Fällt der Begriff Schmierstoff, denkt man zuerst an Motoröle, weiterhin womöglich an Getriebe- und Achsöle, vielleicht auch noch an Wälzlagerfett. Doch damit ist die Aufzählung von im Kraftfahrzeug eingesetzten Schmierstoffen längst nicht zu Ende. Es fehlt eine ganze Reihe von Spezialitäten. Was nicht besonders häufig benutzt wird, legt das Gedächtnis "ganz weit hinten" ab. Diese Spezialitäten kommen im Kraftfahrzeug zum Einsatz, wobei ihr Einsatz mitunter alters- und technikabhängig ist:
- Wälzlagerfett
- Antennenfett
- Stoßdämpferöl/Gabelöl
- Kettenhaftspray
- Unterbrecheröl
Welche der Spezialitäten sind nicht substituierbar, welche lassen sich durch andere Produkte ersetzen? Vielleicht sogar durch solche, die in Werkstätten und Autohäusern ohnehin vorhanden sind.
Wälzlagerfett ist durchaus substituierbar, wäre da nicht die Gewährleistung der Teileindustrie. Die legt jedem Ersatzlager ein Tütchen Fett bei oder liefert das Lager bereits gefettet aus. Bei einer Reklamation steht natürlich auch der Schmierstoff auf dem Prüfstand. Entspricht er nicht der Lieferung, kann die Reklamation abgelehnt werden. Das muss man so stehen lassen, es sei denn, man hat Zeit und Geld für den Nachweis, dass das alternative Schmiermittel nicht ausfallursächlich war. "Schmierfette basierten früher u. a. auf Natrium- oder Kalziumseifen. Heute stellt häufig Lithiumseife die Basis von Fetten wie unserem Hightemp EK 2 dar", erklärt Heiko Stephan, Anwendungstechniker bei Addinol Lube Oil. "Mit minus 30 bis plus 150, kurzzeitig sogar bis plus 200 Grad Celsius, hat es ein ausgesprochen breites Temperatureinsatzspektrum. Womöglich wird das aber gar nicht gebraucht und es genügt ein Mehrzweckfett mit schmalerem Temperaturspektrum. Bekommt man das Lager sauber entfettet und hat einen anwendungstechnischen Hintergrund, kann man sich auch an ein alternatives Fett wagen."
Auch auf hoher See im Einsatz
Ähnlich verhält es sich mit Antennenfett, empfohlen für Teleskopantennen, mit denen beispielsweise Mercedes-Benz bis in die 1990er Jahre Neuwagen auslieferte. "Ältere Schmiermittelbezeichnungen weisen auf die Einsatzorte hin: Chassis-, Wasserpumpen- oder eben Antennenfett", weiß der Anwendungstechniker. "Weil das Schmiermittel an der Teleskopantenne keinen mechanischen, wohl aber chemischen Belastungen durch Taumittel und in Waschzusätzen enthaltene Tenside ausgesetzt ist, empfehle ich das Korrosionsschutzfett Addinol SW 2. Es wird übrigens auch als Ankerspillfett in der Hochseeschifffahrt eingesetzt." Hier drängt sich ein Vergleich mit Lebensmittelindustrie und Brauereien auf. Für die Schmierung der Bierhahnbetätigung gibt es so genanntes Bierhahnfett - ebenfalls ein in der Bezeichnung enthaltener Hinweis auf den Einsatzort. Genügen würde hier bereits ein für Lebensmittel zugelassenes, geschmacksneutrales Fett.
Die angepassten Gebindegrößen sind ein Vorteil, die hochgerechneten Preise ein Nachteil von Spezialschmierstoffen. Will heißen: Existiert ein alternativer Schmierstoff, wird er vermutlich als "Klinikpackung" abgegeben, aber nicht zum "Apothekenpreis" gehandelt.
Insbesondere im Zweiradbereich sind Stoßdämpfer-/Gabelöl und Kettenhaftspray gebräuchlich. Austauschbar ist keines der genannten Produkte. Kettenhaftspray nicht, weil schnell laufende Ketten ein gut kriechendes und ebenso haftendes Schmiermittel erfordern. Mehrzweckfett genügt hier keinesfalls. Und Stoßdämpfer-/Gabelöl nicht, weil ein konventionelles Hydrauliköl mit den im Bereich Fahrwerkdämpfung auftretenden Temperaturen überfordert wäre. Das gilt bereits für den Straßenbetrieb, ganz besonders aber im Motorsportbereich. Die passenden Produkte von Addinol sind Gabelöl SAE 5W/ISO-VG 15, Stoßdämpferöl B SAE 5W/ISO-VG 15, Forkoil RR (für Rennsportanwendungen) und teilsynthetisches Kettenhaftspray.
Ebenso nicht substituierbar ist Unterbrecheröl. In den 1990er und 2000er Jahren war der sehr spezielle Schmierstoff, den alle Fahrzeuge mit Ottomotor, Kontaktzündung und Filzwischer benötigen, nicht lieferbar. "Von unserem neu aufgelegten Unterbrecheröl U 1500 haben wir sofort mehrere tausend Gebinde verkauft und damit vermutlich den Bedarf der gesamten Bundesrepublik gedeckt", wie Heiko Stephan schmunzelnd erklärt. Was macht den Schmierstoff unersetzlich? Unterbrecheröl hat eine sehr hohe Viskosität, damit es der Filzwischer dosiert an die Reibpaarung Nocken/Unterbrechernase abgeben kann und auch bei geringer Kurbelwellendrehzahl (beim Starten und Abstellen des Motors) die nötige Hydrodynamik am Nocken sichergestellt ist. Fett ist keine Alternative, weil der Filz damit verharzen würde. Und Unterbrecheröl ist additivfrei, damit der Kunststoffkörper des Unterbrechers nicht angegriffen wird. Der Artikel "Ölquelle" in asp Klassik, Ausgabe September 2009, enthält sämtliche Details.
Beratung durch den Hersteller
www.addinol.de
Die Addinol Lube Oil GmbH mit Sitz in Leuna (Sachsen-Anhalt) entwickelt, produziert und vertreibt ein überaus breites Spektrum von Schmierstoffen für nahezu alle Bereiche von Industrie und Handwerk. In der Kfz-Branche ist Addinol einerseits durch Schmierstoffe für moderne Fahrzeuge, andererseits durch solche für Old- und Youngtimer bekannt. Als Schmierstoffhersteller betont man bei Addinol zu Recht die Qualität der Kundenberatung, die sich mit fünf Mitarbeitern des Bereichs Anwendungstechnik sowohl an Fachleute als auch an Endverbraucher richtet. Den im Artikel mehrfach zitierten Anwendungstechniker Heiko Stephan erreicht man beispielsweise unter der Telefonnummer 03461/845-228. Alternativ hat das Unternehmen einen "Ölfinder" ins Internet gestellt. Link: www.addinol.de/oilfindnew. Unterteilt in Motorrad, Pkw, Lkw und Bus, lassen sich per Typschlüsselnummern oder durch Auswahl von Marke, Baureihe und Motor sämtliche Schmierstoffe identifizieren.