Auch im Zeitalter der Elektromobilität wird der Reifenservice weiterhin ein wichtiges Geschäftsfeld für Werkstätten bleiben. Das hat auch der US-amerikanische Hersteller Hunter Engineering erkannt und bietet entsprechende Produkte an. "Wir sind auf der sicheren Seite der Automobilindustrie. Egal ob Verbrenner, Hybrid oder Elektroauto - jedes Fahrzeug hat Reifen, Räder und zunehmend auch ADAS-Systeme", erklärt Marco Kempin, Geschäftsführer der Hunter Deutschland GmbH. Gleichzeitig steigt der Anspruch an die Effizienz pro Arbeitsplatz. Das betrifft auch den Reifenservice. "Viele Neueinsteiger haben zudem wenig Erfahrung in diesem Bereich", sagt Larry Watson, Vice President of Global Sales bei Hunter Engineering. Hier setzt Hunter mit seinem sogenannten "WalkAway"-Konzept an, das uns der Hersteller in der Hunter-Deutschlandzentrale in Puchheim bei München präsentiert hat.
Paralleles Arbeiten
Dabei kombiniert der amerikanische Werkstattausrüster die Reifenmontage und das Wuchten so intelligent, dass sich Stillstandszeiten minimieren und Arbeitsabläufe parallel ausführen lassen. Während eine Maschine automatisiert arbeitet, kann sich der Mitarbeiter bereits dem nächsten Schritt widmen ("WalkAway-Modus"). In der Praxis bedeutet das die Kombination von Reifenmontage, Wuchten und weiteren Prozessschritten zu einem abgestimmten Workflow. Während die Montiermaschine Reifen demontiert, kann parallel an der Wuchtmaschine gearbeitet werden.
Am Beispiel der Reifenmontiermaschine "Revolution WalkAway" in Kombination mit der Wuchtmaschine "Road Force WalkAway" zeigt sich der Effekt deutlich: Der Zeitbedarf für einen kompletten Wechsel eines Reifensatzes mit einem routinierten Mechaniker lässt sich von rund 34 Minuten (bei Einsatz einer herkömmlichen Montier- und Wuchtmaschine) auf knapp 19 Minuten reduzieren. Während mit herkömmlichen Maschinen 17 bis 18 Schritte erforderlich sind, sind es mit dem Hunter-Duo deutlich weniger. WalkAway lässt sich aber auch mit anderen Modellen wie der Reifenmontiermaschine "Maverick Pro" kombinieren, dann dauert der Vorgang jedoch länger.
- Ausgabe 6/2026 Seite 032 (625.0 KB, PDF)
""Im Grunde können auch ungelernte Mitarbeiter mit unseren Maschinen umgehen.""
Marco Kempin, Hunter
Hilfe für den Bediener
Die Reifenmontiermaschine Revolution arbeitet teilautonom und unterstützt den Arbeiter auch beim Aufsetzen des Rades, das sich hydraulisch anheben lässt. Eine integrierte Kamera überwacht und dokumentiert zudem alle Prozesse. Eine Ampel-Leuchte zeigt dem Anwender, welchen Vorgang die Maschine gerade durchführt. Nach einer initialen Eingabe beim ersten Rad übernimmt die Revolution einen Großteil des Demontage- und Montageprozesses für alle restlichen Räder selbstständig, einschließlich Wulstlösen, Demontage und Montage. Ein kompletter Reifenservice kann im Schnitt in etwa zwei Minuten pro Rad erfolgen "Nach dem ersten Reifen kann der Bediener im Prinzip einen Schritt zurücktreten - daher der Begriff WalkAway", erklärt Kempin. Er muss lediglich den Prozess überwachen.
Parallel dazu analysiert die Wuchtmaschine Road Force WalkAway nicht nur Unwuchten, sondern auch Kraftschwankungen im Reifen. Dabei kommt eine Messrolle zum Einsatz: "Mit Laser oder Ultraschall erkennt man geometrische Abweichungen, aber nur die Rolle findet auch harte Stellen im Reifen", so Kempin. Ein weiterer Vorteil: Die Maschine führt den Bediener beim sogenannten Matchen von Reifen und Felge. "Wir zeigen exakt, wo die höchste Stelle des Reifens und die tiefste Stelle der Felge sind", erklärt Kempin. Unwuchten lassen sich im Regelfall durch Aufkleben von nur einem Gewicht ausgleichen, und nicht durch zwei oder mehr Gewichte. Das spart auch Material. Die Maschine markiert dabei mit einem Laser, wo das Gewicht aufgeklebt werden muss.
Reifenservice besser planbar
Ob sich das neue WalkAway-Konzept für Werkstätten rechnet, kann Kempin schnell beantworten: "Wenn mich ein Mitarbeiter 3.000 bis 4.000 Euro im Monat kostet und ich mit Technik seine Leistung verdoppeln kann, dann ist das wie ein zweiter Mitarbeiter für einen Bruchteil der Kosten", so sein Fazit. Es sind zudem nahezu konstante Durchlaufzeiten möglich, unabhängig von Reifengröße oder Art des Reifens: Es können alle Typen bis hin zum UHP-Reifen in gleicher Zeit und Qualität montiert werden. Das macht den Reifenservice besser planbar. Auch an die Ergonomie wurde gedacht. "Mitarbeiter können während der Wechselsaison mit unseren Maschinen den ganzen Tag arbeiten, ohne abends komplett erschöpft zu sein", sagt Kempin. "Kfz-Betriebe können auch ältere Mitarbeiter mit Erfahrung so lange wie möglich halten, da sie den Job mit unseren Maschinen auch noch erledigen können."
Zugleich sinke die Fehleranfälligkeit. Automatische Systeme prüfen, ob das Rad korrekt gespannt ist, und geben klare Anweisungen zum nächsten Arbeitsschritt. Die Maschinen geben zudem Rückmeldungen zu Prozesszeiten, erkennen Fehlerquellen und dokumentieren Arbeitsschritte. Hunter bietet zudem mehrsprachige Benutzeroberflächen an, um die Bedienung auch für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund zu erleichtern. "Im Grunde können auch ungelernte Mitarbeiter mit den Maschinen umgehen, da jeder Schritt vorgegeben wird", sagt Kempin.