Servicewelt

12.09.2011 12:02 Uhr

40 Jahre Automechanika

Nach der Absage der IAA 1971 regten die Verbände des Kfz-Handwerks sowie des Tankstellen- und Garagengewerbes eine eigene Messe an. Die Automechanika ´71 legte den Grundstein für eine internationale Erfolgsgeschichte.

Politisch turbulent begannen die 1970er Jahre. Mitten in die erste Amtszeit von Bundeskanzler Willy Brandt fiel die von der Automobilindustrie initiierte Absage der IAA 1971. Wirtschaftliche Gründe in Folge einer Absatzkrise wurden dafür und für die Absage weiterer europäischer Automessen angegeben. Den Verbänden des Kraftfahrzeuggewerbes sowie des Tankstellen- und Garagengewerbes missfiel die Absage der IAA. Dem Fachjournalisten Joachim Lattke kam daraufhin die Idee zur Fachmesse Automechanika. Mit der „Automechanika ´71 – Internationale Ausstellung für Auto-, Werkstatt-, Tankstellen- und Garagenausrüstung“ fand vom 18. bis 26. September 1971 in Frankfurt am Main die erste Automechanika statt. Knapp 500 Aussteller präsentierten ihre Produkte in drei Hallen und dem Freigelände. Und die Messe endete mit einem Paukenschlag: 75.000 Besucher waren auf die Automechanika ´71 gekommen. Darunter Besucher aus 63 Nationen, besonders aus den USA, womit damals niemand gerechnet hatte. Auch wirtschaftlich war die Automechanika 1971 ein großer Erfolg. Fast 90 Prozent der Aussteller berichteten von guten Geschäftsabschlüssen.

Glückliche Geburt

Angesichts dieses Erfolges wurde allen am Automobilservice Beteiligten klar, dass ein solches Schaufenster der Branche, eine eigene Messe für den Service tatsächlich gefehlt hatte. Unter dem Eindruck der Automechanika ´71 wurde noch im gleichen Jahr eine Neuauflage für 1972 angekündigt. Noch davor entschlossen sich einige Werkstattausrüster, eine gemeinsame Interessenvertretung ins Leben zu rufen, und gründeten den ASA-Verband, welcher bis heute ideeller Träger der Automechanika ist und heute mehr als 100 Mitglieder hat. Seit 1972 finden Automechanika und IAA im jährlichen Wechsel in Frankfurt statt.

Lässt man die Ausstellungsthemen der ersten Automechanika Revue passieren, so stellt man auffällige Parallelen zu den Messethemen unserer Zeit fest. Schon 1971 ging es auf der Automechanika darum, dass die Werkstätten fachlich mit der schnellen Weiterentwicklung der Automobiltechnik Schritt halten konnten. Und auch die Rationalisierung der Arbeit in der Werkstatt durch den Einsatz von Maschinen war ein Thema.

Was 1971 keiner ahnen konnte, ist der gewaltige Erfolg der Automechanika weltweit. Mit fast 4.500 Ausstellern und 155.000 Besuchern aus 63 Ländern hat die Automechanika 2010 in Frankfurt ihre Bedeutung als Leitmesse der Branche unterstrichen. Das Frankfurter Messegelände war mit 305.000 Quadratmetern belegter Fläche quasi bis auf den letzten Quadratmillimeter ausgebucht. Auch die neue Halle 11 war in ihrem Premierenjahr voll besetzt. Wer während der kompletten Öffnungszeit die Aussteller der Messe hätte besuchen wollen, hätte pro Stand knapp 30 Sekunden Zeit gehabt und hätte mehr als 40 km Messegänge abschreiten müssen.

Doch Frankfurt ist nur einer von inzwischen 12 Standorten der Automechanika. Längst hat die Messe Frankfurt das Konzept in die Welt getragen. Bangkok, Buenos Aires, Dubai, Istanbul, Johannesburg, Kuala Lumpur, Madrid, Mexico-Stadt, Moskau, St. Petersburg und Shanghai sind heute ebenfalls fest im internationalen Messekalender eingetragen. An manchen Orten findet die Automechanika sogar jährlich statt. Abgesehen von Flops wie seinerzeit die Automechanika Berlin oder der nur schlecht angenommenen Automechanika Rom scheint der Name inzwischen synonym für internationalen Messeerfolg zu stehen.

Weltweit zu Hause

Auf der Automechanika Middle East, die im Juni stattfand, stellten mehr als 1.000 Unternehmen aus. Auch die Automechanika Istanbul 2011 verzeichnete mehr als 1.000 Aussteller und 36.000 Besucher. Auf der Motortec Automechanika Iberica 2011 stellten 453 Aussteller aus und es kamen 40.000 Besucher. Gut gestartet ist die Automechanika South Africa 2011 mit 547 Ausstellern und 9.500 Ausstellern. Und auch die übrigen Veranstaltungen entwickeln sich. Die stürmischste Entwicklung erlebt die Automechanika Shanghai. Während dort im vergangenen Jahr 3.100 Unternehmen ausstellten, haben sich für die nächste Veranstaltung im Dezember 2011 bereits 3.600 Aussteller angesagt. Mehr als 50.000 Fachbesucher werden dort erwartet. Es ist schon bemerkenswert, welche Entwicklung die Automechanika in den vergangenen 40 Jahren genommen hat. Die Automechanika gilt branchenübergreifend als die umfangreichste und international am breitesten aufgestellte Messemarke der Welt. Der starke internationale Charakter der Automechanika in Frankfurt hat viele deutsche Besucher im Laufe der Jahre abgeschreckt, weshalb die Automechanika bereits seit einigen Jahren mit unterschiedlichen Mitteln die Attraktivität für die nationalen Besucher erhöht. Die klare Strukturierung des Ausstellungsangebotes, die bessere Zugänglichkeit zum Messegelände über die neue Halle 11, der Einsatz moderner Medien und vieles mehr erhöhen die Attraktivität. Ein größeres und in allen Produktbereichen vielfältigeres Angebot als auf der Automechanika in Frankfurt wird Fachbesuchern nirgends geboten.

Übrigens sind schon ein Jahr vor der nächsten Automechanika in Frankfurt aktuell bereits 70 Prozent der Fläche gebucht. Nachdem es mit Einbeziehung der neuen Halle 11 im vergangenen Jahr bereits zu einigen räumlichen Veränderungen gekommen ist, wird für 2012 mit weiteren Anpassungen gerechnet.

Gute Aussichten mit 40

Rückblickend betrachtet kann sich die Bilanz der Automechanika mehr als sehen lassen. Sie hat Werkstattausrüstern und Teileindustrie immer die Plattform und den Rahmen gegeben, den sie zur Kommunikation mit dem Markt brauchten. Die Aussichten für die kommenden Jahre sind gut. Und mit Sicherheit wird die Automechanika auch mit 40 noch für so manche Überraschung gut sein. Bernd Reich

▶ Zur Automechanika ´71 kamen 75.000 Besucher und knapp 500 Aussteller nach Frankfurt

▶ Die Automechanika 2012 ist schon ein Jahr vor der Veranstaltung zu 70 Prozent ausgebucht

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