"Systeme müssen reparierbar sein"


Datum:
21.06.2018

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asp: Welche Rolle spielt die Reparierbarkeit oder der Austausch von Einzelteilen in der Entwicklung von komplexen Systemen?

J. Haala: Der Trend ging tatsächlich über viele Jahre in die Richtung, dass einzelne Teile zu komplexen Hybridsystemen zusammengefasst werden. Dabei ging es vor allem darum, Platz für immer neue Teile zu schaffen, die immer mehr Funktionen des Autos unterstützen. Diese Entwicklung wird sicher Bestand haben. Allerdings sehen wir auch, dass Hybridysteme immer häufiger so konstruiert werden, dass sie mit weniger Aufwand instandgesetzt werden können. Einige OEM schreiben in ihren Lastenheften inzwischen vermehrt vor, dass Produkte ein "Design for Remanufacturability" ausweisen müssen. Das heißt, das finale Design des Produktes muss demontierbar beziehungsweise reparierfähig sein, es muss sich im Rahmen der technischen Möglichkeiten wiederaufbereiten lassen. Die Lastenhefte sehen vor, dass nur Lieferanten in den engeren Kreis der Auswahl kommen, die ihre Produkte entsprechend designen. Bei Continental designen wir Produkte ebenfalls so, dass sie im Rahmen der technischen Vorgaben einfach zu warten sind.

asp: Was bietet Continental für Ersatzteile oder Komponenten an, die eine zeitwertgerechte Reparatur ermöglichen?

J. Haala: Die OEM haben so genannte "Second Lines". Über dieses zweite Segment im Ersatzteilportfolio verkaufen sie eine zweite technische Spezifikation oder auch Kits, um Kunden zu bedienen, die ältere Fahrzeuge mit einer geringeren Lebensdauer haben als Neufahrzeuge. Wir bieten mit unseren Aftermarket-Marken Continental, VDO und ATE eine Reihe von Produkten an, die nachweislich eine Reparatur deutlich günstiger machen können. Zum Beispiel bieten wir eine Bremsscheibe für die C-Klasse von Mercedes-Benz an, ein Aftermarket-Produkt in vergleichbarer OE-Qualität für den Bremsscheibenwechsel. Mit unserer Marke Barum bieten wir für Bremsenreparaturen preiswerte und hochwertige Alternativen zu Produkten in OE-Qualität. Barum verfügt über eine eingeschränkte Programmbreite und ist ausgelegt auf Fahrzeuge, bei welchen aufgrund ihres Alters oder des Kilometerstandes bereits gezielt preisgünstige Alternativen zu OE-Produkten zum Einsatz kommen. Wir erweitern außerdem kontinuierlich unser Portfolio an Remanufacturing-Ersatzteilen mit besonderem Fokus auf elektronische und mechanische Teile. Die Bandbreite reicht hier von Dieselinjektoren und -pumpen über Bremssättel bis hin zu Navigationsgeräten.

asp: Werden Werkstätten immer weniger ältere Autos reparieren, weil sich das nicht mehr lohnt?

J. Haala: Wir glauben, dass durch Ferndiagnose Fahrzeuge künftig im Durchschnitt länger auf der Straße sein werden. Denn so können zukünftig Defekte schon in ihrem frühesten Anfangsstadium entdeckt und behoben werden, bevor sich das Problem ausweitet und entsprechend für den Kunden teurer wird, wodurch eine Reparatur eben im Zweifelsfall nicht mehr zeitwertgerecht ist. Aber auch von der Ferndatendiagnose abgesehen, sehen wir einen langjährigen Trend, dass immer mehr Fahrzeuge länger gehalten werden. Es gibt eine Entwicklung hin zum Pflegen und Fahren von klassischen Automobilen - hier wissen wir von jährlichen Steigerungsraten von etwa neun Prozent bei Fahrzeugen, die älter als 20 Jahre sind. Da sehen wir stark wachsendes Potenzial für den Independent Aftermarkt in Zusammenarbeit mit qualifizierten Werkstätten.

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