand notiert werden.

Digital jederzeit abrufbar

Die mit Handheldgeräten oder Überfahrlösungen gemessenen Werte hingegen können direkt am Gerät selbst angezeigt und/oder über eine Software auf dem Werkstatt-PC dargestellt, weiterverarbeitet und gespeichert werden. Teilweise lassen sich die Messwerte auch an ein externes IT-System übertragen. Vorteil der Übertragung an den Werkstatt-PC oder das eigene IT-System: Die Ergebnisse sind in der Kundenhistorie gespeichert und jederzeit wieder abrufbar.

Kfz-Betriebe können mit der Reifenprofiltiefenmessung das Kundenvertrauen stärken und für zusätzlichen Umsatz im Reifengeschäft sorgen. Denn abgefahrene Reifen, die ersetzt werden sollten, werden erkannt. Zudem lassen sich auch Potenziale für eine Fahrwerkvermessung aufdecken. Die Relevanz des Reifenzustands lässt sich auch gut vermitteln. Schließlich stellt der Reifen den einzigen Kontaktpunkt zur Fahrbahn dar - und jedem Fahrzeughalter ist die Fahrsicherheit wichtig.

Um die Reifenprofiltiefe zu messen, haben Reifenhersteller und Werkstattausrüster verschiedene Lösungen auf den Markt gebracht. Continental bietet beispielsweise seit Oktober 2018 das VDO-Reifenprofiltiefen-Messgerät als optionales Zubehör zum RDKS-Prüf- und Programmiergerät VDO TPMS Pro an. Über einen Metallpin wird die äußere, mittlere und innere Profilrille des Reifens gemessen und die Daten an das per Kabel angeschlossene TPMS Pro übermittelt. Dort werden die Ergebnisse farblich in Grün, Gelb oder Rot angezeigt und weisen so übersichtlich auf den Reifenzustand hin. Das VDO TPMS kann die Ergebnisse auch speichern, direkt ausdrucken oder an einen Werkstatt-PC übertragen. Die notwendige Software ist im Lieferumfang des TPMS Pro enthalten. Mit dem Reifenprofiltiefen-Messmodul will Continental das Reifenmanagement für Werkstätten erleichtern und das Angebot in Sachen RDKS-Servicegeräte vervollständigen. Schließlich sei die Reifenprofiltiefenmessung ein wichtiger Aspekt der Fahrzeug-Sicherheitsprüfung. "Mit ihr werden der Verschleiß der Reifen und das Einhalten der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern kontrolliert", heißt es von Continental.

RDKS-Diagnose inklusive

Bartec Auto ID will pünktlich zur nächsten Reifenwechselsaison im dritten Quartal 2019 ein neues Gerät auf den Markt bringen, das RDKS-Diagnose und Reifenprofiltiefenmessung vereint. Das TAP 300 richtet sich an den Reifenfachhandel, Kfz-Werkstätten und Betriebe, die Reifeneinlagerungen anbieten. Der Anwender wird Schritt für Schritt durch den Prozess geführt. Nach der Fahrzeugauswahl kann bei jedem Rad der RDKS-Sensor ausgelesen, der Luftdruck gemessen und die Profiltiefe an bis zu drei Stellen überprüft werden. "Aktuell wird meist nur an einem Punkt anstatt an drei Punkten gemessen. Ungleichmäßige Abnutzungen bleiben so unentdeckt, und Umsatzpotenzial geht verloren", weiß Alexander Heinz, Vertriebsleiter Europa bei Bartec Auto ID.

Die Ergebnisse der Messung mit dem TAP 300 werden auf dem Display farblich in Rot (gesetzliche Mindestprofiltiefe ist unterschritten), Orange (Reifenwechsel empfohlen) und Grün (alles in Ordnung) dargestellt und per Bluetooth an die PC-Software "RDKS-Desktop" übertragen. Dabei bestimmt der Anwender selbst, ab welcher Profiltiefe die Ergebnisse rot, orange oder grün gekennzeichnet werden. Zudem lassen sich unterschiedliche Werte für Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen hinterlegen.

"Ein Handgerät garantiert bei jeder Messung das exakte Messergebnis und damit auch die gleiche Aussage gegenüber dem Kunden", so Alexander Heinz. Außerdem spare der Anwender Zeit, denn bei der manuellen Messung werden die Werte meist auf Papier aufgenommen und müssen dann händisch in den PC übertragen werden.

Dokumentation ist wichtig

Auch die RTS Räder Technik Service GmbH hat auf der Autozum im Januar ein neues RDKS Programmier- und Diagnosegerät vorgestellt. Das CUB AID 4.0 soll umfassende Mess- und Dokumentationsmöglichkeiten sowie einen integrierten Profiltiefenmesser bieten. Eine lückenlose Dokumentation sei im Umgang mit Kompletträdern für Werkstätten sowie für den Kunden sehr wichtig, so Uwe Arnhölter, Vertriebsleiter der RTS Räder Technik Service GmbH. Mit dem Gerät sollen sich für über 100 Fahrzeuge alle relevanten Daten, darunter auch die Profiltiefe, speichern lassen.

Automatisch messen

Quasi im Vorbeifahren lässt sich die Reifenprofiltiefe mit dem System Easy Tread von Beissbarth messen. Die Überfahrlösung kann - zum Beispiel in der Fahrzeugannahme - über- oder unterflur in den Boden verbaut werden. Beim Überfahren des Systems mit einer maximalen Geschwindigkeit von 8 km/h wird jedes Fahrzeug automatisch erfasst, und die Ergebnisse werden innerhalb von Sekunden angezeigt. Das System funktioniert mittels präziser Kamera- und Lichtprojektionstechnologie. Es werden 18 Messlinien mit einer Breite von 1,8 Millimetern erzeugt, die eine flächenbezogene Messung ergeben. Die LED-Projektion vermeidet laut Hersteller im Gegensatz zu Messungen mit Lasern Flimmern, so entstehen keine Lücken bei der Profilmessung.

Die Ergebnisse können auf einem Smart-TV, Werkstatt-PC oder Tablet angezeigt werden und lassen sich über eine Schnittstelle auch an eine externe Werkstatt-IT übertragen. Kombinieren lässt sich das System mit der Infrarotkamera Easy Cam, die automatisch die Nummernschilder erkennt und an das System überträgt. So können die Messwerte dem jeweiligen Fahrzeug zugeordnet und entsprechend dokumentiert werden.

In die Prüfstraße integrierbar

Auch Hunter hat mit Quick Tread ein Überfahr-Profiltiefenmesssystem im Programm, das sich in die Prüfstraße Quick Check integrieren lässt oder als Standalone-Lösung verwendbar ist. Das System steht dabei in einer Überflur- und einer Unterflur-Variante zur Verfügung. In Schrittgeschwindigkeit wird das Fahrzeug über die Rampen gefahren. Mittels Laser wird das Reifenprofil auf einer Breite von zwei Zoll abgetastet. Aus insgesamt 280.000 Datenpunkten erstellt Quick Tread ein 3D-Modell der gescannten Reifenfläche. Die Ergebnisse werden farblich gekennzeichnet auf dem Bildschirm dargestellt, so ist auf einen Blick erkennbar, ob das Reifenprofil noch gut (grün), grenzwertig (orange) oder nicht mehr ausreichend (rot) ist. "Die Profiltiefe bei Autoreifen ist wichtig für die eigene Sicherheit im Straßenverkehr. Ist die Profiltiefe zu gering, so kann bei Nässe Aquaplaning entstehen. Im Winter beispielsweise erhöht sich die Rutschgefahr. Diese Faktoren können und sollten in den Kundendialog einbezogen werden", findet Stefan Kohl, Key Account Manager bei Hunter Deutschland. Optional erhält der Kunde daher einen Ausdruck der Messwerte. Die Ergebnisse werden über die Winalign-Software auf einem PC-Bildschirm oder einem Tablet angezeigt. Bei Bedarf könne neben der Achsvermessung und der Profiltiefenmessung auch ein Batterietestgerät sowie eine Kamera zur Nummernschilderfassung in die Quick-Check-Prüfstraße integriert werden.

Kurzfassung

Eine ausreichende Reifenprofiltiefe ist für die Fahrsicherheit sehr wichtig. Wir stellen einige Lösungen und neue Geräte vor, mit denen Kfz-Betriebe die Reifenprofiltiefe messen und so ihren Umsatz ankurbeln können.

Die Reifenprofiltiefe im Blick

Vorteile der Messung für die Werkstatt:- stärkt das Vertrauen und die Kundenbindung- sorgt für mehr Fahrsicherheit für den Fahrzeughalter- ist in der Regel schnell und einfach durchführbar- dient als Grundlage für Beratungsgespräche beim Kauf von Neureifen- macht Potenziale sichtbar, beispielsweise für eine Fahrwerkseinstellung

Autor: Valeska Gehrke

 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 
 

Kommentar verfassen

Frage der Woche

  • Kommentare
  • Galerien
  • Meldungen

Beliebteste Inhalte

  • 21.06.2019 | Umfrage

    Autohändler ächzen weiter unter Euro 5-Dieseln

    Erwin Tischler meint: Hardware-Nachrüstung ist dringend geboten. Sowohl für den Kunden, als auch für den Händler, der ...mehr

  • 18.06.2019 | Fahrbericht BMW X3/X4 M

    Sportwagen von heute

    Martin Hartmann meint: Yes, das braucht Man(n) heute um von A nach B durch den Münchner Feierabendverkehr zu cruisen. Wied...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Leistungsträger statt Mitläufer!

In der Neuerscheinung "Gewinnertypen im Verkauf" zeigt Ihnen Top-Verkäufer Ulrich Stegmann, wie Sie zu einer erfolgreichen Verkäuferpersönlichkeit werden. ¬ Jetzt bestellen!