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Zukunftsprognose: E-Autos bleiben vorerst Verlustgeschäft

Norwegen hat den Start von Eelektromobilität staatlich unterstützt.
© Foto: dpa

Die deutschen Autohersteller haben bereits Milliarden in die Forschung an E-Autos investiert. Dabei ist unklar, wann sich das auszahlt. Das hängt auch maßgeblich von der Politik ab.


Datum:
05.02.2016
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Die Sache mit dem Elektro-Auto ist auf den ersten Blick schon irritierend: Im Prinzip ist die gesamte Branche davon überzeugt, dass dem Antrieb eine große Zukunft bevor steht - so richtig losgelegt haben aber bislang die wenigsten. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche bleibt, was den Fahrplan des Konzerns angeht, vage. "Für die Zukunft arbeiten wir auch an einem Architekturkonzept für ein Elektroauto mit bis zu 500 Kilometern Reichweite", sagte Zetsche am Donnerstag in Stuttgart.

Zwar haben alle deutschen Hersteller inzwischen Modelle mit E-Motoren auf dem Markt. Volkswagens Up und Golf fahren als Elektroversionen, ebenso wie Daimlers Smart und B-Klasse. Mit einem Modell, das ausschließlich als E-Auto konzipiert ist, kann bislang allerdings nur BMW mit dem i3 aufwarten. Die anderen Hersteller lassen sich Zeit. Für die VW-Töchter Audi und Porsche sind Modellreihen, die nur auf E-Motoren setzen, noch Zukunftsmusik - erst gegen Ende dieses Jahrzehnts wollen sie reine Stromer herausbringen.

Auch Daimler will erst bis zum Ende der Dekade ein solches E-Modell anbieten. Aber viel konkreter wird es nicht. Stattdessen setzen die Stuttgarter vorerst auf zehn neue Plug-in-Hybride, die mit Benzin und Strom fahren. Für diese Zurückhaltung beim reinen Elektroauto gibt es einen wichtigen Grund: es lohnt sich schlichtweg noch nicht.

Lange in Vorleistung gehen

"Ich glaube es ist wahrscheinlich davon auszugehen, dass es heute keinen Hersteller gibt, der mit diesen Produkten Geld verdient", vermutet Zetsche. Es sei eine "lange Strecke", bei der die Autohersteller in Vorlage gehen müssten. Selbst Marktführer Tesla nimmt sich bis 2020 Zeit, um Gewinne zu erzielen.

Gewinn können die Hersteller erst machen, wenn auch die Nachfrage der Kunden anzieht. Insgesamt wurden nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes im vergangenen Jahr aber nur gut 12.000 reine Elektroautos und 11.101 Plug-in-Hybride in Deutschland neu zugelassen - das sind gerade einmal knapp 0,7 Prozent der gesamten Neuwagen. Die Bundesregierung ist damit noch immer meilenweit von ihrem Ziel entfernt, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sind.

Aus Sicht der Autoindustrie ist die Politik selbst schuld daran. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt Zetsche. Am Dienstag saß er mit anderen Autobossen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen, schweigt aber zu Details des Treffens. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte zuletzt eine Kaufprämie ins Gespräch gebracht. Wer ein Elektroauto kaufen will, würde einen Zuschuss von mehreren Tausend Euro aus der Staatskasse bekommen. In der Koalition ist das umstritten.

Kreativer Prozess fehlt noch

Auch Andreas Pyka, Ökonom an der Universität Hohenheim, hält Kaufanreize für den falschen Weg. Angesichts des aktuell niedrigen Ölpreises müsste die Regierung tief in die Tasche greifen, um die preisbewussten Verbraucher ins E-Auto zu bekommen. Es müsse ein kreativer Prozess über die Zukunft der Mobilität angestoßen werden, letztlich stehe auch die politische Zielmarke infrage: "500.000 Elektroautos im Carsharing könnten den gleichen Effekt haben wie eine Million Elektroautos, die nur für die eigenen Zwecke genutzt würden."

In anderen Ländern zahlt sich die Förderung aus. In China sind 2015 dank fiskalischer und ordnungspolitischer Anreize nach einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) im vergangenen Jahr dreimal so viele Elektroautos verkauft worden wie im Jahr zuvor. "Neben den bekannten finanziellen Kaufanreizen profitieren Elektrofahrzeuge in China derzeit in Städten wie Shanghai und Peking von bevorzugten Zulassungsbedingungen", lautet die Begründung von CAM-Experte Stefan Bratzel. In einigen chinesischen Städten werden zudem immer wieder Fahrverbote für Autos mit Verbrennungsmotor ausgerufen, um den Smog in Zaum zu halten.

Zetsche nannte Norwegen als Land, in dem der Start von Elektromobilität erfolgreich staatlich unterstützt wurde. "Dort sind andere Randbedingungen gesetzt worden", sagte der Daimler-Boss. "Darüber muss man sich unterhalten, ob wir das auch wollen, oder nicht." 

Bis März will auch die Bundesregierung Farbe bekennen und über eine mögliche Förderung entscheiden. Sie entscheidet damit nicht nur darüber, ob Elektroautos für deutsche Autofahrer am Ende billiger werden - sie bestimmt damit auch mit darüber, wie schnell die E-Autos Gewinne in die Kassen der Autokonzerne spülen. (dpa)

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